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| 16:57 Uhr

Schmerzhaft und notwendig

Der auch künftig fortschreitende Abriss in Guben beschäftigt die Neißestädter.
Der auch künftig fortschreitende Abriss in Guben beschäftigt die Neißestädter. FOTO: Daniel Schauff
Guben. Die Sätze bleiben im Kopf. Gleich mehre Bewohner vierer Wohnblöcke in der Leonhard-Frank-Straße hatten sich mit emotionalen Reden an die Stadtverordneten gewandt in der Hoffnung, die Worte könnten den fortschreitenden Stadtumbau irgendwie aufhalten. Daniel Schauff

Werden sie nicht, machte Gubens amtierender Bürgermeister nicht nur einmal deutlich. Der Rückbau am Neustadt-Rand ist alternativlos. Guben soll zur großen Kleinstadt werden, heißt es im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Insek). Das heißt auch: Die Neißestadt wird sich mehr und mehr in Richtung Zentrum entwickeln, um dem Leerstand in allen Stadtteilen irgendwie Herr zu werden in den kommenden Jahren.

Nun lädt die Stadt Guben alle Neißestädter zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Stadtumbau ein. Das Ziel ist nicht nur das Darlegen der Pläne für die kommenden Jahre, sondern auch die Diskussion mit Betroffenen und allen anderen Gubenern.

Mahro hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass eine frühzeitige Bürgerinformation das Nonplusultra sein müsse. Auch er ist sich ganz offenbar bewusst, dass der Abriss ganzer Wohnblöcke nicht nur auf sachlicher Ebene diskutiert werden kann. Immerhin: Im Fall der Abrissblöcke in der Leonhard-Frank-Straße etwa wohnen einige Mieter bereits ein halbes Jahrhundert in ihren Wohnungen.

Am Mittwoch, 30. August, sind nun die Gubener gefragt, selbst ihre Meinung zum Stadtumbau kundzutun. In der noch ganz frischen Einladung zum Bürgerforum in der Alten Färberei Ende nächsten Monats bemüht sich die Stadtverwaltung klarzustellen, dass es nicht nur um eine Vorstellung der Vorhaben in den kommenden Jahren geht, sondern dass Bürger ganz aktiv den Stadtumbau mitbestimmen sollen. Eine Stadtumbaustrategie 2017 bis 2020 gibt es bereits. Es gelte aber, diese weiterzuentwickeln, heißt es in der Ankündigung.

Der Abend, auch das wird deutlich, soll nicht nur im Zeichen des nötigen Abrisses von Wohnblöcken stehen, sondern thematisch einigermaßen viefältig gestaltet sein. So geht es auch um Kapazitätserweiterungen in den vorhandenen Horten, den Ausbau des Netzes des Öffentlichen Personennahverkehrs, die Nachnutzung alter Gewerbebrachen und Infrastruktur-Investitionen in der Zukunft. "Jeder einzelne Bürger ist daher aufgerufen, vorbeizukommen und sich einzubringen", sagt Projektleiterin Carola Huhold, Fachbereichsleiterin für Stadtentwicklung.

Bereits mehr als nur einmal musste sich die Stadtverwaltung in Guben vorwerfen lassen, den Stadtumbau ohne die Zurkenntnisnahme der Meinung Gubener Bürger vorantreiben zu wollen. Das Bürgerforum ist ganz offensichtlich auch eine Reaktion auf die Sorgen und Nöte, die die Neißestädter angesichts des voranschreitenden Schrumpfens ihrer Stadt haben. Klar ist, dass Guben immer kleiner wird.

Leben in der Stadt aktuell noch knapp 18 000 Menschen, werden es Prognosen der Landesregierung zufolge 2030 nur noch gut 13 000 Menschen sein. Demnach werden künftig immer mehr Wohnungen leerstehen, die dennoch Kosten verursachen. Das Ziel der Stadt ist gesetzt: Die Altstadt wird der künftige Kern Gubens sein, die Neustadt wird schrumpfen.

Zum Thema:
Alle Gubener sind aufgerufen, sich an der Zukunft der Stadt an der Neiße zu beteiligen. Dafür organisiert die Stadtverwaltung ein Bürgerforum in der Alten Färberei am Wilkeplatz am 30. August um 18 Uhr. Neben den Stadtumbauprozess sollen auch viele weitere Themen rund um Gubens Zukunft angesprochen werden.

Die Einladung im Original-Wortlaut:

Diskussion zum weiteren Stadtumbau auf Bürgerforum am 30. August 2017

Die Bürgerinnen und Bürger Gubens sind aufgerufen, über die weitere Umgestaltung der Neißestadt mitzubestimmen: Die Kernfrage nach dem Leitbild für den fortzusetzenden Stadt-umbau soll auf einem öffentlichen Bürgerforum gemeinsam diskutiert werden. "Zusammen mit der Einwohnerschaft wollen wir am 30. August die wichtigsten Herausforderungen für die kommenden Jahre erläutern und die daraus folgenden Handlungsansätze konkret bespre-chen", erklärt der amtierende Rathauschef Fred Mahro. Die Gubener sind aufgerufen, sich vor dem Hintergrund der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung, dem Wohnungsleer-stand, dem drohenden Fachkräftemangel sowie den Zuzugspotentialen oder Anforderungen an Barrierefreiheit und Klimaschutz Gedanken über den Umbau ihrer "kleiner und älter" wer-denden Stadt zu machen. Zwischen 18 und 20 Uhr sollen in der Alten Färberei die fortzu-schreibende Stadtumbaustrategie präsentiert, Vorschläge der Bürgerinnen und Bürger be-sprochen und konkrete Umsetzungsvorhaben für die Stadt abgesteckt werden.
Ziel ist es, damit die Fortschreibung der Stadtumbaustrategie 2017-2020 weiter zu entwi-ckeln und die Bürgerschaft für das zu sensibilisieren, was auf die Stadt in den kommenden Jahren zukommt. Die auf dem Forum festgelegten Ergebnisse werden mit in das neue Stra-tegiepapier einfließen, an dem derzeit mit Hochdruck gearbeitet wird. Bereits Anfang Juli 2017 ist der aktuelle Stand zur Fortschreibung der Stadtumbaustrategie im Gubener Wirt-schaftsausschuss vorgestellt worden. Ab Ende August wird sich dann auch in den weiteren Fachausschüssen zur Entwurfsfassung verständigt - mit einem Beschluss der Stadtverord-neten wird Ende Oktober gerechnet. Aufbauend auf das bereits verabschiedete Integrierte Stadtentwicklungskonzept (INSEK) 2030 stehen folgende Leitlinienpunkte für den Stadtum-bau nun zunächst auf dem Bürgerforum zur Diskussion:

Stadtumbauprozess in Guben konsequent fortsetzenGuben als attraktiven Wohnstandort weiterentwickelnKlare räumliche Schwerpunkte und Prioritäten zugunsten der innerstädtischen Stadtteile (Altstadt Ost und West) setzenAußerhalb der Innenstadt lokale Potenziale für die Stadtteilentwicklung nutzen (Wohnpark Obersprucke zu einem kompakten Stadtteil entwickeln)attraktive Wegeverbindungen zwischen den Stadtteilen und nach Gubin schaffenanziehende Gestaltung innerstädtischer Grünzügebarrierefreie Gestaltung von Stadträumen und Infrastrukturenkonkrete Beiträge zu Klimaschutz und KlimaanpassungInvestitionsmaßnahmen auf Nachhaltigkeit prüfenFördermittel akquirierenAnregungen dazu, sollen die Gubener selbst geben. Die Bandbreite der Diskussion kann folglich vom Rückbau leerstehender Wohnblöcke über die Kapazitätserweiterung von Hort-anlagen, dem Ausbau des ÖPNV-Netzes bis hin zur Nachnutzung alter Gewerbebrachen oder Infrastruktur-Investitionen reichen. "Jeder einzelne Bürger ist daher aufgerufen, vorbei-zukommen und sich einzubringen", sagt Projektleiterin Carola Huhold, Fachbereichsleiterin für Stadtentwicklung im Rathaus. Rückfragen können unter (03561) 6871 1600 oder fb6@guben.de an sie gerichtet werden.
Die Stadt Guben lädt herzlich zum Bürgerforum ein und freut sich über viele Ideen und en-gagierte Diskussionen:
Bürgerforum am Mittwoch, 30. August 2017, von 18 bis 20 Uhr, Alte Färberei an der Gubener Gasstraße. Die Veranstaltung ist öffentlich.