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Reichlich Sand im Neiße-Getriebe

Erika und Horst Hornak aus Guben unternahmen am Montag einen Frühlingsspaziergang an der Neiße und staunten ebenfalls über den niedrigen Wasserstand.
Erika und Horst Hornak aus Guben unternahmen am Montag einen Frühlingsspaziergang an der Neiße und staunten ebenfalls über den niedrigen Wasserstand. FOTO: FOTO-Werner/rww1
Guben. Der Wassertourismus auf der Neiße soll in den kommenden Jahren eines der Zugpferde werden, mit denen Guben und Gubin Besucher anlocken wollen. Doch damit das Befahren des Flusses für die Touristen auch wirklich zum Vergnügen wird, gilt es noch einige Probleme zu beseitigen. Ein Punkt dabei: die Versandung der Neiße. Doch auch so manche Gefahrenstelle bereitet Kopfschmerzen. Thomas Engelhardt

Flach und friedlich fließt sie in diesen Tagen dahin: die Neiße. Am Pegel Guben wurde zu Wochenbeginn gerade mal ein Wasserstand von knapp zwei Metern gemessen. Zum Vergleich: Die Hochwasseralarmstufe I wird bei 4,60 Metern ausgerufen. Hauptgrund für die aktuelle Situation ist die seit Wochen anhaltende Trockenheit. Im Flussbett in unmittelbarer Nähe der Großen Neißebrücke sind inzwischen Sand- und Kiesablagerungen deutlich zu erkennen.

Und genau das bereitet so manchem Experten Sorgen. Joachim Klos, Vorsitzender des Gubener Bootsvereins, mahnt schon seit längerem an, neben den in diesen Wochen und Monaten erfolgenden Maßnahmen zum Hochwasserschutz auch das Problem der Versandung nicht aus den Augen zu verlieren. Aus der Neiße müsse zwingend der Kies entfernt werden, der nicht zuletzt durch das Hochwasser des vergangenen Jahres dort abgelagert worden sei.

Vor wenigen Tagen waren der Wassertourismus und der Hochwasserschutz nun auch Thema einer Gesprächsrunde, an der neben Vertretern der Stadtverwaltung auch Mitarbeiter des Landesumweltamtes, des Landkreises, des Gewässerverbandes Spree-Neiße, der Gemeinde Schenkendöbern, des Amtes Neuzelle, des Marketing- und Tourismusvereins (MuT) sowie des Bootsvereins teilnahmen. Bei dieser Gelegenheit schätzen die Experten der Landesbehörde allerdings ein, dass in puncto Versandung kein akuter Handlungsbedarf bestehe. Die Berechnungen, die die Grundlage für die Hochwasserschutzmaßnahmen, also beispielsweise den Bau der Spundwand im Bereich der Alten Poststraße, darstellten, würden die Sandablagerungen bereits berücksichtigen, so die Aussage.

Das sieht auch Kerstin Geilich, Geschäftsführerin des MuT, ähnlich. "Die Versandung stellt maximal ein Problem beim Einsteigen in die Boote an den Neißeterrassen dar", betrachtet sie die Thematik in erster Linie aus Sicht der Touristen.

Ein weiteres Problem für Bootsfahrer seien die Gefahrenstellen im Fluss, hieß es während der Gesprächsrunde. Als Beispiel wurden die Pfeiler der einstigen Achenbachbrücke genannt, die aus dem Wasser ragen. Da derzeit nicht geklärt sei, wer dafür zuständig ist und dementsprechend Gefahrenhinweise anbringen muss, einigten sich die Teilnehmer der Runde darauf, auf kurzen Wegen die notwendigen Maßnahmen abzusprechen. Auch in der Touristinformation an der Frankfurter Straße und auf der dazugehörigen Website wird auf die Gefahrenstellen hingewiesen. Das Landesumweltamt sagte zu, dafür die Ergebnisse aus der Fluss- und Deichschau zur Verfügung stellen.

Wichtig sei es jedoch, da waren sich die Teilnehmer der Gesprächsrunde einig, die Richtwerte für die Hochwasser-Alarmstufen auf den Prüfstand zu stellen, heißt es in einer Zusammenfassung der Gesprächsrunde aus dem Rathaus. Wenn in Guben die Alarmstufe 4 ausgerufen werde, sei es für Schutz- und Rettungsmaßnahmen bereits zu spät. Das passiert bei einem Wasserstand von 6,40 Meter. Das Landesumweltamt werde deshalb diese Werte auf den Prüfstand stellen.

Mit den Aussagen zum Thema Sand ist Joachim Klos unterdessen nicht zufrieden, "Wenn am Gubener Pegel ein Wasserstand von zwei Metern angegeben wird, dann ist das ein Meter Wasser und ein Meter Kies", sagt er und ergänzt: "Ohne Abbaggern des Sandes werden wir das Thema Hochwasser in Guben nicht in den Griff kriegen."

Zum Thema:
In diesen Tagen laufen die Vorbereitungen für das diesjährige Guben-Gubiner Neißetreiben, das unter anderem vom Bootsverein und der Gubiner Wasserwacht vorbereitet wird. Es findet am Samstag, dem 22. März, statt. Der Start wird um 12 Uhr an den Neißeterrassen erfolgen. Die Teilnehmer werden sich bis in Höhe des Pegels Guben treiben lassen. Das entspricht einer Strecke von rund 2,5 Kilometern.