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Corona-Schröter-Grundschule
Streit um Gubener Erstklässler

Guben. Soll mein Kind in der Friedensschule lesen, schreiben und rechnen lernen oder sollen doch lieber die Lehrer in der Corona-Schröter-Grundschule die ersten Grundsteine für die weitere Bildung legen – diese Entscheidung möchte der amtierende Bürgermeister Fred Mahro in Guben weiterhin den Eltern überlassen. "Auch mit der neuen Schulbezirkssatzung wollen wir das Wahlrecht der Eltern nicht einschränken", so Fred Mahro auf der Sitzung vom Hauptausschuss am Montag. Michèle-Cathrin Zeidler / sha

Die Neufassung sieht vor, mit zwei Grundschulstandorten und insgesamt fünf Klassen den Bedarf an Plätzen in den kommenden fünf Jahren zu decken. Bisher waren dabei die Friedens- und die Corona-Schröter-Grundschule gleichberechtigt mit jeweils 2,5 Zügen in der Schulentwicklungsplanung ausgewiesen. Nach dem neuen Konzept soll es in der Friedensschule künftig drei erste Klassen geben und in der Corona-Schröter-Schule nur noch zwei. Damit reagiere die Verwaltung auf die Wünsche der Eltern und die Entwicklung in der Stadt, so Fred Mahro.

Nachdem die Neufassung der Satzung bereits im Sozialausschuss abgelehnt wurde, bekam der amtierende Bürgermeister nun auch im Hauptausschuss Gegenwind von den Abgeordneten. "Mit dieser Schulbezirkssatzung kommen wir unserer Steuerungsfunktion nicht nach", findet Kerstin Nedoma (Linke), die seit über 30 Jahren als Lehrerin arbeitet. Sie verwies auf die Probleme, die es in diesem Schuljahr durch das freie Grundschulwahlrecht gab. So musste die Friedensschule ausgebaut werden und die Hortbetreuung konnte nur durch eine Sondergenehmigung gestemmt werden.

Auch der CDU-Stadtverordneten Christiane Fritzschka bereitet die Neufassung Sorgen. "Damit überfrachten wir die Friedensschule, die sowieso schon massive Platzprobleme hat, und lassen Kapazitäten in der Corona-Schröter-Grundschule ungenutzt", betont die Abgeordnete. "Wir spielen die Schulen gegeneinander aus." Doch für Fred Mahro wiegt der Gedanke der freien Wahl schwerer, als die rechnerische Betrachtung, zumal beide Schulen unterschiedliche Angebote hätten. "Mit der Festlegung der Zügigkeit kommen wir unserer Steuerungsfunktion nach", stellt er klar. "Außerdem musste kein Direktor in diesem Schuljahr einem Erstklässler absagen." Allerdings wollte Mahro dies für die Zukunft nicht ausschließen.

In der Diskussion betonte Günter Quiel zwar kein Experte in diesem Gebiet zu sein, erinnerte die Abgeordneten aber an das Stadtentwicklungskonzept. "In Zukunft werden wir nur eine große Schule brauchen", so der Vorsitzende der SPD-Fraktion. "Ich kann nur davor warnen, in der Nähe der Friedensschule zu bauen."

Die Neufassung wird nun noch einmal in den Fachausschüssen beraten. "Scheinbar gibt es noch Aufklärungsarbeit", räumte Mahro ein. "Da wir aber eine Verantwortung gegenüber den Eltern haben, hoffe ich, dass wir bald zu einer Einigung kommen."

Zum Thema:
Laut Brandenburgischem Schulgesetz können Kommunen einen Schulentwicklungsplan aufstellen. Prognosen zufolge rechnet die Stadt Guben mit durchschnittlich 100 Geburten pro Jahr. Durch Zuzüge steigt die Zahl der Lernanfänger im Planungszeitraum von 2017 bis 2022 auf 110 Schüler. Derzeit gibt es 738 Grundschüler in der Stadt. An den beiden Sekundarschulen in Guben lernen insgesamt 661 Kinder und Jugendliche. Die Zahl der Europaschüler wird sich den Angaben zufolge bei rund 280 einpegeln. (sha)