ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:41 Uhr

Schüler lernen in der Praxis

Den Schülern Stefan Labahn, Lina Marie Drebinski, Marvin Grudzinski und Michéle Lehmann (v.l.n.r.) gefällt das "Praxislernen".
Den Schülern Stefan Labahn, Lina Marie Drebinski, Marvin Grudzinski und Michéle Lehmann (v.l.n.r.) gefällt das "Praxislernen". FOTO: S. Halpick
Guben. Arbeiten statt Büffeln: Das Projekt "Praxislernen" der Europaschule ist ein Erfolgsmodel. Im vierten Jahr seines Bestehens beteiligen sich 65 Schüler und 40 Betriebe in Guben und Umgebung. Einmal in der Woche sind die Neunt- und Zehntklässler in den Unternehmen, um Berufe und Bedingungen auf dem realen Arbeitsmarkt kennenzulernen. Silke Halpick

"Wenn ich lese, dass jeder dritte Brandenburger seine Ausbildung hinwirft, dann haben wir ein Rezept dagegen", sagt Berit Kreisig, Schulleiterin an der Gubener Europaschule. Jeden Mittwoch steht für die Hauptschüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 im Rahmen des Projektes "Praxislernen" Arbeiten statt Schulbank-Drücken auf dem Stundenplan. Mit 91 Unternehmen in Guben und Umgebung gibt es Kooperationsverträge, darunter sind beispielsweise das Naemi-Wilke-Stift, die Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo) und der Gemeinnützige Berufsbildungsverein Guben (GBV).

"Die Schüler suchen sich selbst die Firmen aus, gehen hin und stellen sich vor", erklärt Kerstin Gierloff als Projekt-betreuende Lehrerin. Ziel ist es, dass die Jugendlichen sich in unterschiedlichen Berufen ausprobieren und die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt kennenlernen. Das soll die Berufswahl erleichtern und die Chancen für die "Praktiker" unter den Schülern auf einen Ausbildungsplatz erhöhen. "Die Unternehmen sehen so auch den Menschen, der hinter den Zensuren steht", betont die Lehrerin.

Ihr Fazit ist durchweg positiv. "80 Prozent der Schüler bleiben bei dem einmal gewählten Praktikumsplatz", sagt Gierloff. Jugendliche, die "keinen Bock" zum Lernen haben, freuen sich auf den Mittwoch als festgelegten Praktikumstag. "Haben die Schüler ihren Traumberuf und damit ein ganz konkretes Ziel gefunden, motiviert sie das auch in der Schule", betont die Pädagogin. Doch selbst ein Wechsel sei kein Drama. "Die Jugendlichen sollen sich ja ausprobieren."

Mehrere Anläufe hat auch Michéle Lehmann gebraucht, bevor sie im Jugendklub Comet den richtigen Praktikumsplatz für sich fand. Mittlerweile überlegt die Schülerin, ob sie nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zur Erzieherin macht. Von Anfang an glücklich ist Stefan Labahn bei "Heidis gesunder Kost". "Kochen ist mein Hobby", sagt der Zehntklässler. Doch er will erst einmal das Abitur machen.

"Spannend" findet Heike Ameis, die den Otto-Shop in der Frankfurter Straße betreibt und noch Neuling ist, das Projekt "Praxislernen". Sie will ihrem Praktikanten Einblick in die Arbeitswelt eines Verkäufers gewähren. "Eigentlich hat man mehr Arbeit als Nutzen mit den Schülern", sagt Stephan Hennersdorf vom Gubener Kfz-Betrieb "Autoteile Schanze". Dennoch ist er von Anfang an dabei. "Ich weiß, wie schwer die Berufswahl ist", erklärt er. Zudem hofft er auf Fachkräfte für die Zukunft.

"Wir warten auf euch!", sagt auch Fred Mahro, amtierender Bürgermeister in Guben, zu den Europaschülern in Hinblick auf den bereits in der Neißestadt angekommenen Fachkräftemangel. 76 freie Ausbildungsplätze in 35 verschiedenen Berufen gibt es momentan in Guben.