"Am Mittelmeer wird viel Urlaub gemacht", gibt Doreen Hoffmann vom Reisebüro in Guben Auskunft über das Reiseverhalten der Kunden. "Außer natürlich in Griechenland." Erkundigt man sich im Spree-Neiße-Kreis nach den aktuellen Reisetrends, hat man es zwar mit unterschiedlichen Gesprächspartnern zu tun, doch könnte man auch eine Schablone über die Unterredungen legen. Die Quintessenz der Dialoge ist dieselbe: An Griechenland wird derzeit fleißig vorbeigeflogen. "Die Leute können ja nicht mal sicher sein, ob die Hotels und Gaststätten noch geöffnet haben", begründet Hoffmann die berechtigten Zweifel der Reisenden. Der hellenischen Mittelmeermetropole, die mit seinen Modeinseln Rhodos und Kreta einst ein beliebtes Reiseziel für deutsche Touristen darstellte, kommt die Eurokrise teuer zu stehen. "Bei Griechenland ist die stärkste Zurückhaltung zu beobachten", hat auch Uwe Neumann vom Reisebüro aus Forst erkannt. "Die Leute haben Angst vor etwaigen Ausschreitungen."

Ähnlich würde sich das Buchverhalten der Kunden auf die afrikanischen Staaten Ägypten und Tunesien auswirken, deren politische Umstürze vor einem Jahr um die Welt gegangen sind. Wer möchte schon durch Pyramiden schlendern, während ein Aufmarsch ägyptischer Demonstranten nebenan den Kopf vom geschassten Ex-Präsidenten Mubarak fordert? Hoffmann: "Urlaub ist doch die schönste Zeit im Jahr. Das will man sicher sein und genießen."

Als Reiseziel Nummer eins dagegen zeichnet sich wieder mal die Türkei ab. "Weil das Preisleistungsverhältnis stimmt", fügt Doreen Hoffmann hinzu. "Das ist absolut top." Auch in Asien oder Amerika würden sich die Urlauber gern für ein paar Wochen niederlassen, um ihr Verlangen nach Sonne und Kultur zu befriedigen. Genauso büßen Kreuzfahrten und Badespaß im Inland kaum an Reiz ein. "Der Renner ist nach wie vor die Ostsee und Warnemünde im Besonderen, gerade wegen der kurzen Anreise", verrät die Reiseorganisatorin aus Guben. Und auch Urlaubern, die wasserscheu sind und nicht ins kühle Nass springen wollen, wird in der Heimat einiges geboten. "Für Wanderungen fahren viele Leute in den Harz, ins Vogtland oder in die Alpen", so Hoffmann.

Und wie steht es um die EM-Länder Polen und Ukraine? Profitieren die Austragungsländer während des Fußballfestes von verstärktem Tourismus? "Davon nehmen die Kunden zunehmend Abstand", sagt Hoffmann. Mitverantwortlich dafür seien die horrenden Preise, die gerade in Hotels aufgeboten werden. Hoffmann: "Die befinden sich jenseits von Gut und Böse."