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| 01:07 Uhr

Schönheitsfehler im Fichtenwald

Die Gallen der Fichtengallenläuse sind in hiesigen Wäldern häufig zu entdecken.
Die Gallen der Fichtengallenläuse sind in hiesigen Wäldern häufig zu entdecken. FOTO: Foto: Pozar
Peitz.. Trotz des ungemütlichen Wetters ist ein Waldspaziergang immer wieder entspannend. Nicht nur die frische Luft tut gut, Tiere können beobachtet, Bäume und Sträucher beäugt werden. Dabei entdecken Spaziergänger auch immer wieder interessante oder auch merkwürdige Veränderungen. In der hiesigen Region sind es speziell zapfenähnliche Gebilde an Fichten oder Lärchen, die auffallen. (ja)

Dass es sich dabei keinesfalls um gewöhnliche Fichtenzapfen handelt, weiß Joachim Nugel, Revierförster im Forstamt Peitz. "Diese ananasförmigen Gebilde an den Maitrieben der Fichten sind die Gallen der Fichtengallenläuse", erklärt er.
In der Region treten hauptsächlich die grünen Fichtengallenläuse auf. An den Knospen der Zweige sind grüne, später braune, verholzte, haselnuss- bis wallnussgroße Verdickungen zu erkennen. Die Gallen sind die Folge der Saugtätigkeit der Weibchen an jungen Fichtentrieben. Die Fichtengallenläuse verlassen etwa im August die Gallen, überwintern dann als Larven in der Knospenbasis. Bis zu 150 Eier kann eine Mutterlaus legen, deren Larven an den Trieben zu saugen beginnen. Der Befall ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich, hängt von Witterung und Populationsschwankungen ab.
Die Bekämpfung der Schädlinge ist langwierig und schwierig. "Seit etwa 15 Jahren gehen wir dagegen nicht mehr vor", war von Günter Naumann, Fachamtsleiter des Dezernats Forstpolitik beim Forstamt Peitz, zu erfahren. "Man kann einfach nichts dagegen machen. Mit Chemie wäre alles möglich, doch das ist das Letzte, was wir anwenden würden. Außerdem helfen Chemikalien nicht mehr, wenn sich die Gallen ausgebildet haben", sagt er. Der beste Zeitpunkt zur Bekämpfung der Schädlinge ist im Frühjahr. Dann scheiden die Tiere weiße Wachswolle aus und sind dadurch besser zu erkennen. Doch bei dem riesigen Bestand an Fichten in der Region ist eine Kontrolle beinahe unmöglich. "Wir setzen deshalb bei der Bekämpfung eher auf natürliche Feinde, wie beispielsweise einige Wespenarten, die die Larven aussaugen", fügt Naumann an.
Die Gallen an sich seien dabei eher ein Schönheitsfehler an den Bäumen, denn richtigen Schaden würden sie nicht anrichten. "Eigentlich müssten die ,Schönheitsfehler' abgesammelt werden, aber das ist nicht zu schaffen", betont Naumann. Beruhigend fügt er hinzu, dass "die eigentlichen Gallen dem Baum keinen Schaden zufügen. Die Fichte überlebt, bekommt auch neue Triebe." Manche "Baumbesitzer" finden die Form der Gallen sogar recht interessant.
Sind kleine Bestände von Fichten oder Lärchen befallen, wie etwa in Privatgärten, können die zapfenartigen Gebilde mühelos abgesammelt werden. "Der Einsatz von Chemikalien beim ersten Sichten von Mutterläusen an den Knospen der Fichten bleibt jedem Gärtner selbst überlassen", sagt Günter Naumann.