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Speditionsgeschichte(n) erzählt

So sah das Transportgeschäft der Wilke-Spedition noch im Jahr 1958 aus. Heute fährt das Logistikunternehmen palettierte Güter durch ganz Europa.
So sah das Transportgeschäft der Wilke-Spedition noch im Jahr 1958 aus. Heute fährt das Logistikunternehmen palettierte Güter durch ganz Europa. FOTO: ZVG
Guben. Kein Festakt ohne Festzeitung – das dachten sich wohl auch die Geschäftsführer der Gubener Spedition Wilhelm Wilke. Aus Anlass des 200-jährigen Bestehens des Unternehmens wird jetzt eine 68-seitige Festschrift in einer Auflage von 300 Stück erscheinen. Silke Halpick

Druckfrisch vorliegen soll sie am Mittwoch. Unters Volk gebracht wird sie beim großen Festempfang am kommenden Samstag.

Für den Gubener Verleger Andreas Peter, der mit der Arbeit beauftragt wurde, war das alles andere als das übliche Tagesgeschäft. "Ganz außergewöhnlich" sei es, "dass eine Firma so alt wird", wie er sagt, und "so viel Berichtenswertes" zu bieten habe. Die Gubener Spedition mit aktuell 34 Mitarbeitern gehört tatsächlich zu den ältesten aktiven Unternehmen im Land Brandenburg.

Mit einem Festumzug durch die Gubener Altstadt soll dieses besondere Jubiläum am 1. Juli gefeiert werden. Start ist um 10 Uhr am Kreisel in der Berliner Straße. Es geht die Straße entlang bis hin zum Unternehmenssitz in der Winkelstraße. Sogar historische Kostüme aus dem Fundus des Cottbuser Staatstheaters wurden dafür ausgeliehen, erzählt Unternehmergattin Almuth Wilke. Auch Politprominenz hat sich angesagt: Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD), Landrat Harald Altekrüger (CDU) und Bundestagsabgeordneter Klaus-Peter Schulze (CDU) kommen zum Festempfang für geladene Gäste.

Als "ganz markant" für die Geschichte der Spedition bezeichnet Andreas Peter den Fakt, dass sich die Inhaber immer auch weit über ihre beruflichen Interessen hinaus für die Stadt Guben engagiert haben. So war beispielsweise Karl Wilke Senior zu seiner Zeit Vorsitzender der Gubener Stadtverordnetenversammlung. Die heutigen Geschäftsführer Thomas und Andreas Wilke engagieren sich ehrenamtlich in den evangelischen und katholischen Kirchgemeinden sowie Vereinen der Stadt.

Ein Jahr lang hat Andreas Peter für die Festzeitung recherchiert. Zurückgreifen konnte er auf Material der Familie Wilke, aber auch auf Sammlungen von Gubener Heimatforschern. Herausgefunden hat er eigenen Angaben zufolge auch "viele Dinge, die so noch nicht bekannt" seien. So führte beispielsweise die Schwester von Kurt Wilke die Geschäfte, als dieser im Ersten Weltkrieg eingezogen wurde.

"Die Geschichte des Unternehmens ging nicht steil bergauf, sondern war immer auch von verheerenden Einbrüchen geprägt", berichtet Peter. Gerade auch deshalb habe ihn die Bild-Schlagzeile "Eine Geschichte, die Mut macht" 1990 gefreut, als die Spedition nach dem Ende der DDR reprivatisiert wurde.

Zum Thema:
Das Unternehmen wurde im Jahr 1817 von Friedrich Wilhelm Wilke gegründet - damals noch als Kolonialwarenhandel und Bankhaus. Karl Wilke begann 1846 mit dem erfolgreichen Speditionsgeschäft. Seit der Wende leiten die beiden Cousins Thomas und Andreas Wilke das mittelständische Logistikunternehmen, das sich auf den Transport von Chemiefasern und Granulaten spezialisiert hat. Der Möbeltransport ist heute nur noch ein Nischengeschäft.