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Regionale Strategie für Villa Wolf in Gubin gefragt

An den Neiße-Hängen im heutigen Gubin stand die Villa der Fabrikantenfamilie Wolf, die der Bauhaus-Architekt Ludwig Mies van der Rohe entworfen hat. Das Haus wurde 1945 zerstört.
An den Neiße-Hängen im heutigen Gubin stand die Villa der Fabrikantenfamilie Wolf, die der Bauhaus-Architekt Ludwig Mies van der Rohe entworfen hat. Das Haus wurde 1945 zerstört. FOTO: privat
Cottbus/Gubin. Mit seiner Forschungsarbeit zum Haus Wolf hat Lars Scharnholz (INIK) maßgeblich zur Wiederentdeckung der Mies van der Rohe-Villa in Gubin beigetragen. Er plädiert dafür, dass die Entscheidung über die weitere Entwicklung des Hauses Wolf aus der deutsch-polnischen Lausitz und nicht von außen kommen sollte. Nicole Nocon

Dr. Lars Scharnholz, Geschäftsführer des Cottbuser Instituts für Neue Industriekultur (INIK), hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das Haus Wolf wiederentdeckt wurde. Er kennt das Haus Wolf und seiner Geschichte wie kaum ein anderer.

Als BTU-Absolvent hat Lars Scharnholz 1999 während seines Studiums an der University of Washington eine Hausarbeit zum Landhaus Wolf geschrieben. Basis waren Gespräche und Briefe mit den damals noch lebenden Kindern Christine, Bärbel, Renate und Götz Wolf.

Zurück in Deutschland leitete Scharnholz als Mitarbeiter der Internationalen Bauausstellung (IBA) von 2000 bis 2005 das Projekt Guben-Gubin. Mit dem 2005 aus der IBA hervorgegangenen INIK setzt er die Forschung zum Landhaus Wolf bis heute fort.

"Vermutlich scheint es auf den ersten Blick ein wenig merkwürdig, dass sich jemand um die Geschichte eines Hauses bemüht, das es gar nicht mehr gibt. Doch wenn wir uns in der deutsch-polnischen Lausitz darauf einlassen, das Landhaus Wolf genauer kennenzulernen, können wir in Zukunft alle die Begeisterung für den Ort und seine Geschichte teilen", ist Scharnholz überzeugt.

Der Bau existierte nur bis 1945. Durch Kriegseinwirkung zerstört, in den 1950er und 1960er Jahren als Baustoffquelle demontiert, erinnern heute lediglich ein paar zurückgebliebene Bauteile des Hauses und Fragmente der Gartenanlage an die Architektur von damals.

"Noch bevor die Sympathien für einen raschen Wiederaufbau große Wogen schlugen, begannen wir zu IBA-Beginn im Jahr 2000 vor Ort in Guben und Gubin viele unterschiedliche Varianten zu diskutieren. Die gemeinsam mit den Städten Guben und Gubin sowie der IBA beschlossene Strategie nannte sich ,Wolf House Project‘. Die Fragen lauteten: Welche Bedeutung hat die Geschichte des Landhauses Wolf für die Städte Guben und Gubin? In welchem Zusammenhang stehen das Haus und der Werdegang der Städte Guben und Gubin im 20. Jahrhundert?", erinnert sich Scharnholz. Die Gubiner und Gubener seien damals von seiner Mies-Entdeckung begeistert gewesen.

"Erst mit den gemeinsamen Bemühungen von Guben und Gubin sowie ihren Bürgerinnen und Bürgern wurden die Bausteine der Landhausgeschichte allmählich zusammengetragen. Mit dem "Wolf House Projekt" erkannte man vor Ort, dass die gemeinsame Auseinandersetzung mit der Geschichte ein weiterer Baustein für ein grenzüberschreitendes Handeln sein kann", betont Scharnholz. Unter den Beteiligten habe damals Konsens darüber geherrscht, dass weder die schnelle Rekonstruktion noch die Erhebung des Ortes zu einer archäologischen Ruhestätte der Modernen Architektur ein angemessenes Ziel sein konnte.

Wie ist der Stand heute? "Mit der Initiative von Dietrich Neumann und Florian Mausbach ist eine erstaunliche Dynamik aufgekommen. Wenn wir die aktuellen deutsch-amerikanischen Bemühungen als Impuls verstehen, der die Diskussion zum Umgang mit dem Landhaus weiterführt, ist diese Entwicklung sehr zu begrüßen. Wir sollten aber der Versuchung wiederstehen, die Lösung schon zu kennen, wenn uns die vielen Bausteine für eine durchdachte und regional angemessene Strategie noch fehlen", mahnt Lars Scharnholz.

Er ist überzeugt: "Egal, welche Lösung wir in Guben und Gubin anstreben: Wir müssen diese Lösung in der deutsch-polnischen Lausitz ,erden‘." Es gehe um die Entscheidung der Bewohner dieser Region sowie um einen Dialog, der nun nach einem beachtlichen Vorlauf von 17 Jahren beginnt. "Dafür sollten wir hier in der Lausitz die Kräfte bündeln. Mit dem Landhaus Wolf ist ein Stück regionaler Identität verbunden, die wir uns nun erschließen können", betont Scharnholz.

Auf der Suche nach dem richtigen Umgang mit dem Landhaus Wolf sei es wichtig, die deutsch-polnische Idee zum Bauhausjahr 2019 nicht aus dem Blick zu verlieren: Das Projekt "Unbekannte Moderne", das unter anderem von der Energieregion Lausitz, den Städten Guben und Gubin, der Wojewodschaft Lubuskie, der Stadt Cottbus und dem Kunstmuseum Dieselkraftwerk vorangebracht wird. Lars Scharnholz ist zuversichtlich: "Vielleicht sind wir bis 2019 schon einen großen Schritt weiter."