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| 15:33 Uhr

Guben
Streit um Arztpraxis

Dr. Leszek Lacheta und seine Frau Malgorzata Babczynska-Lacheta. Der Mediziner beklagt eine massive Rufschädigung. Die beiden Ärzte wurden freigestellt und haben Hausverbot. Am Arbeitsgericht wird nun eine Klage verhandelt.
Dr. Leszek Lacheta und seine Frau Malgorzata Babczynska-Lacheta. Der Mediziner beklagt eine massive Rufschädigung. Die beiden Ärzte wurden freigestellt und haben Hausverbot. Am Arbeitsgericht wird nun eine Klage verhandelt. FOTO: Engelhardt
Guben. Die Kassenärztliche Vereinigung will eigene Einrichtung in Guben schließen. Dagegen klagt Mediziner vor dem Arbeitsgericht.

Die Praxis des Hausarztes Dr. Leszek Lacheta sowie der HNO-Ärztin Malgorzata Babczynsk-Lacheta in Guben bleibt weiter geschlossen. Um das einstige Pilotprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung ist ein Rechtsstreit entbrannt.

„Nur vorübergehend geschlossen“ – so hieß es noch Mitte Oktober. Als Grund nannte die Kassenärztliche Vereinigung Berlin-Brandenburg (KVBB) damals einen „hohen Krankenstand“, der aktuell keinen Praxisbetrieb ermögliche. Die endgültige Schließung war aber schon da für Ende März 2018 geplant. Mittlerweile rechnet niemand mehr damit, dass die Praxis noch einmal öffnet. Die beiden Mediziner sind eigenen Angaben zufolge freigestellt und haben Hausverbot.

Als „sittenwidrig“ bezeichnet Rechtsanwalt Volker Thummerer die Änderungskündigung der KVBB. Er vertritt seinen Mandaten Leszek Lacheta bei der Verhandlung vor dem Arbeitsgericht in Cottbus. Für ihn liegt auf der Hand, dass der eigentlich Grund für den Rauswurf die vom Mediziner geforderte Überschussbeteiligung an der mittlerweile florierenden Praxis ist. Auch dazu läuft aktuell ein Rechtsstreit zwischen beiden Parteien.

Einen Zusammenhang zu diesem noch anhängigen Verfahren schließt die KVBB jedoch ausdrücklich aus. Als Gründe für die geplante Schließung der Doppel-Arzt-Praxis werden stattdessen  die „deutlich verbesserte Versorgungslage“ für Patienten in Guben sowie die „betriebswirtschaftliche Situation“ der Praxis angeführt. Vor allem der HNO-Bereich sei „sehr defizitär“, wie Monika Armelung, Leiterin der Rechtsabteilung der KVBB, vor Gericht erklärt.

Die Gubener Praxis in Trägerschaft der KVBB wurde im August 2013 eröffnet und galt als Pilotprojekt, mit dem neue Versorgungsstrukturen gerade für strukturschwache Regionen geschaffen werden sollten. Die beiden polnischen Ärzte sind Doppelsprachler und galten in einer Stadt wie Guben mit vielen polnischen Patienten als Idealbesetzung. Seit rund zwei Jahren gibt es eine weitere Hausärztin in Guben, die Angestellte der KVBB ist. Finanziert wird dieses Modell aus den Honoraren der ambulant tätigen Ärzte und Psychotherapeuten in Brandenburg.

Nun steht die im Naemi-Wilke-Stift angesiedelte Praxis vor dem Aus. Die KVBB bietet den betroffenen Medizinern neue Verträge an: Leszek Lacheta könnte einen freien Posten in einer wirtschaftlicheren Einrichtung in Joachimsthal (Landkreis Barnim) bekommen. Seiner Frau wird eine Beratertätigkeit in Potsdam nahegelegt. Andere Stellenangebote in der Region gebe es nicht, heißt es.

„Es gibt keinen Grund, die Praxis zu schließen“, stellt hingegen Lacheta klar. Die wirtschaftliche Situation sei „blendend“. Das dritte Quartal 2017 sei das bisher erfolgreichste gewesen. Er verweist auf rund 5000 Patienten in seiner Kartei, deren Versorgung nun vollkommen offen sei. Als besonders schmerzhaft empfindet der Mediziner auch die „massive Rufschädigung“. So sei ihm beispielsweise der Zutritt zu einer Ärzteversammlung in Guben verwehrt worden.