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Schlappe für Möchtegern-Apfelkönig

Marko Steidel (l.) auf dem Flur im Gubener Amtsgericht. Gegen das Urteil will er in Berufung gehen, wie er ankündigt.
Marko Steidel (l.) auf dem Flur im Gubener Amtsgericht. Gegen das Urteil will er in Berufung gehen, wie er ankündigt. FOTO: S. Halpick
Guben. "Sie können gleich stehen bleiben, Herr Steidel", sagt Richter Markus Horn. Dann folgt der Satz, den viele nicht anders erwartet haben: "Die Klage wird abgewiesen. Silke Halpick

" Nun dürfen sich alle setzen. Der Saal 210 des Gubener Amtsgerichtes ist an diesem Donnerstagmorgen nur spärlich besetzt. Der Medienrummel blieb diesmal aus.

Zur Urteilsverkündung schaut allerdings Kathrin Lieske, die Mutter der amtierenden Apfelkönigin Antonia Lieske, vorbei. "Ich brauche das auch als Abschluss für mich", sagt sie im Vorfeld auf dem Flur. Ihre Tochter könne aber nicht kommen, sie müsse arbeiten, erzählt sie weiter. Lieske will auch den Prozessgegner begrüßen, doch Steidel gibt ihr nicht die Hand, nur widerwillig den Arm.

Als "bloße Vermutungen" bezeichnet der Richter im Sitzungssaal die von Steidel erhobenen Vorwürfe gegen die Apfelkönigin und den veranstaltenden Marketing- und Tourismusverein Guben (MuT). Steidel hatte behauptet, dass für die Kandidaten der Führerschein Voraussetzung und die Wahl der Apfelkönigin 2016 manipuliert gewesen seien. Die vom Kläger vorgelegten Beweise belegen dies jedoch nicht, wie Horn klarstellt. Die Klage wird abgewiesen, der Kläger muss die Kosten des Verfahrens tragen.

Einen Monat lang Zeit hat Steidel nun, um gegen das Urteil des Amtsgerichtes in Berufung zu gehen. Das wird er auch, wie er sofort ankündigt. Er sei weder enttäuscht noch wütend, sagt er. Aufhören komme für ihn allerdings nicht in Frage. Auch an den beiden anderen Klagen hält er fest. Vom Marketing- und Tourismusverein fordert er 5000 Euro Schadenersatz, weil er 2016 nicht Apfelkönig wurde, und nochmals 20 000 Euro, weil er 2017 nicht als Kandidat zugelassen wird.

Als "unhaltbar" bezeichnet hingegen Klaus-Dieter Fuhrmann, Rechtsanwalt des MuT, die von Steidel aufgemachten Forderungen. Für ihn habe es auch im Vorfeld des Prozesses keinen Zweifel daran gegeben, dass das Amtsgericht Steidels Klage zurückweisen wird.

Ob es zu weiteren Gerichtsverhandlungen kommt, hängt nun teauch davon ab, ob der Möchtegern-Apfelkönig die bereits aufgelaufenen Kosten für die verlorenen Verfahren begleicht. 1035 Euro stehen beispielsweise noch für das Eilverfahren aus, mit dem der Groß Drewitzer eigentlich seine Kandidatur in diesem Jahr einklagen wollte. Doch auch damit scheiterte er. Den Betrag will er noch begleichen, kündigt Steidel an. "Das hätte er schon längst erledigen können", hält Fuhrmann dagegen.

Nur ein paar Hundert Meter vom Amtsgericht Guben entfernt laufen derzeit die Vorbereitungen für das 23. Gubener Appelfest auf Hochtouren. "Der Rechtsstreit hat uns ganz viel Zeit gekostet", sagt MuT-Geschäftsführerin Kerstin Geilich. So mussten unzählige Presseanfragen beantwortet werden. Über den kuriosen Fall wurde bundesweit berichtet. Trotzdem liege man im Zeitplan. "Das Fest wird pünktlich beginnen", betont Geilich.

Zwei Tage lang feiern die Gubener am Wochenende ihr traditionelles Appelfest, das an die längst vergangene Obstanbautradition in der Region erinnern soll. 2016 wurde das Spektakel auch aus Kostengründen auf einen Tag reduziert. Das habe sich nicht bewährt, wie Geilich einräumt. "Es sind einfach zu viele Aktionen für einen einzigen Tag", sagt sie.

Zum Thema:
Die neue Apfelkönigin beziehungsweise der neue Apfelkönig wird schon am Sonntag in Guben gewählt: Um die Krone kämpfen diesmal Lydia Günther und Steffen Heese. Die Festbesucher entscheiden, wer die Neißestadt künftig präsentieren soll. Die Krönung der neuen Majestät gegen 18 Uhr gilt als Höhepunkt des Appelfestes. Daneben sorgen ein buntes Markttreiben, das Wilhelm-Tell-Apfelkönigschießen, eine große Ernteausstellung sowie ein buntes Bühnenprogramm für Unterhaltung. Der Goldene Apfel wird an einen besonders engagierten Bürger verliehen.