"In der Regel dreht es sich darum, dass der Ast vom Nachbarn über den Zaun ragt, die Wurzeln vom Baum nebenan stören, die Hunde zu laut bellen oder Tiere Pflanzen abfressen", sagt Thomas Lottra. Für den 46-jährigen Handelsvertreter ist der ehrenamtliche Schiedsposten "eine interessante Aufgabe". Vor rund sieben Jahren wurde er angesprochen, ob er nicht Lust darauf hätte - und die hat er bis heute nicht verloren.

"Zu zweit haben wir es gewagt", stimmt ihm Elke Schellack zu. Die 55-jährige Erzieherin, die zurzeit auf Arbeitssuche ist, gehört zu den "Alteingesessenen", wie sie selbst sagt. "Ich werde auf Dorffesten angesprochen, oder die Leute rufen einfach an, wenn sie Probleme haben", erzählt sie. Ihre offizielle Sprechstunde haben die beiden Streitschlichter, die rund zehn Fälle pro Jahr bearbeiten, jeden letzten Dienstag im Monat von 15 bis 16 Uhr in der Gemeindeverwaltung Schenkendöbern.

In dem karg eingerichteten Büro im Keller des ehemaligen Schenkendöberner Schlosses sitzen die beiden nun und erzählen von gelösten Problemfällen. "Meist schaukelt sich die Angelegenheit so weit hoch, dass die Betroffenen kein Wort mehr miteinander reden", sagt Lottra. Dann werde schon eine simple Absprache wie die zu einem abzusägenden Ast schwierig.

"Vor ein paar Jahren sind bei einer Geburtstagsfeier Geschenke und andere Sachen verschwunden", erinnert sich Schellack an einen konkreten Fall. Auch hier lag ein Kommunikationsproblem vor. Der Jubilar, der während der Feierlichkeiten ins Krankenhaus musste, hatte seinen Familienangehörigen andere Anweisungen hinterlassen als die Lebensgefährtin. Gut ist auch ein Fall ausgegangen, bei dem ein junges Mädchen ihrem Freund Geld geborgt hatte, es aber nicht wiederbekam. "Erst stritt er alles ab", so Schellack. Dann habe er gezahlt.

"Wir hören uns erst einmal beide Parteien an und versuchen, einen für alle tragbaren Kompromiss zu finden", sagt Lottra. Doch nicht immer sind die Bemühungen der Streitschlichter erfolgreich. Erst Anfang dieser Woche habe es eine Verhandlung gegeben, nach der den zertrittenen Parteien eine Erfolglosigkeitsbescheinigung ausgestellt werden musste.

"Erst mit dieser Bescheinigung ist eine Klage zulässig", erklärt Lottra. Das gilt laut Brandenburgischem Schlichtungsgesetz bei Streitigkeiten mit einem Wert von bis zu 750 Euro, in bestimmten Nachbarrechtsstreitigkeiten sowie Ansprüchen wegen der Verletzung der persönlichen Ehre außerhalb von Presse und Rundfunk.

Die Schiedsstellen werden von den Gemeinden, Ämtern und Städten eingerichtet. Die Ehrenämtler werden für fünf Jahre gewählt, vom Direktor des Amtsgerichtes berufen und unterstehen der Fachaufsicht des zuständigen Amtsgerichtes.