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Steidel will 2018 endlich König werden

Marko Steidel will weiter kämpfen und setzt dabei auf die Rückkehr von Klaus-Dieter Hübner ins Gubener Rathaus.
Marko Steidel will weiter kämpfen und setzt dabei auf die Rückkehr von Klaus-Dieter Hübner ins Gubener Rathaus. FOTO: S. Halpick
Guben. Der Groß Drewitzer hat dritte Bewerbung eingereicht und streitet gegen den Marketing- und Tourismusverein vor Gericht. Silke Halpick

Wie ein Verlierer fühlt sich Marko Steidel nicht, als er am Dienstagmittag das Amtsgericht in Guben verlässt. Er sieht sich ohnehin eher als Kämpfer, der um sein gutes Recht streitet. Obwohl er keine neuen Belege für den Vorwurf, dass die Apfelkönigswahl 2016 manipuliert wurde, vorbringen kann, fordert er 5000 Euro Schadenersatz vom Marketing- und Tourismusverein (MuT) Guben als Veranstalter. Zudem kündigt er an, im nächsten Jahr endlich Apfelkönig von Guben werden zu wollen.

Die Bewerbung hat er schon eingereicht, wie er vor der Verhandlung auf dem Flur erzählt. Das bestätigt auch MuT-Geschäftsführerin Kerstin Geilich. "Wir haben noch gar keine Ausschreibung für 2018 gemacht", betont sie. Die Bewerbung sei deshalb viel zu früh. Das will der Verein dem potenziellen Kandidaten auch noch schriftlich mitteilen.

Für den Fall, dass er wieder nicht zugelassen wird, will Steidel 40 000 Euro Schadenersatz. Im Jahr 2017 waren es noch 20 000 Euro. Damit summieren sich Steidels Forderungen gegenüber dem MuT auf insgesamt 65 000 Euro. Für Rechtsanwalt Klaus-Dieter Fuhrmann, der den Verein vertritt, ist es völlig unverständlich, wie Steidel Repräsentant des MuT werden will, von dem er gleichzeitig so viel Geld verlangt.

Einfach ungerecht behandelt fühlt sich hingegen Marko Steidel. Der Ausschluss von der Wahl 2017 sei nicht zulässig, wie er nach wie vor findet. Der MuT hatte allen Bewerbern die Teilnahme verwehrt, die sich im Rechtsstreit mit dem Verein befinden. Das betraf zu diesem Zeitpunkt nur Steidel, der wegen angeblicher Wahlmanipulationen im Jahr 2016 klagte.

"Mit Klaus-Dieter Hübner als Bürgermeister wäre das nicht passiert", ist sich Steidel sicher. Der Trödelhändler setzt eigenen Aussagen zufolge deshalb auch darauf, dass der suspendierte Bürgermeister zurück ins Rathaus kommt, seinen Einfluss auf den MuT geltend macht und dafür sorgt, dass Steidel endlich Gubener Apfelkönig werden kann. Auf die Frage, ob er von Hübner im Rahmen des Rechtsstreites unterstützt wird, antwortet Steidel allerdings mit "nein". Das seien alles nur Gerüchte, betont er.

Gegen Klaus-Dieter Hübner, der die Bürgermeisterwahl 2016 gewonnen hat, läuft ein vom Spree-Neiße-Landrat eingeleitetes Disziplinarverfahren, gegen das sich der FDP-Mann juristisch wehrt. Doch selbst als Bürgermeister hätte er keinen direkten Einfluss auf die Entscheidungen des Marketing- und Tourismusvereins.

Sollte es Marko Steidel aber tatsächlich gelingen, im kommenden Jahr zur Wahl zugelassen zu werden, könnte er womöglich auf eine alte Bekannte treffen: Antonia Lieske hat die Zeit ihrer Regentschaft offenbar so gut gefallen, dass sie eine erneute Kandidatur nicht ausschließt, wie sie auf RUNDSCHAU-Nachfrage sagt. Ob das allerdings schon 2018 oder erst in zwei, drei Jahren der Fall ist, lässt sie offen.

Fast zur Nebensache wurden dabei die drei Verhandlungen vor dem Amtsgericht in Guben. Den eigentlich schon überholten Eilantrag, mit dem die Wahl 2016 für ungültig erklärt werden soll, zog Steidel zurück. Die Kosten des Verfahrens trägt er. Fest hält er hingegen an der Schadenersatzforderung von 5000 Euro sowie am Auftrittsverbot der Apfelkönigin zur Grünen Woche. Der zuständige Richter Marko Horn will in beiden Fällen sein Urteil am 13. Oktober verkünden.

Anhängig ist ein weiteres Verfahren vor dem Landgericht Cottbus, bei dem es um die Schadenersatzforderung von 20 000 Euro für die Nicht-Zulassung zur Wahl 2017 geht. Hier muss Steidel einen Vorschuss zahlen, damit es überhaupt zur Verhandlung kommt. Der ist allerdings laut Landgericht noch nicht eingegangen.

Zum Thema:
Der Fall des Gubener Apfelkönigs hat bereits bundesweit für Schlagzeilen und Lacher gesorgt. Die Neißestädter selbst sind hingegen genervt und befürchten einen Imageschaden für die Stadt.Stein des Anstoßes ist für Marko Steidel der fehlende Führerschein seiner Gegenkandidatin bei der Wahl 2016, der angeblich Voraussetzung gewesen sei. Das hat das Amtsgericht Guben in der Hauptverhandlung am 8. September aber zurückgewiesen.