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| 17:46 Uhr

Streit um Schulweg
Sorge um Kind führt zum Streit

Alf und Claudia Pommerenke machen sich Sorgen, wenn ihre Tochter an der viel befahrenen Straße auf den Bus wartet.
Alf und Claudia Pommerenke machen sich Sorgen, wenn ihre Tochter an der viel befahrenen Straße auf den Bus wartet. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Drewitz. Für Familie Pommerenke ist der vom Landkreis vorgeschlagene Weg zur Schule zu gefährlich.

Es ist 6.15 Uhr. Wenn es nach dem Landkreis Spree-Neiße geht, schultert Marlene Looke ihren Ranzen und macht sich auf dem Weg zur Krabat-Grundschule in Jänschwalde. Das Haus ihrer Eltern liegt abseits im Wald in Drewitz. Die Straße zur Bushaltestelle ist unbefestigt und nicht beleuchtet. Die Zehnjährige bahnt sich ihren Weg durch die Dunkelheit vor zur Hauptstraße, denn ihre Haltestelle liegt direkt an der vielbefahrenen L 50.  „Diese Straße muss sie überqueren und dann ein Stück an ihre entlanggehen, um die Bushaltestelle zu erreichen“, erklärt Stiefvater Alf Pommerenke. Das Wort „Bushaltestelle“ setzt er dabei bewusst in Anführungszeichen. „Es gibt kein Häuschen, keine Ausbuchtung der Straße, kein Licht. Das Schild ist kaputt und verdeckt und Marlene müsste auf dem Grünstreifen an der Hauptstraße warten.“ Mit der Buslinie 877 geht es für Marlene dann nach Tauer, dort hat sie wenige Minuten Aufenthalt. Wenn alles klappt, steigt sie um in die Linie 881 und erreicht so schließlich ihre Schule in Jän­schwalde. Zurück soll Marlene von der Schule den Bus bis zur Kirche in Drewitz nehmen, dort holt sie dann ein Taxi ab und fährt sie heim.

In den ersten vier Schuljahren blieb Marlene dieser Schulweg erspart: Der Landkreis genehmigte einen Fahrdienst für die Beförderung zur Pflichtschule. „In diesem Jahr wurde unsere Verlängerung aber abgeleht“, erklärt Alf Pommerenke. Als Grund wurde eine neue Satzung angegeben, laut der der öffentliche Personennahverkehr in die Beförderung mit einzubeziehen sei. Dagegen habe die Familie prinzipiell auch nichts, gegen die „Bushaltestelle“ aber schon. „Die örtlichen Verhältnisse an der Haltestelle sind für ein Kind nicht zumutbar“, findet Alf Pommerenke. „Es ist zu gefährlich.“ Viele Autos und Lkw würden sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h halten, Kreuze entlang der Strecken würden von zahlreichen Unfallen zeugen: „Außerdem zieht es die falschen Menschen an, wenn jeden Morgen ein hübsches kleines Mädchen alleine an der Hauptstraße steht.“ Dieser Gefahr wollen die Pommerenkes ihrer Tochter nicht aussetzen. Daher fährt Mutter Jana seit Beginn des Schuljahres jeden Morgen und Mittag die 13 Kilometer zur Schule. Dafür muss sie täglich zweimal ihre Arbeit unterbrechen. „Marlene hat Panik davor, alleine an dieser Haltestelle auf den Bus zu warten“, kennt Jana Pommerenke ihr Kind. „Ich würde mich da auch nicht hinstellen.“ Aus diesem Grund hat die Familie Widerspruch gegen den Bescheid eingereicht. „Außerdem hatten wir um einen Vor-Ort-Termin gebeten“, so Alf Pommerenke.

„Der Anspruch auf die Beförderung mit dem  Schülerspezialverkehr besteht dann, wenn die in der Satzung festgelegten zumutbaren Fahr- und Wartezeiten überschritten werden“, erklärt Silvia Friese, Pressesprecherin beim Landkreis Spree-Neiße auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Dies werde in jedem Schuljahr unter Berücksichtigung des aktuellen Fahrplanes geprüft. Demnach hat Marlene Looke nur auf den Rüchfahrten ab der Kirche Drewitz Anspruch auf einen Schülerspezialverkehr.  In Bezug auf die Haltstelle merkt der Landkreis an: „Nach Prüfung des zuständigen Verkehrsunternehmens handelt es sich um eine reguläre Haltestelle.“ Für den Zustand der Haltestellen seien die Gemeinden zuständig.

Für Familie Pommerenke ist diese Aussage ein Schlag ins Gesicht. Ihr Widerspruchbescheid kam am Dienstag – seitdem sind sie wütend „Der Landkreis erwähnt in seinem Schreiben sogar noch einen großen Ermessensspielraum, aber geht nicht auf unser Problem mit der Bushaltestelle ein“, sagt Alf Pommerenke. „Es verkehrt ein anderes Taxi zum Großsee, das könnte ganz einfach auch Marlene einsammeln.“ Die Familie hat nun vier Wochen Zeit, um Klage einzureichen. „Ich wollte immer eine einvernehmliche Lösung finden, aber sie stellen uns so hin, als seien wir nur auf unseren Vorteil bedacht“, sagt Alf Pommerenke. „Dabei geht es uns nur um die Sicherheit von Marlene.“ Bis es eine andere Lösung gibt, wird Marlene weiter von ihrer Mutter zur Schule gefahren.