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| 07:57 Uhr

Solaranlage muss vom Pfarrhaus

Pfarrer Mathias Berndt vor dem Pfarrhaus in Atterwasch.
Pfarrer Mathias Berndt vor dem Pfarrhaus in Atterwasch. FOTO: Haazipolo
Atterwasch. Das Pfarrhaus in Atterwasch ist denkmalgeschützt. Eine Solaranlage anzubringen, wurde verboten. Die Gemeinde tat es trotzdem, um ein Zeichen gegen Kohle zu setzen. Jetzt muss sie, nach einem jahrelangen Streit, die Anlage wieder abbauen lassen.

Solarstrom statt Abbaggerung. Als Symbol für diese Botschaft steht eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Pfarrhauses in Atterwasch. Damit wird allerdings bald Schluss sein. Denn der Gemeindekirchenrat der Evangelischen Kirchengemeinde Region Guben, zu dem Kirche und Pfarrhaus gehören, hat sich entschieden, die Solaranlage vom Dach abzubauen. Sie soll in Grano auf den Kirchengelände wieder aufgebaut werden.

"Diesen Beschluss bedaure ich. Ich vermute, dass er durch Angst zustande kam. Die Drohkulisse, die da aufgebaut wurde, war sehr hoch", sagt Pfarrer Mathias Berndt. Er wohnt mit seiner Familie in dem denkmalgeschützten Haus, das nun schon seit Jahren im Mittelpunkt eines Streits der Kirchengemeinde mit dem Landkreis steht. Denn eigentlich hätte die Solaranlage nie gebaut werden dürfen. Einen Antrag auf Baugenehmigung der Anlage auf dem um 1850 gebauten Haus hatte der Pfarrer im Januar 2012 gestellt. Er wurde abgelehnt. "Wir haben uns in zivilem Ungehorsam entschieden, sie trotzdem zu bauen. Denn, wenn die Energiewende nicht kommt, dann wird das Haus wegen der Kohle doch sowieso abgerissen", erklärt der Pfarrer.

Sollte der geplante Tagebau Jänschwalde Nord tatsächlich eröffnet werden, würde ganz Atterwasch dem Kohleabbau zum Opfer fallen. Daher ist die Solaranlage für Mathias Berndt so wichtig. Sie wurde gebaut als Zeichen des Widerstands. "Wir unterstützen die Denkmalbehörde dabei, das Gebäude zu erhalten, indem wir die PVA gebaut haben", so der Pfarrer.

Abbau scheint unumgänglich

Bis die Denkmalschutzbehörde mitbekommen hat dass man sich über ihr Verbot hinweggesetzt hatte, dauerte es nicht lange. Seitdem herrscht Streit um das Dach des Pfarrhauses. "Wir können die Gemeinden, die vor der Devastierung stehen, doch jetzt nicht zum rechtsfreien Raum erklären", sagt der Baudezernent des Landkreises Olaf Lalk (CDU). Es gebe keine andere Möglichkeit, als die Solaranlage wieder vom Dach des Pfarrhauses zu entfernen, sagt er und wendet damit geltendes Recht an. Weder als einfacher Bürger noch als Kirchengemeinde könne man sich einfach über die Bestimmungen des Denkmalschutzes hinwegsetzen. Daher bekam der Pfarrer bald einen Brief des Landkreises, in dem stand, dass die unerlaubte Anlage auf dem Dach des Pfarrhauses eine Ordnungswidrigkeit darstelle. Sie sei zu beseitigen. Anderenfalls drohe ein Bußgeld von 3000 Euro.

Um das Problem zu lösen, haben Gemeindevertreter, Untere Denkmalschützbehörde und der Dezernent mehrmals miteinander gesprochen, um eine Einigung zu erreichen. "Wir haben uns zusammengesetzt, aber bei denen ging es nie um die Sache an sich, nur um die Ordnungswidrigkeit", sagt der Pfarrer, dem die Anlage als Symbol gegen die Abbaggerung, gegen die er schon seit Jahren kämpft, extrem wichtig ist. "Die Anlage ist rechtswidrig, da sie nicht genehmigt wurde", sagt der Baudezernent, der als Vertreter des Landkreises an feste Vorgaben gebunden ist. Trotz der Bemühung beider Seiten, eine Lösung zu finden, musste der Dezernent damit drohen, den Abbau der Anlage mit allen Mitteln durchzusetzen und das Bußgeld von 3000 Euro einzufordern.

Bis zum gestrigen 13. März lief die Frist, die beim letzten Treffen beider Parteien im Januar dieses Jahres vom Landkreis gesetzt wurde. Sei bis dahin kein Einlenken zu kennen, dann würde sich das Ordnungsverfahren mit Zwangsabbau und Ordnungsgeld in Gang setzen. Der Gemeindekirchenrat hat unter dem Druck nachgegeben und fristgerecht die Bereitschaft zum Abbau signalisiert.

Neue Frist

"Nun müssen wir uns auf eine Frist einigen, bis wann die Anlage abgebaut sein muss", so Olaf Lalk. Er würde der Gemeinde einen Termin im Spätsommer zugestehen, damit die Anlage an den besten Sonnentagen dieses Jahres noch Strom produzieren kann. Aber danach soll Schluss sein, mit dem öffentlichen Zeichen für die Energiewende. "Die vorgeschlagene Alternative ist für uns keine, denn in Grano, am neuen Standort, wird die Anlage nicht wahrgenommen. Da fährt nur vorbei, wer dort wohnt", sagt der Pfarrer. Ein deutliches Zeichen gegen Kohle sei vom Kreis wohl nicht gewollt. Mit dem eingeschlagenen Weg ist die Gemeinde nicht zufrieden.