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| 15:46 Uhr

Guben
Spremberger lesen über die Opfer der Colonia Dignidad

Heike und Hagen Rittel stellten ihr erst kürzlich erschienenes Buch über die Opfer der Colonia Dignidad im 19. Stadtwächterstündchen vor.
Heike und Hagen Rittel stellten ihr erst kürzlich erschienenes Buch über die Opfer der Colonia Dignidad im 19. Stadtwächterstündchen vor. FOTO: Ute Richter
Guben. Beklemmendes Thema im Nachtwächterstübchen. Nächstes Mal geht es um das literarische Guben.

Das Spremberger Ehepaar Heike und Hagen Rittel hat im Stadtwächterstübchen von Andreas Peter in Guben ihr Buch „Lasst uns reden – Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad“ vorgestellt. Der Leser begibt sich auf die Spuren der Frauen der ehemaligen Sekte „Colonia Dignidad“, deren Schicksale bisher wenig oder gar nicht in der Öffentlichkeit bekannt sind. Es entstand eine sensible Zusammenstellung von ganz und gar subjektiven Opfergeschichten. Diese inzwischen erwachsenen Frauen wurden bereits als Kleinkinder Opfer des einstigen Laienpredigers Paul Schäfer, der ab den 1960er-Jahren fast 200 Kinder aus Westdeutschland nach Chile entführte. Dort war er das unangefochtene Oberhaupt  einer brutalen Sekte, in der die Betroffenen über Jahrzehnte hinweg sexuell und als Arbeitssklaven missbraucht wurden.

Eher aus Zufall stießen die als Lehrer tätigen Heike und Hagen Rittel auf die berüchtigte „Colonia Dignidad“. Im Winter 2011 nahmen sie sich ein Sabbatjahr und suchten nach einem Reiseziel in Südamerika. Relativ schnell entschieden sie sich für Chile. Doch was sie dort erlebten und erfuhren, berührte sie sie so sehr, dass sie die Schilderungen der Frauen dokumentierten und nun dieses Buch daraus entstand. Es brauchte Jahre Zeit, bevor die Opfer der einstigen Sekte, von denen heute noch Einzelne an diesem Ort, der heute „Villa Baviera“ heißt, leben. Rittels erfuhren, dass die Opfer ganz unterschiedliche Überlebensstrategien entwickelten. Sie sprachen aber auch mit den Tätern, von denen heute einige im chilenischen Gefängnis sitzen. Oft sehen sie bis heute nicht das Ausmaß ihrer Untaten ein.

Die Vergangenheitsbewältigung dauert bis heute an, denn bislang unbekannte Dimensionen von Verbrechen an Menschen jeden Alters kamen ans Tageslicht. Rittels stehen nach wie vor mit ihren Gesprächspartnern in Chile in Kontakt und werden auch weiterhin bei der Aufklärung der Verbrechen mithelfen. In den Lesepausen griff Hagen Rittel zur Gitarre.

Bereits Anfang August 2016 begann Andreas Peter mit der Einweihung seines Stadtwächterstübchens als  zweite Station der „Märkischen Dichterstraße“.mit seiner Veranstaltungsreihe „Stadtwächterstündchen“. Die 20. Folge findet am Samstag, 21. Juli statt. Dann dreht sich anlässlich des 90. Geburtstages von Rosemarie Schuder alles um Gubener Autoren und literarische Orte rechts und links der Neiße.