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| 02:34 Uhr

"Sicherer Job, geregelte Arbeitszeiten und ein vernünftiges Einkommen"

Studienleiter Lars Gölz hat sich in Beeskow eingelebt. An seiner Seite sind die Stellvertreterin Gundula Grönke und die Sachbearbeiterinnen Evelyn Stöwer und Daniela Riediger (v.l.n.r).
Studienleiter Lars Gölz hat sich in Beeskow eingelebt. An seiner Seite sind die Stellvertreterin Gundula Grönke und die Sachbearbeiterinnen Evelyn Stöwer und Daniela Riediger (v.l.n.r). FOTO: Brautschek
Wer in der Kommunalverwaltung Fuß fassen oder in den gehobenen Dienst aufsteigen will, kommt am Niederlausitzer Studieninstitut für Kommunale Verwaltung (NLSI) nicht vorbei – zumindest in Südbrandenburg. Im RUNDSCHAU-Interview erklären Studienleiter Lars Gölz und seine Stellvertreterin Gundula Grönke, wofür das NLSI zuständig ist.

16 Jahre lang haben Sie im Tourismusbereich der Wirtschaftsregion Bergstraße in Hessen gearbeitet. Seit Oktober 2015 sind Sie der neue Studienleiter am Institut. Wie kam es zu dem Wechsel?
Lars Gölz: Neben meiner Tätigkeit im Bereich der Wirtschafts- und Tourismusförderung habe ich auch zwei Jahre an der Hochschule Worms unterrichtet. Dabei konnte ich feststellen, dass es mir sehr viel Spaß macht, Wissen, das ich mir über Jahre angesammelt habe, weiterzugeben. Deshalb wollte ich in die Lehre. Es ist toll, Fragen gestellt zu bekommen von jungen Leuten, die die Sachverhalte manchmal ganz anders sehen als ich. Und dann bin ich zufällig auf die Stellenbeschreibung als Studienleiter gestoßen.

Dann kam die Ausschreibung ja genau zur richtigen Zeit.
Lars Gölz: Stimmt. Ich wollte mich neu orientieren und habe deutschlandweit gesucht. Die Niederlausitz kannte ich vorher noch gar nicht. Für mich ist es hier sehr spannend und die Gegend ist wunderschön.

Und was ist das besondere am Niederlausitzer Studieninstitut?
Lars Gölz: Wir sind zuständig für alle Aus- und Fortbildungen der Verwaltungsbediensteten auf kommunaler Ebene; also Städte, Gemeinden, Landkreise und Ämter. Unser Einzugsgebiet ist riesig. Wir decken etwa ein Drittel des Landes ab. Das sind fünf Landkreise und zwei kreisfreie Städte.

Das heißt jeder, der in Südbrandenburg in der Kommunalverwaltung arbeiten möchte, muss durch dieses Studieninstitut?
Lars Gölz: Genau. Wir sind die offizielle Stelle, die auch vom Land aus legitimiert ist, die Prüfungen zum Verwaltungsfachangestellten abzunehmen.

Gundula Grönke: Wir bilden für den mittleren und gehobenen nichttechnischen Dienst aus, also der allgemeine Verwaltungsdienst. Es gibt natürlich auch Bereiche in der Verwaltung, in denen Personal mit anderen Qualifikationen benötigt wird, zum Beispiel das bautechnische Personal.

Warum liegt der Hauptsitz dann soweit am Rand des Geschäftsgebietes?
Lars Gölz: Das ist in erster Linie unser Hauptverwaltungsstandort. Hier gibt es nur zwei Schulungsräume. Und die werden hauptsächlich von Frankfurt (Oder), Beeskow, Fürstenwalde und Eisenhüttenstadt in Anspruch genommen.

Gundula Grönke: Gegründet wurde das Institut in Briesensee, aber die Räumlichkeiten dort wurden schnell zu klein. Als neuer Sitz fiel die Wahl auf Beeskow, denn damals wurde noch damit geliebäugelt, den Landkreis Märkisch-Oderland in das Institutsgebiet zu integrieren. Heute hat Beeskow jedoch hat eine Randlage im Einzugsgebiet. Deswegen war es dringend notwendig, eine Außenstelle zu bekommen.

Und wo liegt die?
Gundula Grönke: Der zweite Standort des Instituts ist das Schulungszentrum in Lübben, da es im Einzugsgebiet relativ zentral gelegen ist. Dort finden auch die meisten Schulungen statt.

Was kann man dort lernen?
Lars Gölz: Wir haben einmal den Bereich Ausbildung. Da gibt es den Verwaltungsfachangestellten und den Kaufmann für Büromanagement, aber im speziellen Bereich der öffentlichen Verwaltung. Und dann bilden wir noch für den mittleren Verwaltungsdienst aus. Davon wird in Brandenburg allerdings sehr wenig Gebrauch gemacht, weil es relativ wenig Beamte gibt. Zum anderen gibt es den Bereich Fortbildungen. Dort bieten wir unter anderem Lehrgänge für Quereinsteiger, den Verwaltungsfachwirt als Meisterausbildung für Verwaltungsfachangestellte und weitere Lehrgänge, die auf ein spezielles Aufgabengebiet vorbereiten, an. Außerdem unterstützen wir die Verwaltungen auch bei der Auswahl der Bewerber.

Was ist denn der Unterschied zwischen dem Verwaltungsfachangestellten und dem Kaufmann für Büromanagement?
Lars Gölz: Den Kaufmann für Büromanagement gibt es auch für die Privatwirtschaft. Aber wir bilden nur für die öffentliche Verwaltung aus. In der Praxis wird der Kaufmann eher für Assistenzaufgaben eingesetzt, beispielsweise als Schulsekretärin. Der Beruf ist so ausgelegt, dass man damit nicht so extrem an die Verwaltungen gebunden ist. Man könnte sich nach der Ausbildung auch in der Privatwirtschaft bewerben. Der Verwaltungsfachangestellte ist dagegen - einfach ausgedrückt - vergleichbar mit einer Gesellenausbildung in einen handwerklichen Beruf. In unserem Fall ist es eben die Fachrichtung öffentliche Verwaltung.

Wie ist die Ausbildung überhaupt aufgebaut?
Gundula Grönke: Die drei Ausbildungsjahre sind in unterschiedliche Blöcke geteilt. Für die Auszubildenden ist es ein ständiger Wechsel. In der Berufsschule lernen sie das theoretische Wissen. In der Ausbildungsbehörde können sie praktisch arbeiten. Und im Studieninstitut bekommen sie die dienstbegleitende Unterweisung. Das ist eine Besonderheit, die es in anderen Ausbildungsberufen nicht gibt. Wir sind also der dritte Partner im Bunde, gehören aber eigentlich zu der ausbildenden Behörde.

Und was genau lernen die Azubis dann am Studieninstitut?
Gundula Grönke: Die Kurse hier am Institut sind eine Ergänzung des theoretischen Fachwissens und der Praktika. Die Auszubildenden können so das Wissen aufnehmen und an praktischen Fällen bearbeiten, beispielsweise den Umgang mit Bürgeranfragen, wo wir sehr viel Wert auf bürgerfreundliches Verhalten legen. Außerdem sind wir die zuständige Stelle für die Abnahme der endgültigen Prüfungen.

Wo kann man mit diesem Abschluss eingesetzt werden?
Lars Gölz: Mit dem Abschluss können die Verwaltungsfachangestellten im Prinzip in allen Ämtern, beispielsweise im Friedhofswesen, im Standesamt aber auch in der Wirtschaftsförderung arbeiten. Das liegt daran, dass die Ausbildung sehr generalistisch ist. Die Auszubildenden lernen alle Bereiche der Verwaltung kennen. Das hängt damit zusammen, dass bei der Bearbeitung von Anträgen unheimlich viele Aspekte beachtet werden müssen. Deutschland ist ein Rechtsstaat. Und daher reicht es nicht aus, nur auf die Wirtschaftlichkeit zu achten. In der Verwaltung muss man außerdem alle Gesetze beachten und transparent für den Bürger sein.

Gundula Grönke: Die Absolventen sind alle kleine Juristen. Die Entscheidungen müssen alle zweifelsfrei prüfbar sein. Und das verlangt ordentliche Rechtskenntnisse. Das ist nicht so einfach - vor allem weil sich ständig Gesetze verändern.

Das hört sich für mich doch eher trocken an. Ist die Ausbildung bei den jungen Leuten denn beliebt?
Gundula Grönke: Im Gegensatz zu anderen Ausbildungsberufen gehen bei uns die Ausbildungszahlen nicht zurück. Die Tendenz ist sogar eher steigend. Das liegt vor allem daran, dass die Übernahmechancen sehr gut sind. Die Verwaltungen sagen selbst, dass sie nicht so viele ausbilden können, wie sie in den nächsten Jahren einstellen müssten.

Was ist denn aus Ihrer Sicht das Spannende an dem Beruf?
Gundula Grönke: Es ist ein Beruf, indem man geregelte Arbeitszeiten hat und ein Einkommen, das nicht schlecht ist. Das sind ganz wesentliche Argumente. Und der Beruf ist sehr vielfältig.

Lars Gölz: Als Verwaltungsfachangestellter findet sich für jeden Typ der passende Job. Wenn die Absolventen juristische Fälle mögen, dann gehen sie in Bereiche wie Ordnungsrecht, wer eher im Bereich Marketing arbeiten möchte, kann sich auf den Bereich Wirtschafts- oder Tourismusförderung konzentrieren. Und was auch immer wichtig ist: Es muss stets Perspektiven geben, sich weiterzuentwickeln.

Mit Lars Gölz und Gundula Grönke sprach Anja Brautschek

Zum Thema:
Das Niederlausitzer Studieninstitut für Kommunale Verwaltung (NLSI) feiert am 6. September 2016 das 25-jährige Bestehen. Gegründet wurde es 1991 als kommunaler Zweckverband in Briesensee. Heute ist der Sitz in Beeskow mit einem Schulungszentrum in Lübben. Das Geschäftsgebiet des NLSI umfasst den Südosten Brandenburgs mit den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz, Elbe-Elster, Spree-Neiße, Dahme-Spree, Oder-Spree sowie die kreisfreien Städte Cottbus und Frankfurt (Oder). Lars Gölz hat zum ersten Oktober 2015 die Bildungseinrichtung als Studienleiter übernommen. Das Institut ist für die Aus- und Weiterbildung von Dienstkräften aller Verwaltungen zuständig. Dafür sind etwa 150 Dozenten tätig, manche allerdings nur für einzelne Seminare. Schwerpunkt ist die Erstausbildung. Jedes Jahr schließen am NLSI circa 70 bis 80 Absolventen allein die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten ab. Dabei stellt das Institut die Schnittstelle zwischen der praktischen Arbeit und dem theoretischen Lernen an der Berufsschule dar. Neben dem NLSI gibt es in Brandenburg noch ein weiteres Studieninstitut. Sachsen hat ebenfalls zwei Institute.

Zum Thema:
Verwaltungsfachangestellter: Während der Ausbildung werden alle Ämter durchlaufen. Zu den Aufgaben gehören unter anderem die Bearbeitung von Anträgen und Bürgeranliegen, die Vorbereitung von Verwaltungsaufgaben sowie die Erstellung von Statistiken und Analysen. Die Absolventen können in allen nichttechnischen Ämtern von Gemeinde-, Stadt- und Kreisverwaltungen arbeiten. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Das NLSI legt besonderen Wert auf die Bürgerfreundlichkeit. Kaufmann für Büromanagement: Bei dieser Ausbildung werden die Koordination von bürowirtschaftlichen Abläufen sowie Assistenzaufgaben wie Terminkoordination, Informationsrecherche oder Organisation von Veranstaltungen übernommen. Im Gegensatz zum Verwaltungsfachangestellten sind nach der Ausbildung auch Jobs in der Privatwirtschaft möglich. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Verwaltungsfachwirt: Der Verwaltungsfachwirt dient als Einstieg für den höheren Verwaltungsdienst. Voraussetzung für diese Fortbildung ist eine abgeschlossene Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten oder eine vierjährige Berufspraxis in der öffentlichen Verwaltung. Der Abschlussgrad ist vergleichbar mit dem Meister für andere Berufe. Die Fortbildung dauert circa 3 bis 3,5 Jahre.