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Seit 115 Jahren in Familienhand

Joachim Dulitz und sein Ehefrau Christa sind stolz, dass ihr Sohn Holger in absehbarer Zukunft den Betrieb in Guben übernehmen wird.
Joachim Dulitz und sein Ehefrau Christa sind stolz, dass ihr Sohn Holger in absehbarer Zukunft den Betrieb in Guben übernehmen wird. FOTO: Zeidler
Guben. Als kleine Bau- und Kunstglaserei gründete Glasermeister Adolf Dulitz 1902 in Alt-Guben am Sande seine Werkstatt. Heute wird das Unternehmen in der vierten Generation geführt und feierte in diesem Jahr sein 115-jähriges Bestehen. Michèle-Cathrin Zeidler

"Mein Großvater und meine Mutter wären stolz, wenn sie wüssten, was wir hier geschaffen haben", ist Geschäftsführer Joachim Dulitz überzeugt.

Gründer Adolf Dulitz zog 1904 mit der Glaserei in die Kirchstraße um, doch auch diese Räumlichkeiten wurde mit der Zeit zu klein. Heute sitzt das Familienunternehmen in der Gubener Bahnhofstraße und verarbeitet auf 2 600 Quadratmetern Produktionsfläche jährlich 50 bis 70 Tonnen Systemprofile aus Metall sowie 40 bis 60 Tonnen Aluminiumbleche. "Egal ob Fenster, Türen, Fassaden oder Wintergärten - wir machen heute rund um Aluminium und Stahl", fasst Joachim Dulitz das Spektrum der Firma zusammen. "Natürlich bieten wir aber auch weiterhin Glasarbeiten jeder Art für individuelle Kundenlösungen."

Joachim Dulitz hat als 14-Jähriger die Lehre im Familienunternehmen begonnen. "Mein Großvater hatte den Betrieb im Jahr 1940 an meinen Vater Albrecht übergeben, doch leider starb mein Vater nur sieben Jahren später an einer Kriegserkrankung", erinnert sich der 74-jährige Gubener. Um das Unternehmen für ihren Sohn zu erhalten, ergriff Ilse Dulitz die Initiative und stieg als Lehrling in die Glaserei ein. "Sie war damit die erste weibliche Glasermeisterin in der DDR", betont der Geschäftsführer stolz. "Von ihr habe ich viel gelernt."

1967 errang Joachim Dulitz ebenfalls den Meistertitel und qualifizierte sich zusätzlich 1972 zum Ingenieurökonom für Glastechnik. "Das waren sehr anstrengende Jahre", erzählt Ehefrau Christa Dulitz. Insgesamt zehn Jahre hat ihr Mann in die Weiterbildung investiert. "Immer nach der Arbeit hat er noch die Schulbank gedrückt", sagt Christa Dulitz und schmunzelt: "In dieser Zeit hatten wir praktisch keinen Esstisch. Überall lagen seine Bücher verteilt."

Seit Joachim Dulitz 1976 die Glaserei von seiner Mutter übernommen hat, hat er sie Stück für Stück erweitert. "Das Bild des Glaserhandwerks hat sich nach der Wende verändert", erklärt Joachim Dulitz. "Die Tischler, Metallbauer und Fensterbauer setzen das Glas in ihre gefertigten Produkte selbst ein." Die Firma musste sich also ebenfalls weiterentwicklen: "Wir sagten uns, wenn sie das Glas für ihre Rahmen einsetzen, können wir auch die Rahmen für unser Glas fertigen." Das war die Geburtsstunde einer ganz neuer Angebotspalette: dem Leichtmetallbau.

"Die Auftragslage war gut und schon nach kurzer Zeit wurde die Produktionshalle zu klein", erzählt Christa Dulitz. Das Nachbargrundstück bot sich zur Vergrößerung an und 1998 konnte schließlich die neue Fertigungshalle in Betrieb genommen. "2004 haben wir uns dann noch einmal erweitert", ergänzt Joachim Dulitz.

Das Unternehmen setzt wie der Gründer auf Qualität und Pünktlichkeit. Dabei wird Technik ständig modernisiert und die Aufträge kommen aus ganz Deutschland. . "Auf unsere Arbeit an der Hochschule Hannover und dem Leipziger Wintergartenareal sind wir besonders stolz", sagt Joachim Dulitz. Aber auch für die Promenade in Guben und die Papierfabrik in Eisenhüttenstadt hatte die Familie Dulitz gearbeitet.

Seit 2012 ist Sohn Holger Dulitz zusammen mit seinem Vater Geschäftsführer. Der 40-Jährige hat Glaser gelernt, eine Ausbildung zum Betriebswirt gemacht und seinen Meister absolviert. "In absehbarer Zeit wird mein Sohn den Betrieb vollständig übernehmen", erzähl Joachim Dulitz, "aber noch macht mir Arbeit Spaß und ich entlaste meinen Sohn gerne." Er blickt der Übernahme entspannt entgegen. "Ich bin stolz auf meinen Sohn", sagt Joachim Dulitz. "Er wird das gut machen. Bei ihm ist der Betrieb in guten Händen."