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| 02:43 Uhr

Rezept gegen Ärztemangel in Guben steht aus

Guben. Das Datum ist geschichtsträchtig. Ob der Befreiungsschlag gegen den Ärztemangel in Guben gelingt indes ist fraglich: Am 8. Mai wollen niedergelassene und stationär tätige Ärzte, der Vorstand des Gubener Krankenhauses Naemi-Wilke-Stift und die Kassenärztliche Vereinigung zu einer internen Krisenberatung zusammenkommen. Beate Möschl

Wenn sich die Kassenärztliche Vereinigung (KV) nach Guben bewegt, muss es ernst stehen um die ärztliche Versorgung. Den Gubenern selbst und ihren Nachbarn aus den Schenkendöberner Ortsteilen, die sie im Wartezimmer regelmäßig treffen, ist das schon lange bewusst. Nur ändert das Bewusstsein und Mahnen vor Ort nichts an der großen Kurve, die der Medizinernachwuchs um den ländlichen Raum macht. Da ist die Politik gefordert, waren sich die Mitglieder des Sozialausschusses der Gubener Stadtverordnetenversammlung in dieser Woche einig.

Zuvor hatte ihnen der Allgemeinmediziner und Kinderarzt Dr. Ruchi Kassem erläutert, was die vom zuständigen Fachbereich der Stadtverwaltung vorgelegten Zahlen zur ärztlichen Versorgung in Guben für Mediziner und Patienten in der Praxis bedeuten: Überstunden und drohende Regressforderungen wegen Überschreitung des Zeitbudgets auf der einen, lange Wartzeiten auf der anderen Seite. "In der jetzigen Situation sind zwei bis drei Stunden Wartezeit nicht ausgeschlossen. Ich habe schon ein Schild aufgehängt, dass ich um Verständnis bitte, mehr kann ich nicht tun. Jeder Patient, der zu mir kommt, wird auch behandelt", schilderte er. Von den noch acht Hausärzten in Guben sind zwei weit über 70. "Wenn sie aufhören, sind wir hier nur noch sechs Hausärzte", so Dr. Kassem, Sprecher der Gubener Ärzte in der KV. Das würde mehr als 2200 Patienten pro Hausarzt bedeutent. Gemessen an der Einwohnerzahl der Stadt Guben, kommen derzeit auf jeden Hausarzt 1426 Patienten. Die Schenkendöberner hinzu gerechnet, sind es 1729. 2006 waren es 1371.

Ein Rezept gegen den Ärztemangel habe er nicht. "Wir können keine Ärzte backen, die Frage ist, wie wir die vorhandenen Kräfte bündeln", sagte Dr. Kassem und warb darum, Guben attraktiver zu machen. Ein Ärzte-Ehepaar aus Sachsen-Anhalt habe sich jüngst gegen Guben und für Leipzig entschieden. Er selbst lebe gern hier, auch wenn ihm die Verbindung nach Berlin nicht gefalle, "aber vielleicht können wir da noch was machen, Herr Bürgermeister", signalisierte er, dass es falsch wäre, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken.

Zum Thema:
In Guben gibt es 29 niedergelassene und angestellte Ärzte, darunter acht Hausärzte, einen Augenarzt, einen Urologen, zwei Kinderärzte, drei Orthopäden, drei Frauenärzte, fünf Fachärzte für Innere Medizin und einen Nephrologen, zwei HNO-Ärzte und einen Facharzt für Neurologie/Psychiatrie. Es fehlen ein zweiter Augenarzt, sowie Fachärzte für Kardiologie und Diabetes. Sechs der 29 Ärzte sind 60 Jahre und älter, 13 sind 50 bis 59 Jahre.