"Ohne Klaus-Dieter Hübner geht es in Guben nicht voran", davon ist Marko Steidel überzeugt. Der 40-Jährige wohnt zwar in Groß Drewitz (Gemeinde Schenkendöbern) und hat demzufolge gar nicht an der Bürgermeisterwahl in Guben teilgenommen. Dennoch will er sich dazu öffentlich positionieren. Dem vorbestraften Ex-Stadtchef "den Weg ins Rathaus zu versperren, wäre strafbar", glaubt er und schiebt hinterher: "Wenn die Stadtverordneten nicht mit Klaus-Dieter Hübner zusammenarbeiten wollen, dann müssen die Stadtverordneten suspendiert werden."

Dass weder die Abwahl noch eine Suspendierung der Stadtverordnetenversammlung erfolgen kann, wie die Kommunalaufsicht des Spree-Neiße-Landkreises bestätigt, tut da für ihn nichts zur Sache. Was aber Marko Steidels Positionierung besonders macht: Er will Apfelkönig werden. Denn erstmals kann auch ein Mann in die Rolle der Symbolfigur der einstigen Obststadt an der Neiße schlüpfen. Doch wie politisch darf eine Apfelkönigin oder ein Apfelkönig sein, die die Stadt bei Messen vertritt?

Das Ehrenamt des Apfelkönigs beziehungsweise der Apfelkönigin ist schließlich ein rein repräsentativer Posten. Hauptaufgabe des Amtsinhabers sei es, ein "positives Image der Region nach außen zu tragen", betont Kerstin Geilich, Geschäftsführerin des Marketing- und Tourismusvereins (MuT) Guben. "Jeder kann sich äußern. Für das Recht auf freie Meinungsäußerung haben wir lange gekämpft", sagt sie. Wichtig ist aus ihrer Sicht jedoch, dass der Apfelkönig oder die Apfelkönigin als Repräsentant der Stadt "alle Bürger" von Guben und der Gemeinde Schenkendöbern vertritt.

Staidel betont auf Nachfrage, dass er sich in der politischen Diskussion zu Hübner lediglich als Privatperson geäußert habe. Sollte er Gubens Apfelkönig werden, wolle er während seiner Amtszeit "solche Sachen zurückstellen".

Die Chancen dafür stehen gut. Die Frist für die Bewerbungen ist abgelaufen. Neben Marko Steidel kämpft nur Antonia Lieske um die Krone. Die 19-Jährige ist in Guben geboren, hat ihren Schulabschluss an der Europaschule gemacht und absolviert derzeit eine Ausbildung zur Altenpflegerin in der "Herberge zur Heimat". "Guben ist eine wunderschöne Stadt", sagt sie. Hier will sie auch bleiben, wie viele ihrer Freunde. Einmal selbst Apfelkönigin zu werden, das sei für sie ein Kindheitstraum. "Solange ich denken kann, gehört zu Guben eine Apfelkönigin", betont sie.

Der MuT organisiert seit 21 Jahren das Gubener Appelfest samt der Wahl. Erstmals in diesem Jahr dürfen sich auch Männer und Paare für den Posten bewerben. Davor war das eine rein weibliche Domäne. Reagiert wurde mit der Neuerung auf die immer geringer werdende Zahl von interessierten Frauen. Die amtierende Apfelkönigin Jessica Sroka wurde im vergangenen Jahr nur gekrönt und nicht gewählt, weil es keine weiteren Kandidatinnen gab.

Zum Thema:
Die Wahl von Gubens Apfelkönig oder Apfelkönigin findet am 10. September statt. In der Zeit von 10 bis 18 Uhr können alle Besucher des Appelfestes ihre Stimme abgeben. Das Ergebnis wird 18.30 Uhr bekannt gegeben, dann erfolgt die Krönung. Im Vorfeld gibt es mehrere Vorstellungsrunden mit beiden Kandidaten, unter anderem am 21. August beim Dorffest in Groß Drewitz und am 3. September im Stadt- und Industriemuseum.