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| 19:00 Uhr

Sammlerleidenschaft
Dinge, die Geschichten erzählen

Auch gebrauchte Gegenstände erzählen Geschichten, wie Vereinsvorstand Günter Quiel weiß.
Auch gebrauchte Gegenstände erzählen Geschichten, wie Vereinsvorstand Günter Quiel weiß. FOTO: LR / Jenny Theiler
Guben. Im Gubener Infozentrum zeigen Mitglieder des Fördervereins zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche besondere Sammlerstücke. Von Jenny Theiler

Vier antike Puppen schauen lebhaft aus ihren Plastikgesichtern. Eine alte Zenit-Kamera aus den 80er-Jahren liegt neben einem glänzenden Paar Schlittschuhe aus den 50er-Jahren und ein beeindruckendes Konvolut aus Fahrradklingeln und Fingerhüten wird in einem Schaukasten präsentiert. Was es mit diesen Gegenständen auf sich hat, erklärt die aktuelle Ausstellung des Fördervereins zum Aufbau der Stadt- und Hauptkirche Gubin. Insgesamt haben fünf Vereinsmitglieder Alltagsgegenstände aus dem eigenen Besitz und den unterschiedlichsten Jahrzehnten zusammengetragen. Jeder Gegenstand wurde sorgfältig nach Herstellungsdatum, Marke und Preis recherchiert, um die Erinnerung bei den Ausstellungsbesuchern zu wecken. „Auf diese Art wollen wir mit den Gubenern in Dialog treten und zum Mitmachen anregen“, erklärt der Vorsitzende Günter Quil.

Jeder noch so unscheinbare Alltagsgegenstand hat seine ganz eigene Geschichte und gibt auch über seinen Besitzer und dessen Leben Auskunft. So ist vor einem halben Jahr die Idee zur Ausstellung des Fördervereins entstanden. „Jeder hat irgendwo noch alte Sachen, die er nicht mehr benutzt aber auch nicht wegschmeißen will, weil so viele Erinnerungen dran hängen. Nach diesen Dingen suchen wir“, sagt Günter Quiel. Ziel der Ausstellung ist es zu zeigen, was man alles sammeln kann. Dazu gehören neben alten Gebrauchsgegenständen auch historische Artefakte der Gubener Zeitgeschichte, die  gleichzeitig Menschen durch gemeinsame Erinnerungen zusammenbringen sollen. „Wir würden uns wünschen, dass die Gubener über unsere Ausstellung miteinander ins Gespräch kommen und sich über die Dinge austauschen, die sie früher vielleicht auch mal besessen haben“, so der Vereinsvorsitzende.

Die Ausstellung zeigt neben einzelnen Alltagsgegenständen auch ganze Sammlungen. Neben den klassischen Briefmarken- oder Münzsammlungen finden sich auch ausgefallenere Kollektionen auf dem Ausstellungstisch im Infozentrum. Heinz-Karol Bursian sammelt schon seit längerem die Schraubdeckel von Fahrradklingeln und kann einige besonders seltene Exemplare aus den 20er- und 30er- Jahren zu seiner Sammlung zählen. Einige sind aus massivem Eisen, andere aus Zink gefertigt. „Ich sammle auch Fingerhüte und andere kleine Sachen aus Metall. Warum, weiß ich auch nicht. Mir gefällt das einfach“, so der Ehrenamtler.

Eine besondere Vorliebe für Puppen hat Diana Vollmer nicht. Dennoch hat die junge Frau vier historische Puppen für die Sammlung beigesteuert, die früher ihrer Urgroßmutter gehört haben. Die beiden Babypuppen stammen aus den 40er- und die Porzellanpuppen aus den 50er-Jahren. „Meine Urgroßmutter hat Puppen gesammelt und unzählige besessen“, erinnert sie sich. „Ich selbst bin kein Puppenfan, wollte sie aber auch nicht wegschmeißen“, sagt Diana Vollmer und so sind die alten Spielzeuge zu Ausstellungsexponaten geworden.

„Es wird heutzutage viel zu viel und viel zu schnell weggeschmissen“, findet Günter Quiel. Die Ausstellung versucht den Besuchern ein stärkeres Werteverständnis für alltägliche Gegenstände zu vermitteln und gleichzeitig an das Umweltbewusstsein der Besucher zu appellieren. „Denn bestimmte Sachen werden irgendwann einfach nicht mehr hergestellt“, weiß Günter Quiel und verweist auf die Erzeugnisse des ehemaligen Chemiefaserwerks Guben.

Dass die einfachsten Gegenstände für manche Menschen einen unschätzbaren Wert haben können, weiß der Vereinsvorsitzende aus eigener Erfahrung. „Als wir damals zum Ende des Zweiten Weltkrieges fliehen mussten, habe ich bei der Flucht meinen Teddy verloren. Weil ich so sehr geweint habe, ist meine Mutter zurückgerannt und wäre dabei fast erschossen worden“, erzählt Günter Quiel. Den Teddy habe seine Mutter bis zuletzt aufbewahrt. Leider gehört er nicht zur Ausstellung.

Dafür dürfen sich die Ausstellungsbesucher auf Stereogeräte aus der DDR, ein altes Schalttelefon und sogar Zeitungen aus dem Jahr 1924 freuen. „Mit der Ausstellung möchten wir natürlich auch unsere polnischen Nachbarn erreichen“, betont Günter Quiel. So hängen seltene Bilder und Fotografien zur Geschichte der Doppelstadt an den Wänden und berichten über längst vergangene Zeiten. Bis zum 14. Dezember können die aktuellen Exponate noch bestaunt werden. Danach werden die Gegenstände ausgetauscht. „Wir haben noch so viel, das wir den Gubenern zeigen möchten und wir hoffen, dass noch mehr Gegenstände hinzukommen“, sagt Günter Quiel. Der Eintritt für die Ausstellung ist kostenfrei.

Vom Fotoapperat bis hin zum alten Schlittschuh – In der aktuellen Ausstellung des Fördervereins wird gezeigt, was man alles sammeln kann.
Vom Fotoapperat bis hin zum alten Schlittschuh – In der aktuellen Ausstellung des Fördervereins wird gezeigt, was man alles sammeln kann. FOTO: LR / Jenny Theiler