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Spree-Neiße
Schnelles Internet kommt nur langsam voran

Der Gubener Unternehmer Silvio Krüger ärgert sich über die langsame Internetverbindung. Dieser Zustand wird sich auch nach dem mit Bundesmillionen gefördertem Breitband-Ausbau in Spree-Neiße nicht ändern.
Der Gubener Unternehmer Silvio Krüger ärgert sich über die langsame Internetverbindung. Dieser Zustand wird sich auch nach dem mit Bundesmillionen gefördertem Breitband-Ausbau in Spree-Neiße nicht ändern. FOTO: Silke Halpick / LR
Spree-Neiße. Das Bieterverfahren für den Breitband-Ausbau in Spree-Neiße läuft ab. Mehr als 67 Millionen Euro an Fördermitteln gibt es.

Um 12 Uhr läuft Gründonnerstag die Frist im Bieterverfahren für den Breitband-Ausbau in Spree-Neiße aus. Erklärtes Ziel ist, dass bis zum Jahr 2021 die „weißen Flecken“ im Landkreis verschwinden sollen. Dafür stellen Bund und Land mehr als 67 Millionen Euro an Fördermitteln bereit. Allerdings sind damit nicht alle Probleme vom Tisch.

„So ‘nen Hals“ kriegt beispielsweise der Gubener Unternehmer Silvio Krüger vom Irg Informatik- und Rechenzentrum, wenn er an seine Internetanbindung denkt. Mit einer Geschwindigkeit von gerade einmal 4,5 Megabit pro Sekunde muss der Computerspezialist arbeiten – auch bei  Fernwartungen für seine Kunden. „Wenn gleichzeitig jemand telefoniert, bricht die Leitung zusammen“, sagt er.

Das Drei-Mann-Unternehmen ist direkt am Industriegebiet Süd ansässig. Für diesen Standort hatte er sich ganz bewusst entschieden – aufgrund der damaligen Telekomwerbung „Wir bauen Guben aus“. Doch darauf wartet er noch immer. Sein aktueller Provider bietet zwar auch einen schnelleren Internetzugang, allerdings liegt dieses Paket mit einem Wert von mehr als 300 Euro pro Monat außerhalb der finanziellen Möglichkeiten des Kleinstbetriebes.

Doch auch der jetzt geplante Breitband-Ausbau wird ihm nicht aus dem Dilemma helfen. „Der Eigenausbau der Provider wird nicht mit geförderten Maßnahmen überbaut“, erklärt Rainer Schubert, Breitbandverantwortlicher des Landkreises Spree-Neiße. Zwar gelten grundsätzlich Gebiete mit Übertragungsraten von weniger als 30 Megabit pro Sekunde als unterversorgt. Doch welchen Preis der Provider verlangt, spielt keine Rolle.

Ein anderes Problem sieht der SPD-Kreistagsabgeordnete Steffen Krautz auf die Landwirte in der Region zukommen. Denn bei der Datenerhebung für den Breitbandausbau waren die Postadressen ausschlaggebend. „Eine ordentliche Internetverbindung wird jedoch auch in den Ställen gebraucht“, betont Krautz. Dort gehören mittlerweile Videoüberwachung und automatische Zählung der gechipten Kühe zum Betriebsalltag. Der Landkreis hat eigenen Angaben zufolge nachgearbeitet, Landwirte befragt und Adressen ergänzt. Auch andere Betroffene mit variierendem Haupt- und Nebenwohnsitz sollten sich melden, sagt Schubert.

Geplant ist der Breitbandausbau vorwiegend mittels FTTC-Technologie („Fiber to the Curb“ – Glasfaser bis zum Bordstein). Guben bildet eine Ausnahme. Die Neißestadt verfügt bereits über ein Glasfasernetz, das auch bis zum Gebäude („Fiber to the Building“/FTTB) gezogen werden soll. Damit sind Übertragungsraten von mehr als 100 Megabit pro Sekunde möglich. Auch Schulen, öffentliche Gebäude sowie Gewerbeansiedlungen sollen so mit Glasfaser ausgerüstet werden.

Alle anderen Bereiche bekommen die FTTC-Technologie mit nur halb so schnellen Übertragungsraten von 50 Megabit pro Sekunde. Das sei ein wirtschaftlicher Kompromiss, um möglichst viele Menschen in der ländlichen Region mit Breitband zu versorgen, begründet Schubert. Hierbei wird auch Glaserfaser verlegt, aber nur bis zur Verteilerstation. Danach kommt bis zum Endkunden Kupferkabel zum Einsatz. Doch auch dieser Bereich könne „aufgerüstet“ werden, betont der Experte.

Bei Glasfaser bis hin zum Gebäude muss mit den zwei- bis dreifachen Kosten gerechnet werden. Das kann für Kommunen, die ihren Eigenanteil von zehn Prozent selbst schultern müssen, eine erhebliche Mehrbelastung sein. In Guben entfällt der Eigenanteil aufgrund der schwierigen finanziellen Situation. Die Stadt arbeitet mit einem Haushaltssicherungskonzept.

Bei der Ausschreibung des Breitband-Ausbaus hat der Landkreis auf eine möglichst kleinteilige Vergabe gesetzt. Damit auch der „Mittelstand vor Ort“ nicht benachteiligt werde, begründet Schubert. Im Gegensatz zu anderen Regionen gibt es in Spree-Neiße eine ganze Reihe kleinerer Provider, wie die TV Netzgesellschaft in Guben, Funk & Technik in Forst, Antennenbau Tischer in Forst, CNS Network in Kolkwitz, Lausitzer Kabel Service in Spremberg und Marienberg in Döbern.

Ausgeschrieben wurde der Netzausbau sowie die Versorgungskonfession für die kommenden sieben Jahre. Die dafür bereit gestellten Fördermittel des Bundes und des Landes decken allerdings nicht die Gesamtkosten, sondern nur die so genannte Wirtschaftlichkeitslücke, die nach Abzug der zu erwartenden Einnahmen verbleibt. „Im ländlichen Raum können die Netze nicht wirtschaftlich betrieben werden“, sagt Schubert. Ausgegangen werde von einem Negativbetrag von rund 5000 Euro pro Haushalt.

Mit Beginn der Baumaßnahmen wird frühestens im zweiten Halbjahr 2019 gerechnet. Davor stehen noch die Verhandlungen mit den ausgewählten Anbietern, der Beschluss des Kreistages, die Genehmigung der Bundesnetzagentur, die Bewilligung der Fördermittel durch den Bund sowie das notwendige Baugenehmigungsverfahren.

Bis spätestens 2021 soll der Breitband-Ausbau im Landkreis Spree-Neiße abgeschlossen sein, kündigt Schubert an.