ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:01 Uhr

Rechtsstreit
Bauamt Spree-Neiße fordert Abriss

Die Terrassenüberdachung stammt aus dem Jahr 1975 - das will Jürgen Kodlowsky mit Fotos vor Gericht beweisen.
Die Terrassenüberdachung stammt aus dem Jahr 1975 - das will Jürgen Kodlowsky mit Fotos vor Gericht beweisen. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Pinnow. Jürgen Kodlowski kämpft vor dem Verwaltungsgericht um sein Haus am Pinnower See. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Die Luft ist klar, es riecht nach Wald. Leise rauscht das Laub, nur in der Ferne zwitschert ein Vogel. Entspannt sitzt Jürgen Kodlowsky vor seinem kleinen Häuschen – der Blick geht auf den Pinnower See. „Ich liebe die Ruhe hier“, sagt er. „Für diesen schönen Ausblick werde ich kämpfen.“ Zusammen mit seiner Frau besitzt er ein Wochenendhaus in der Nordsiedlung Altbau direkt am Pinnower See.

Doch ein Rechtsstreit trübt aktuell die Idylle am See. „Das Bauamt Spree-Neiße fordert den Abriss“, erklärt Jürgen Kodlowsky. Im April habe er einen entsprechenden Bescheid bekommen. Bis November sollte das Haus weichen. „Ansonsten wurden mir Strafen angedroht“, sagt Jürgen Kodlowsky. „Ich habe Widerspruch eingelegt. Aktuell wird der Fall vor dem Verwaltungsgericht in Cottbus behandelt.“

Doch warum soll Jürgen Kodlowsky sein Wochenendhaus abreißen? „Es gab eine anonyme Anzeige im April 2017“, erklärt er. Der Vorwurf: Er soll zusätzlich eine Terrasse samt Überdachung gebaut haben. „Doch das stimmt nicht. Die Terrassenüberdachung mit den seitlichen Wänden gibt es bereits seit 1975“, so Jürgen Kodlowsky. Alte Fotos aus dem Familienfundus würde dies auch beweisen.  Das Haus wurde 1964 von seinen Eltern gebaut. Im Jahr 2015 hat er es schließlich zusammen mit seiner Schwester geerbt.

„Im Jahr 1999 ließ die Gemeinde für unsere Siedlung einen Bauplan erarbeiten“, erzählt Jürgen Kodlowsky. Vor kurzem habe er Einsicht erhalten: „Auf dem Bauplan fehlt die Terrasse. Der Plan ist ganz klar falsch.“ Und nicht nur für sein Grundstück konnte er Fehler ausmachen. „Auch bei meinen Nachbarn stimmt der Plan nicht mit der Realität überein. Viele Terrassenüberdachungen sind nicht eingezeichnet. Da muss irgendetwas schief gelaufen sein“, so Jürgen Kodlowsky. Als das Bauamt damals vor Ort war, sei er allerdings nicht anwesend gewesen. „Meine Mutter war damals schon dement. Vielleicht hat sie den fehlerhaften Plan abgenommen“, so eine mögliche Erklärung. „Eigentlich müsste hier der Bestandsschutz gelten.“

Die komplette Siedlung ist zu DDR-Zeiten entstanden. „Damals war das Baurecht deutlich einfacher“, weiß Jürgen Kodlowsky. „Die Häuser mussten lediglich neun Meter voneinander entfernt stehen.“ Heute gilt für die Siedlung: Die Häuser dürfen eine Grundfläche von 50 Quadratmeter haben und die Terrassen zusätzlich zehn Quadratmeter messen. „Das Haus hat eine Wohnfläche von 42 Quadratmetern und die Terrasse ist 21 Quadratmeter groß“, gesteht Jürgen Kodlowsky. Dass dies mehr ist als erlaubt, weiß auch Jürgen Kodlowsky. „Ich wäre auch bereit, die Fensterfront zurückzubauen, aber darauf wollte sich das Bauamt nicht einlassen.“

Der Landkreis Spree-Neiße will sich zu dem Fall nicht äußern. „Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt dürfen wir hier keine Auskünfte machen“, erklärt Pressesprecherin Silvia Friese auf RUNDSCHAU-Nachfrage.

Jürgen Kodlowsky will auf jeden Fall nicht aufgeben. „Ich reiße da nichts ab. Ich lass das Haus so stehen“, betont er. „Ich werde Druck machen.“ In einem Schreiben will er sich nun direkt an Landrat Harald Altekrüger wenden und seinen Fall schildern. „Ich werde auch die Beweise mitschicken“, erklärt er. Seine Hoffnung ist eine Korrektur des Bauplans: „Dann müsste die Anordnung zurückgenommen werden.“

Für diesen Blick will sich Jürgen Kodlowsky an den Landrat wenden.
Für diesen Blick will sich Jürgen Kodlowsky an den Landrat wenden. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler