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Stolpe im Stau?

Guben.. Wenn Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe morgen Nachmittag an die Neiße kommt, kann es auf der B 112 zeitgleich wieder eng werden. In den letzten Wochen war die Straße in Richtung Groß Gastrose nämlich regelmäßig ab Freitag bis kurz vor den Gubener Ortseingang durch eine Lkw-Schlange zugestaut. Allerdings ist zu befürchten, dass der Minister von dem lebensgefährlichen Chaos nichts bemerken wird. Von Jan Siegel

Es ist ein unerklärliches Phänomen. Die Bewohner rund um den Grenzübergang Gubinek in der Nähe von Klein Gastrose leiden seit Jahren unter einem fast wöchentlich wiederkehrendem Stauchaos auf der B 112. Immer dann aber, wenn sich Landes- oder gar Bundespolitiker oder auch überregionale Medien wie das Fernsehmagazin „Vor Ort“ für das nervige Problem interessieren, ist die lebensgefährliche Autoschlange verschwunden.
Für die Stau-Betroffenen klang es wie ein übler April-Scherz als die Staatskanzlei von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck just am 1. April eine Mitteilung verbreitete, in der es hieß, dass das Stauproblem vor dem Übergang Gubinek „gelöst“ sei.
Doch entgegen aller Behauptungen gibt es den Stau immer noch, und er sorgt dafür, dass auch die Stadt Guben spätestens ab Freitag früh aus südlicher Richtung nicht mehr direkt erreichbar ist. Wenn sich nämlich die Lkw auf der Bundesstraße aufgereiht haben, wird die Strecke zwischen Groß Gastrose und Guben einseitig gesperrt – aus Sicherheitsgründen
Manfred Stolpe, der die Problematik um den Grenzstau schon aus seiner Zeit als Brandenburgischer Ministerpräsident sehr genau kennt, wird das Schicksal derjenigen, die unter dem Stau seit Jahren leiden, aber wohl auch morgen nicht teilen müssen. Obwohl der Minister Guben in Richtung Zittau verlassen will, wo er am Abend vom dortigen Rotary-Club eingeladen ist, deutet vieles darauf hin, dass Stolpe den Stau mit einem Hubschrauber überfliegen könnte. Genaue Auskünfte über das Beförderungsmittel waren gestern aber auch aus seinem Büro nicht zu bekommen – aus Sicherheitsgründen.
Auch bei seinen Terminen in Guben selbst wird Manfred Stolpe morgen wohl von keinem Offiziellen mit dem unangenehmen Stauproblem belästigt. Denn er ist in seiner Eigenschaft als Bauminister auf Tour. Nach Guben kommt er, weil die Neißestadt Deutschlands Vorreiter in Sachen Stadtumbau ist. Nirgends anders verschwinden Plattenbauten so massiv, liegen so detaillierte Stadtumbaupläne vor.
Manfred Stolpe wird sich von Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner im Deutsch-Slawischen Kulturzentrum die Pläne erläutern lassen. Dann will er auf dem Reichenbacher Berg mit vom Abriss betroffenen Bürgern und Chefs der Gubener Wohnungsunternehmen ins Gespräch kommen und auch selbst einmal in einem Brösel-Bagger an den Hebeln ziehen.
Das Stadtumbauthema ist derzeit das wichtigste für Gubens Bürgermeister. In dieser Sache braucht er gute Stimmung und auch in Zukunft jede Menge Fördermittel aus Berlin und Potsdam. Deshalb wird er wohl morgen nicht versuchen, Manfred Stolpe mit dem lästigen Stauthema zu nerven. Obwohl die Autoschlange auch ein großes Problem für die Neißestadt selbst ist. Nicht nur, dass sich die Lkw zeitweilig bis in die Karl-Marx-Straße reihen und für Behinderungen sorgen. Der Stau wird durch seine Permanenz auch zum Wirtschaftshindernis, weil die Stadt aus Richtung Süden abgeschnitten und nur über umständliche Umwege erreichbar ist.