ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:15 Uhr

Mehr als 60 Unterstützer
Streit um Ehrung für Chorleiterin

Evelyn Gleisert-Ohnheiser mit dem Ensemble des Gesangsstudios aus Sankt Augustin-Menden.
Evelyn Gleisert-Ohnheiser mit dem Ensemble des Gesangsstudios aus Sankt Augustin-Menden. FOTO: FOTO-Werner
Guben. Der ehemalige Chor „Ulrike“ kämpft für Ehrenbürgerschaft von Evelyn Gleisert-Ohnheiser. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Evelyn Gleisert-Ohnheiser soll Ehrenbürgerin der Stadt Guben werden oder sich ins Goldene Buch eintragen dürfen - dafür setzen sich die ehemaligen Mitglieder des Chores „Ulrike“ seit ihrem Wiedersehen im Mai 2017 ein. „Sie hat als Chorleiterin unfassbar viel für die Kulturlandschaft in Guben getan“, begründet das ehemalige Chor-Mitglied Grit Sarrach. „Wir wurden mehrfach ausgezeichnete und haben die Stadt weit über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt gemacht.“ Fast 400 Sänger hatte das Ensemble, das aus Mitgliedern des FdJ- und Pionierchores des Kreises Guben sowie der einstigen Dr.-Theodor-Neubauer-Oberschule bestand. Zwischen 35 und 40 Konzerte absolvierte der Chor pro Jahr.

„Evelyn Gleisert-Ohnheiser war in Guben früher eine engagierte Frau mit Courage“, so die Starkowerin. Jeder in der Neißestadt habe die quirlige Chorleiterin gekannt und geschätzt. „Sie war auch Musiklehrerin und hat viele Talente gefördert“, sagt Grit Sarrach. „Gleichzeitig hatte sie immer ein offenes Ohr.“ Einige ihrer Schützlinge singen heute auf großen Bühnen, andere betonten auf dem Wiedersehen, wie stark sie ihre „Mutter Gleisert“ geprägt hat.  So auch Grit Sarrach: „Ohne sie wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin.“ Evelyn Gleisert-Ohnheiser hatte Guben nach einem Arbeitsgerichtsstreit mit der Stadt 1992 verlassen: „Ihr Ruf war beschädigt, obwohl sich die Vorwürfe der Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit nie bestätigten.“

Nachdem sich alle anwesenden 60 Chormitglieder auf dem Wiedersehen für eine Ehrung ausgesprochen hatten, stellte Romy Trotte im Juni 2017 einen Antrag auf Eintragung in das Goldene Buch oder Verleihung der Ehrenbürgerschaft. Bürgermeister Fred Mahro (CDU)  teilt ihr zwei Wochen später mit, dass beide Auszeichnungen den mehrheitlichen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung voraussetzen. „Um hier eine möglicherweise subjektive, öffentliche Diskussion über derartige Anträge zu vermeiden, ist es zwischen dem Hauptverwaltungsbeamten, der Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung und dem Fraktionsvorsitzenden abgestimmt, diese Anträge vorab zu erörtern“, heißt es in dem Schreiben. Das Ergebnis dieser Abstimmung sei zu Ungunsten von Evelyn Gleisert-Ohnheiser ausgefallen. „Eine Begründung fehlt und keiner weiß, was hinter verschlossener Tür besprochen wurde. Das finde ich fragwürdig“, betont Grit Sarrach. Unabhängig von diesem ersten Antrag schrieb auch sie an Bürgermeister Fred Mahro und der Vorsitzenden der Stadtverordnung Kerstin Nedoma (Die Linke). „Bis heute habe ich keine Antwort von Fred Mahro erhalten“, ist Grit Sarrach sauer. Kerstin Nedoma habe ebenfalls lediglich den Eingang des Schreibens bestätigt und eine Beratung in ihrer Fraktion angekündigt. „Danach wollte sie sich zu gegebenem Zeitpunkt melden – das war im August 2017“, sagt Sarrach. „Diese Verschleppung ärgert mich. Es passiert einfach nichts.“ Sie habe den Eindruck, dass die Stadt lieber Personen ehre, die „viel Geld in die Kasse gespült haben“.

Pressesprecher Bernhard Schulz bestätigt das ablehnende Ergebnis der Abstimmung sowie das Antwortschreiben an Romy Trotte. Für Grit Sarrach kündigt der Pressesprecher Post an: „Zwischenzeitlich ist auch dieser Antrag beraten worden und eine schriftliche Benachrichtigung über das Ergebnis wird zugestellt.“ Zu den Gründen der Ablehnung werden sich Verwaltung und Stadtverordnetenversammlung öffentlich nicht äußern.