Von Thomas Engelhardt

Die Anspannung ist an diesem Donnerstagvormittag im Gubener Volkshaus nahezu greifbar. Mädchen und Jungen wuseln aufgeregt vor der Bühne hin und her, letzte Requisiten werden zu ihrem Einsatzort gebracht, Eltern und Lehrer schminken die jungen Akteure, ehe diese ihren großen Auftritt haben.

Die jungen Akteure, das sind Kinder der Gubener Friedensschule. Sie werden in wenigen Minuten präsentieren, woran sie seit Beginn des Schuljahres fleißig geübt haben – ihre ganz besondere Version der „Bilder einer Ausstellung“. Das musikalische Original ist ein berühmter Klavierzyklus des Komponisten Modest Mussorgski. Die Version der Friedensschüler ist ein musikalischer Museumsbesuch, an dem gleich mehrere Schulprojekte mitwirken. Da wären zum einen die Sechstklässler, die sich am Projekt Bläserklasse beteiligen, bei dem die Schule mit der Musikschule zusammenarbeitet. Und da wären die Zweit- und Drittklässler, die in den PatschWork-Klassen künstlerisch aktiv sind, wobei Patsch tatsächlich etwas mit patschen zu tun hat, also dem Patschen in Farbe. Im Falle der Aufführung entstehen die Bilder allerdings nicht durch Farben, sondern durch Gesang, Tanz und Instrumentalspiel.

Während sich die Zuschauerreihen allmählich füllen, spielen sich die Kinder der Bläserklassen schon einmal warm. Schon jetzt gibt es reichlich Applaus vom in erster Linie jungen Publikum aus Schulen und Kindertagesstätten der Stadt. Derweil erläutert Lehrerin Marion Krämer, dass es ein solch künstlerisch-musikalisches Projekt schon seit mehreren Schuljahren an der Friedensschule gibt. „Insgesamt gibt es vier Stücke, aus denen wir vor Beginn des Schuljahres eines auswählen. Im vorigen Jahr war es der ,Karneval der Tiere’, dieses Mal die ,Bilder einer Ausstellung’ und im nächsten Schuljahr wahrscheinlich ,Die vier Jahreszeiten’. Entscheidend ist, dass sich ein solches musikalisches Stück für eine Aufführung durch Kinder auch eignet, es beispielsweise einen musikalischen Rahmen gibt.“ Einige der Bilder, die gleich von den Kindern dargestellt werden, wurden dem Original von Mussorgski entnommen, andere Bilder haben Schüler und Lehrer für ihr Stück neu entwickelt.

Die Proben liefen dann seit Beginn des Schuljahres im Musikunterricht. Wenigstens zweimal pro Woche wurde am Stück gefeilt. Zum Tag der offenen Tür im Februar zeigten die Mädchen und Jungen schon einmal eine kleine Kostprobe. Dreimal wurde dann in den vergangenen Wochen im Volkshaus geprobt, am Montag folgte noch die Generalprobe. Nun muss alles passen. Rund 80 Mädchen und Jungen müssen gleich als ein Ensemble funktionieren.

Die letzten Gäste strömen in den Saal. Einige müssen sogar stehen, so voll ist das Volkshaus. Anne Bischoff und ihre Kinder aus der Kita des Naemi-Wilke-Stifts sind freilich so pünktlich gekommen, dass sie ganz vorn sitzen und das Geschehen hautnah miterleben können. „Es gab gleich mehrere Gründe für uns, sich das Stück anzuschauen. Einige Schüler waren früher bei uns in der Kita. Andererseits besuchen die Kinder meiner Gruppe ab Sommer die Schule – die meisten von ihnen die Friedensschule. Und drittens bereiten wir gerade selbst eine Ausstellung für die Jubiläumsfeier unserer Kita im Sommer vor. Da lag es also nahe, sich diese Aufführung anzusehen.“

Nun wird das Licht im Saal des Volkshauses heruntergeschaltet. Nur die Bühne selbst erstrahlt noch hell und farbenfroh. Alle erwachsenen Helfer drücken die Daumen. Und dann betreten auch schon die ersten Kinder die Bühne und laden das Publikum zum ganz besonderen Museumsbesuch und einer ganz besonderen Führung ein. Jetzt wird das erste Bild vom Museumsdirektor erklärt. Die Mädchen und Jungen singen ein erstes Lied, die Kinder der Bläserklasse spielen die erste Überleitung. Vom Lampenfieber ist nicht mehr viel zu spüren. Schließlich gibt es zwischendurch reichlich Applaus des Publikums.

Und so dürfte es auch am Nachmittag sein. Dann gibt es eine zweite Aufführung, die sich vor allem Eltern, Großeltern und Geschwister der kleinen Künstler anschauen wollen. Auch dann werden die Mädchen und Jungen mit jeder Menge Freunde am Spielen, Tanzen und Singen zeigen, was sie alles im Unterricht gelernt haben.