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| 15:11 Uhr

Guben widmet sich der Geschichte des Briefverkehrs
Sammler beleuchten Post-Historie

 So voll wie lange nicht war es am Sonntag beim Sammlermarkt der Briefmarkensammlervereins im Gubener Kulturzentrum Obersprucke.
So voll wie lange nicht war es am Sonntag beim Sammlermarkt der Briefmarkensammlervereins im Gubener Kulturzentrum Obersprucke. FOTO: Ute Richter
Guben. Die Philatelisten aus Guben haben jahrelang nachgeforscht. Nun stellen sie ihre Ergebnisse vor.

Zum traditionellen Sammlermarkt hatte am Sonntag der Briefmarkensammlerverein Guben ins Kulturzentrum Obersprucke eingeladen. Zweimal im Jahr gibt es für Interessierte die Möglichkeit, den Rat sachkundiger Philatelisten und Numismatiker einzuholen und zum Beispiel Briefmarken sowie Münzen bewerten zu lassen oder Ratschläge zum Sammeln zu erfragen.

Doch wie entwickelte sich die Postgeschichte? Gab es schon immer Briefmarken? Und wie verständigte man sich einst? Diese und andere Fragen haben die Philatelisten über Jahre recherchiert und Antworten aufgeschrieben. In sechs Alben hat eines der Vereinsmitglieder die Belege zusammengetragen und das alles im Gubener Zusammenhang: „Die Vormarkenzeit und Altbriefkunde“, „Preußen – ab 1850 postalisch betrachtet“, „Die Reichspost – die philatelistische Bedeutung zwischen zwei Weltkriegen“, „1. Weltkrieg“, „2. Weltkrieg“ und „Deutsche Post nach dem Krieg 1945 und die Philatelie“.

Ein genauer Blick in das Album des Vereins, das die Gubener Postgeschichte in der Vormarkenzeit und Altbriefkunde beleuchtet, zeigt Spannendes. So gab es schon im alten Römischen Reich regelmäßige Botenverbindungen. Im Mittelalter übernahmen Mönche den Nachrichtenverkehr. Bereits im 15. Jahrhundert gab es städtische Botenanstalten. Eine überbringende Rolle hatten die Postboten zu Pferde oder zu Fuß vor 1817. Der Absender, der eine Mitteilung in Form eines Briefes schickte, entrichtete den Botenlohn direkt an den Postboten. Mit der Zunahme von Briefen begann eine Reformierung der Botengänge und es kamen Postanstalten auf.

In Guben entstand die erste Poststation im Jahr 1736 in der heutigen Alten Poststraße. Später zog sie in die Salzmarkstraße (heute Gubin) um, wo sie bis zum Jahr 1879 Postamt war. Mit der Übernahme der Niederlausitz durch Preußen im Jahr 1817 wurde das Postwesen neu gestaltet. In allen größeren Städten wurden Poststempel eingeführt. So auch in Guben. Bevor es im November 1850 Briefmarken gab, wurden Briefe mit verschiedenen Stempeln und Vermerken versehen. Davon zeugen viele historische Exponate, die sich im Album des Vereins wiederfinden. Noch ohne jeglichen Vermerk waren die Briefe im Jahr 1763. Aus dieser Zeit rührt der erste Originalbeleg im Album.  Eine echte Rarität ist auch ein Botenbrief von Februar 1767 an den Bürgermeister der Stadt Guben sowie ein gebührenfreier Brief von Dresden nach Guben (1793). Es war üblich, den Faltbrief mit Papierstreifen zu verschließen und zu sichern sowie mit einem Briefsiegel zu versehen. Botenbriefe von 1792 und 1793 an den Abt des Klosters Neuzelle von der Kursächsischen Stadt Guben oder zwei Botenbriefe von Guben an die Gräfin von Blomberg (1803/1807) sind mit meist schöner Schnörkelschrift versehen. Auch Briefe von Guben nach Sommerfeld, auf denen das Briefsiegel mit der Aufschrift Friedrich-August von Sachen noch gut zu lesen ist, sind in einem wirklich guten Zustand.

Die Einführung des Poststempels läutete eine neue Ära in der Postgeschichte ein.  Ein Paketbegleitbrief nach Berlin von 1817 zeigt die Signatur H.M.I. Der Zweizeilenstempel zeugt aus der Zeit von 1832 bis 1848. Briefe aus dieser Zeit sind für die Philatelisten wunderschöne Faltbriefe mit Inhalt oder fanden als Briefhülle Verwendung. Häufig wurden die Briefe mit Lacksiegel verschlossen.

Zwischen 1826 und 1850 wurde in Guben der Einkreisstempel eingeführt. Verschiedene Exemplare dieser Zeit mit zahlreichen Rötelvermerken, die die Portostufen darstellen, die bei Überschreiten der Landesgrenzen neu errechnet werden mussten, sind im Album ebenfalls zu finden. Mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Berlin-Breslau wurde auf dem Gubener Bahnhof im Jahr 1846 ein Postamt eröffnet. Aufschrift des Poststempel dort: Guben Bahnhof. Es folgten Zweikreisstempel (1839-1862) und Kastenstempel (1849-1861).

Etwas Besonderes sind Zierbriefe, die als echte Raritäten gelten. Auch solche findet man im Album der Gubener Sammler. Und darauf sind die Philatelisten sehr stolz. Es sei wirklich spannend, wenn man sich mal damit beschäftigt, wie früher Nachrichten von A nach B transportiert wurden, urteilen die Gubener. Am Sonntag gaben sie auch dazu gern Auskunft, genau wie zu allen anderen Fragen rund um Briefmarken, Postkarten und Münzen.

 So voll wie lange nicht war es am Sonntag beim Sammlermarkt der Briefmarkensammlervereins im Gubener Kulturzentrum Obersprucke.
So voll wie lange nicht war es am Sonntag beim Sammlermarkt der Briefmarkensammlervereins im Gubener Kulturzentrum Obersprucke. FOTO: Ute Richter