Von Thomas Engelhardt

Wenn an diesem Samstagnachmittag die Mannschaften des 1. FC Guben und des BSV Guben Nord im Sportzentrum an der Kaltenborner Straße zum Landesliga-Derby auflaufen, dann ist das mehr als nur ein Duell zweier städtischer Rivalen. Denn selten stellte sich die Situation vor so einem Spiel so trist aus Gubener Sicht dar. Der gastgebende FC steht mit fünf Punkten auf dem 14. von 16 Tabellenplätzen, der BSV ist gar mit noch einem Zähler weniger Tabellenletzter. Mehr Tabellenkeller, mehr Abstiegskampf geht nicht.

Während den Verantwortlichen beim FC diese Tabellenregion nicht unbekannt ist – der Verein wurde in den letzten beiden Jahren in der Abschlusstabelle einmal 13. und einmal 14. –, stellt diese Situation für den BSV Neuland dar. Immerhin spielten die Nordgubener 15 Jahre lang in der Brandenburgliga, der höchsten Spielklasse des Landes, und landeten nach dem Abstieg in die Landesliga in der Vorsaison noch auf Platz 4.

„Wir haben im Sommer einen Schnitt gemacht“, erklärt Roland Kunzke, der Vorsitzende des BSV. Das Motto lautete: Zurück zu den Wurzeln! Im Mittelpunkt sollten wieder der Spaß am Fußball und die Zusammengehörigkeit stehen, die Zahl auswärtiger Akteure sollte im Gegenzug reduziert werden. Nur ein rundes halbes Dutzend früherer Stammspieler aus Zeiten der Brandenburg-Liga blieb. Dazu kamen Akteure der ehemaligen zweiten Mannschaft.

Man habe sich zudem entschieden, weiter in der Landesliga zu spielen und nicht etwa in der Kreis­oberliga neu zu starten, um speziell nachrückenden Junioren vom JFV Fun eine Perspektive zu geben. „Wir wollten schauen, ob wir uns vielleicht durchbeißen.“ Den Saisonstart bezeichnet Kunzke als „ganz zäh“. Die noch laufende Urlaubszeit und Probleme bei der Besetzung der Torhüterposition hätten ein Übriges getan. Erst am vorigen Wochenende, im achten Spiel, gelang gegen Dynamo Eisenhüttenstadt der erste Sieg. Trotz allem ist Kunzke überzeugt: „Ich glaube, dass wir das Potenzial haben.“

Doch Potenzial hin oder her: Dem BSV-Chef ist auch klar, dass es durchaus sinnvoll sein könnte, die fußballerischen Kräfte in der Stadt zu bündeln. „Über kurz oder lang könnte es dazu kommen.“ Ein Grund könnte auch in dieser Hinsicht der Nachwuchs sein: Über Jahre kämpfe dieser im JFV Fun vereint um Tore und Punkte, um dann in verschiedene Stammvereine zurückzukehren. Das sei irgendwann nicht mehr vermittelbar. Zudem gebe es auch innerhalb der Stadt, zum Beispiel bei Sponsoren, Interesse an einemMiteinander der beiden Vereine.

Allerdings warnt Kunzke vor zu hohen Erwarungen: „Da gibt es viele Sachen, die beachtet werden müssen.“ So müsse es ein Ziel sein, die Identität beider Vereine bei einer Zusammenführung zu wahren. Die Fragen nach dem Namen oder der künftigen Spielstätte seien für viele Anhänger durchaus wichtig. „Vielleicht muss man da einen Kompromiss finden.“

Was die Bündelung der Kräfte betrifft, sieht man das beim 1. FC übrigens gar nicht so anders. Dessen Präsident Hans-Ulrich Berger formuliert zwar etwas vorsichtiger, dass dazu erst einmal „eine gewisse Bereitschaft“ vorhanden sein müsse und beide Seiten ihre „Standpunkte abklopfen“ müssten. Er sagt aber auch: „Vielleicht passiert das schon demnächst.“

Einig sind sich Berger und Kunzke auch darin, dass ein Zusammenschluss nicht automatisch bedeute, dass Guben dann wieder an der Spitze der Landesliga mitmische. „Das ist momentan nicht zu erkennen“, so der FC-Präsident. Und Roland Kunzke betont, dass es generell wichtig sei, dass Guben weiter auf Landesebene vertreten ist. „In Forst spielt zum Beispiel nicht eine einzige Truppe im Land mit.“

Am Samstag aber geht es zunächst einmal für beide Vereine um Punkte für den Klassenerhalt. Beide Seiten erwarten ein Duell auf Augenhöhe. „Die Tagesform entscheidet, die Mentalität, die Frage, wer es mehr will“, so Kunzke. „Genau so einfach ist es. Ich erwarte ein offenes Rennen“, stimmt ihm Berger zu.