Etwas Lustiges will Bernd Birnfeld nicht so recht einfallen. Ja, Lustiges habe es in seinen fünf Jahren als Revierleiter der Polizei in Guben schon gegeben, noch mehr in seinen insgesamt 20 Jahren als Polizist in der Neißestadt und fast 40 Dienstjahren in Uniform. Aber er sei nicht der Typ, der sich alles aufhebt und Fotos sammelt. Die Zukunft ist Birnfeld wichtiger. Und die sieht für ihn vor allem ruhiger aus als die Gegenwart. Nach zwei Jahrzehnten als Polizist geht Birnfeld nun in den Ruhestand. Ein offenbar wohlverdienter. Die Fußstapfen, die der Revierleiter hinterlässt, seien groß, sagt sein Nachfolger Matthias Rammholdt. Er wird ab dem 1. Mai das Revier in der Berliner Straße leiten. Seit 2002 ist der 50-Jährige bereits in Guben bei der Polizei. Umkrempeln will er das Revier nicht. Vielmehr will er fortführen, was Birnfeld in den vergangenen fünf Jahren aufgebaut hat.

Da ist zum Beispiel die Präventionsarbeit, die die Gubener Polizei in den Schulen leistet. Oder die Informationsveranstaltungen für Einbruch-geplagte Bürger. Erst kürzlich habe es eine dieser Veranstaltungen im Heimstättenring gegeben, sagt Birnfeld. Sehr gut angenommen hätten sie die Anwohner. Birnfeld betont die enge Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Er ist festes Mitglied des Gubener Präventionsrates, ebenso ist die Gubener Polizei Mitglied im Netzwerk "Flucht und Migration".

Seit der Ankunft von Flüchtlingen in Guben sei die Arbeit sicherlich nicht einfacher geworden, sagt der Noch-Revierleiter. Einerseits gebe es immer wieder Probleme in den Unterkünften zwischen den Bewohnern, andererseits aber habe die Polizei auch mit den Flüchtlingsheim-Gegnern eine Menge zu tun. Alle zwei Monate gebe es im Schnitt Versammlungen von Asylkritikern, bei denen die Polizei anwesend ist. Vorher waren es weit weniger, sagt Birnfeld. Auch deshalb sei der Draht zu den Verantwortlichen in den Heimen wichtig.

Den guten Draht hat Birnfeld mit seinen Kollegen in den vergangenen Monaten und Jahren gelegt. Rammholdt will dort anknüpfen. Und er will die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen weiter ausbauen. Auch die habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert - gemeinsame Streifen auch zu besonderen Anlässen gibt es bereits. Als Beispiel nennt Birnbaum auch den deutsch-polnischen Militär-Sportwettkampf "Oderlandmarsch", der im Juni in die Neißestadt kommen wird. Dort sind deutsche und polnische Polizisten gemeinsam vor Ort.

"Als ich angefangen habe, saßen hier alle mit Schreibmaschinen", sagt Birnbaum. Dass heute jeder Polizist Zugang zu einem Computer habe, sei eine der größten Veränderungen in den vergangenen 20 Jahren. Früher hätten auch die Funkgeräte nicht für alle Kollegen gereicht - heute habe jeder sein eigenes. "Allerdings sind wir jetzt auch weniger Kollegen", sagt Birnfeld. Der Stellenabbau bei der Polizei beschäftige auch die Gubener Beamten.

Weiter auf der Suche nach etwas Lustigem aus seiner Dienstzeit, hilft Birnfelds Nachfolger weiter. Der Revierleiter habe dafür gesorgt, dass das Revier weitgehend rauchfrei wurde, lange bevor es die gesetzliche Bestimmung zum Rauchverbot in Revieren gegeben habe. Grund genug, seinem Noch-Chef zu danken, so Nicht-Raucher Rammholdt.

Zum Thema:
Was die Zahl der Straftaten in Guben angeht, kann Bernd Birnfeld auf ein erfolgreiches letztes Jahr als Revierleiter in der Neißestadt zurückblicken. Laut Innenministerium waren es genau 1698 angezeigte Straffälle und damit über 600 weniger als im Jahr zuvor. Die Gründe dafür können vielfältig sein, sagt Birnfeld, allerdings sei die Entwicklung zweifelsohne positiv. Weiter problematisch sind allerdings die Einbruchszahlen, die im vergangenen Jahr leicht gestiegen sind. Um Präventionsarbeit zu leisten, sind die Gubener Beamten auch mit Einwohnern im Gespräch, um etwa vor offenstehenden Garagen oder nicht verschlossenen Türen zu warnen. Nachlässigkeiten wie diese seien Einladungen für potenzielle Einbrecher.