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| 02:38 Uhr

Sozial mit Auszeichnung

2010 wurde Friedrich Wilke (l.) auf einem Gubener Kartenspiel geehrt. Seit 2011 honoriert das Naemi-Wilke-Stift seine Leistungen mit einem Preis für soziale Projekte.
2010 wurde Friedrich Wilke (l.) auf einem Gubener Kartenspiel geehrt. Seit 2011 honoriert das Naemi-Wilke-Stift seine Leistungen mit einem Preis für soziale Projekte. FOTO: Havasi
Guben. "Es ist nicht die Riesensumme", sagt Stefan Süß, Rektor des Naemi-Wilke-Stift in Guben, über den Friedrich-Wilke-Preis. Zum vierten Mal lobt das Gubener Stift den Preis in diesem Jahr aus. Daniel Schauff

Mit 2000 Euro unterstützt es ein soziales Projekt, egal ob kommerziell oder gemeinnützig, ob ehrenamtlich oder nicht. Auch kirchlich muss das Projekt nicht sein, erklärt der Rektor. Der Jury gehe es vor allem darum, dass die Bewerberprojekte irgendwo irgendjemandem helfen, dass sie sozial sind und nachhaltig.

Wofür die 2000 Euro dann ausgegeben würden, sei weniger wichtig, sagt Süß. Wichtig hingegen sei, dass sie nicht für die Finanzierung des Projektes selbst genutzt würden. Die Jury achte bei den Bewerbungen auch darauf, was die Projektträger in Zukunft vorhaben. Haben die Projekte eine Zukunft, auch ohne Hilfe des Gubener Stifts, haben sie auch eine Chance auf den Preis.

Noch, sagt Süß, sei der Friedrich-Wilke-Preis relativ unbekannt. Rund drei bis vier Bewerbungen gingen pro Auslobung ein, so der Rektor. Ausgelobt wird im Zweijahres-Rhythmus seit 2011.

Die Idee, einen solchen Preis auszuloben, sei im Gedenken an den Gubener Hutfabrikanten Friedrich Wilke entstanden, erklärt Stefan Süß. Der hatte 1878 in Guben das Naemi-Wilke-Stift als Privatstiftung ins Leben gerufen. "Diese Innovation eines Unternehmers für ein diakonisches Anliegen der Kirche ist beispielhaft", heißt es im Text zur Auslobung des Preises. Zehn Jahre nach der Gründung des Stifts stellte Wilke das Krankenhaus unter Aufsicht der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Preußen. Die heutige Selbstständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK), zu der das Stift jetzt gehört, ist deren Rechtsnachfolger. Das Wilke-Stift war zweifellos teurer als 2000 Euro, dennoch - der vom Stiftvorstand ausgelobte Preis soll an die Tat Wilkes erinnern und das soziale Engagement des Unternehmers in kleinem Rahmen weiterführen.

Die Adressaten der Ausschreibung kommen aus Deutschland und Osteuropa. Die Doppelstadt Guben-Gubin in Deutschland und Polen sei der Schnittpunkt zwischen Ost und West, hatte Stift-Verwaltungsvorstand Gottfried Hain bei der Preisverleihung 2015 erklärt. Deshalb habe man sich entschieden, die Auslobung des Wilke-Preises geografisch zu beschränken. Angesprochen sind aber zahlreiche sozial engagierte Ehrenamtler und Unternehmer in der gesamten Bundesrepublik und im gesamten östlichen Teil Europas - von Polen bis nach Weißrussland, von Tschechien bis nach Bulgarien.

Die Liste der bisherigen Preisträger zeigt, wie vielfältig die Projekte sein können, die Chancen auf die finanzielle Zuwendung des Gubener Stifts haben. 2011 ging der Preis nach Deutschland an das SOS-Beratungszentrum Cottbus/Spree-Neiße für das Projekt "Positive Peerkultur im SOS-Beratungszentrum als Kooperation der Sachsendorfer Oberschule". Dabei sollte der Umgang der Sachsendorfer Schüler untereinander verbessert werden und die Versetzungsgefährdung verringert werden. Ebenfalls 2011 konnte sich die Schlesische Diakonie in Tschechien für das Projekt "CHRPA" über den damals mit 1500 Euro dotierten Preis freuen. Im Rahmen des Projekts stellen Behinderte handbemalte Gegenstände und Wohnaccessoires her, die in tschechischen Einrichtungshäusern vertrieben werden. 2013 ging der Preis nach Polen an die Kirchengemeinde Dziegielow, die sich in einem Projekt der Betreuung von armen Kindern an der polnisch-ukrainischen und -slowakischen Grenze widmet. 2015 durfte sich der "Verein Humanitäre Hilfe Osteuropa" über 2000 Euro von Stift freuen. Der Verein setzt sich vor allem in Moldawien und Weißrussland für soziale Unterstützung ein und startete im Jahr der Preisverleihung gerade die Betreuung eines Kindergartens in Cneazevca in Moldawien.

Der Friedrich-Wilke-Preis wird beim Sommerfest des Stifts im Juni vergeben. Bewerbungen gehen an das Naemi-Wilke-Stift, Dr.-Ayrer-Straße 1-4, 03172 Guben.