Von Ute Richter

Zweimal jährlich lädt der Briefmarkensammlerverein Guben zum Sammlermarkt ins Kulturzentrum Obersprucke ein. Auch am Sonntag gab es für Interessierte die Möglichkeit, den Rat sachkundiger Philatelisten und Numismatiker einzuholen, um Briefmarken sowie Münzen bewerten zu lassen oder Ratschläge zum Sammeln zu erhalten.

Das Sammeln von Briefmarken hat auch immer etwas mit Geschichte zu tun. In einer umfangreichen Sammlung hat eines der Vereinsmitglieder die Geschichte der Post und somit auch der Briefmarke aus Gubener Sicht zusammengetragen. 13 Postagenturen und 36 Poststellen gab es Mitte 1800 in Guben. 1869 arbeiteten unter Postdirektor Zindel ein Postkommissarius, zwei Sekretäre, zwei Postassistenten, vier Expedienten und ein Anwärter. Außer ihnen waren zwei Wagenmeister, vier Briefträger, vier Bürodiener, ein Paketbesteller, drei Paketträger, acht Landbriefträger sowie ein Stadtpostbote als Unterbeamte beschäftigt.

Am 15. November 1850 gab es die erste Briefmarke in den Postämtern Preußens. Auf ihnen war das Porträt von König Friedrich Wilhelm IV zu sehen. Es ist überliefert, dass es den Gubenern 1850 gar nicht in den Sinn wollte, dass es kleine bunte Zettelchen mit diesem Kopfbildnis gab, die dann auf den Brief geklebt werden sollten. Eine „Instruktion wegen Einführung von Marken zum Frankieren der Briefe“, die vor dem Postamt angebracht war, war deshalb Anfang 1850 dicht umringt. Ein bis zwei Silbergroschen kostete ein Brief je nach Bestimmungsort. Entwertet wurden die Briefmarken mit verschiedenen Stempeln, beispielsweise dem Vierringnummerstempel, der zu dieser Zeit neu eingeführt wurde. Die Nummern wurden in alphabetischer Reihenfolge der Postorte vergeben. Guben bekam die 554.

In der Sammlung des Gubener Briefmarkenvereins befinden sich zahlreiche gut erhaltene Briefe mit unbeschädigten Briefmarken und gut sichtbaren Stempeln. An den Stempelformen ist noch heute zu sehen, wo der jeweilige Brief damals aufgegeben wurde. Eine absolute Rarität in der Preußenphilatelie ist ein Werteindruck auf Brief mit achteckigem Oktogon. Aber auch ein Paketbegleitschein für insgesamt acht Pakete ist eine Seltenheit. Gut erhaltene Briefe aus der Zeit des Norddeutschen Postbezirkes sind ebenfalls im Besitz der Gubener Briefmarkensammler.

Ganz so alt waren die ausgestellten Briefmarken, die sich die Besucher des Sammlermarktes am Sonntag anschauen konnten nicht, aber ganz sicher genau so interessant. Und eine Rarität wurde auch angeboten, nämlich eine Goldmünze, die nur verlost wurde und deshalb von hohem Wert ist. Von hohem Wert wird sicher irgendwann auch der Beleg für die letzte Post in Guben sein, den sich zwei Vereinsmitglieder haben einfallen lassen. Dieser Beleg mit eigens dafür angefertigter Briefmarke dokumentiert, dass es die „Grüne Post“ in Guben von 1928 bis 2019 gegeben hat.