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| 15:23 Uhr

Welche Zukunft hat MUT?
Gespanntes Warten auf die Stadt

Die Touristinofrmation in Guben wird von einem Verein betrieben - aber der Marketing- und Tourismusverein (MUT) braucht mehr Geld und muss die Mitgliedsbeiträge erhöhen. Das macht für die Stadt Guben und die Gemeinde Schenkendöbern in diesem Jahr einen Euro pro Einwohner zusätzlich aus, im kommenden Jahr wird der Beitrag um einen weiteren Euro steigen.
Die Touristinofrmation in Guben wird von einem Verein betrieben - aber der Marketing- und Tourismusverein (MUT) braucht mehr Geld und muss die Mitgliedsbeiträge erhöhen. Das macht für die Stadt Guben und die Gemeinde Schenkendöbern in diesem Jahr einen Euro pro Einwohner zusätzlich aus, im kommenden Jahr wird der Beitrag um einen weiteren Euro steigen. FOTO: Jürgen Scholz / LR
Guben. Der Marketing- und Tourismusverein muss die Beiträge erhöhen. Das trifft auch Guben.

Es hörte sich dramatisch an: Es bestehe die Gefahr der Auflösung des Marketing- und Tourismusvereins, hieß es diese Woche in der Gemeindevertretung von Schenkendöbern. Nur eine Beitragserhöhung könne helfen. Während Schenkendöbern als kommunales Mitglied bereits zugestimmt hat, ist die Position der Stadt Guben noch unklar.

Denn es geht um einige Zehntausend Euro, die der mehrheitlich gefasste Beschluss die Stadt Guben kostet. Der Marketing- und Tourismusverein (MUT) hat 78 Mitglieder, davon zwei kommunale – die Gemeinde Schenkendöbern und die Stadt Guben. Beide zahlten bislang zwei Euro pro Einwohner und Jahr. Nun sollen sie in diesem Jahr ein Euro, im kommenden Jahr zwei Euro mehr bezahlen, um den MUT arbeitsfähig zu halten. Macht für Guben statt 35 310 Euro in diesem Jahr also 52 965 Euro, im nächsten Jahr sogar 70 620 Euro. Spätestens bei der Vorlage eines Nachtragshaushaltes dürfte die politische Diskussion über Alternativen beginnen.

Die Stadt Forst beispielsweise hatte vor einigen Jahren einen Eigenbetrieb gegründet, der sich beispielsweise um den Rosengarten kümmert, aber auch um Tourismus-  und Stadtmarketing. Das hatte auch in Forst zuvor ein Verein gemacht. Nachdem die Stadt die Touristinformation übernommen hatte, gab es aber immer wieder Probleme, die Touristinfo zu besetzen, wenn es zu Krankheitsfällen innerhalb des Eigenbetriebs kam.

Ein Verein ist flexibler und günstiger. Davon ist Herbert Gehmert überzeugt. Gehmert ist 1. Vorsitzender des MUT, er ist aber auch Stadtverordneter und gehört der Fraktion GUB-SPN an. Auf RUNDSCHAU-Anfrage verweist er unter anderem auf die ehrenamtlich tätigen Vereinsmitglieder, die auch bei der Besetzung der Touristinformation helfen, wenn die Angestellten ausfallen. 2000 bis 3000 Stunden würden Ehrenamtliche einbringen – auch in die Organisation von Veranstaltungen wie dem Appelfest. Das sei für dieses Jahr zwar gesichert, wenn dem Verein aber die Grundlage entzogen würde, dürfte es ab dem kommenden Jahr wohl Geschichte sein, deutet Gehmert an und sieht gute Gründe für den Verein. Da die Bezahlung der drei Mitarbeiter unter der des öffentlichen Dienstes liege, geht Gehmert davon aus, dass die Stadt etwa 40 000 Euro mehr zahlen müsste. Auch eine Verbandslösung würde teurer kommen.

Das Dilemma geht laut MUT vor allem darauf zurück, dass mehrere geförderte Projekte ersatzlos weggefallen sind, wie EU-Fördermittel in Höhe von 15 000 Euro oder Zuschüsse für das Altstadtzentrumsprojekt, die auch immerhin 21 000 Euro ausmachten. Auch die Zusagen von Sponsoren über eine Gesamtsumme von 10 000 Euro gibt es für das kommende Jahr nicht mehr. Schon in diesem Jahr soll die Stadt einen Fehlbetrag von etwas mehr als 8000 Euro ausgleichen. Mit der zweiten Stufe der Beitragserhöhung wäre das laut Verein nicht mehr notwendig.

Aus Sicht Gehmerts hat der MUT ein gutes Niveau erreicht. Der Internetauftritt habe mittlerweile mehr als 200 000 Besucher im Jahr, es werden regelmäßige Touren und Stadtführungen angeboten, das Appelfest und die Apfelkönigin seien Aushängeschilder für Guben. Von der Mitgliedschaft im schlagkräftigen Tourismusverband Lausitzer Seenland erwarte man weitere Vorteile. Zuvor führte Guben mit Forst im Miniverband Niederlausitz ein touristisches Nischendasein. Immerhin führe man als Partner der Stadt für die Kommune deren freiwilligen Aufgaben aus.

Allerdings: Die Stadtverordnetenversammlung kann auch den Vereinsaustritt beschließen. Vereinsgeschäftsführerin Kerstin Geilich soll deshalb bei den Fraktionen Klinken putzen und mehr Hintergründe zur MUT-Arbeit liefern.

Bürgermeister Fred Mahro hatte gegen die Erhöhung gestimmt und  die Stadtverordneten im Finanz-  sowie im Hauptausschuss informiert. Noch vor der Sommerpause soll eine Diskussion geführt werden; ergebnisoffen, wie es am Freitag aus dem Rathaus hieß. Bestrebungen, Marketing- und Tourismusaufgaben ins Rathaus zu holen, gebe es nicht.

(js)