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Reformationsjubiläum thematisiert auch Luthers Hass auf Juden

Kirchenhistorikerin Prof. Dr. Dorothea Wendebourg machte am Mittwochabend in der voll besetzten Bergkapelle den Anfang für die Reformationsveranstaltungsreihe in Guben.
Kirchenhistorikerin Prof. Dr. Dorothea Wendebourg machte am Mittwochabend in der voll besetzten Bergkapelle den Anfang für die Reformationsveranstaltungsreihe in Guben. FOTO: Ute Richter/utr1
Guben. Mit einem Luther- und Reformationsvortrag in der Bergkapelle auf dem Jüdischen Friedhof hat die Kirchenhistorikerin Prof. Dr. Dorothea Wendebourg am Mittwoch die Veranstaltungsreihe zum 500. Reformationsjubiläum eröffnet. utr1

In elf Veranstaltungen soll bis Ende November ein Blick auf das geworfen werden, was in Luthers 95 Thesen nachzulesen war.

Der Blick richtet sich aber auch in Gegenwart und Zukunft. Auch deshalb wurde als erstes Thema gleich eines gewählt, welches "mit heißer Nadel" gestrickt wurde, wie Rektor Stefan Süß vom Naemi-Wilke-Stift in seiner kurzen Eröffnungsrede sagte. Denn das Verhältnis von Reformatoren und Juden ist eine Schattenseite der Reformation. Vor allem Martin Luthers Judenhass sei für die evangelische Kirche eine Erblast.

Genau über dieses Thema referierte Prof. Dr. Dorothea Wendebourg von der Humboldt-Universität Berlin. Sie ist dort am Lehrstuhl für Kirchengeschichte mit Schwerpunkt Mittlere und Neuere Kirchengeschichte/Reformationsgeschichte tätig. Mit dieser Dozentin hatten sich die Organisatoren also eine hochkarätige Fachfrau für dieses Thema in die Neißestadt geholt. Denn sie hat sich zuletzt mehrfach in Fachzeitschriften auch zu den dunklen Seiten Luthers geäußert, vor allem aber zu seinem Judenhass, der aber auch vor dem Hintergrund seiner Zeit gesehen werden muss.

"Wir wollen Themen in dieser Veranstaltungsreihe differenziert betrachten", erklärt Pastor Stefan Süß das Anliegen der Reihe. Und dazu gehören auch unangenehme Themen, wie das vom Mittwochabend. "Die Evangelische Kirche in Deutschland will im Jahr des 500. Reformationsjubiläum weitere Lehren aus der Haltung Martin Luthers zu den Juden ziehen, deshalb darf das Thema nicht fehlen", so Süß.

Dass die Reformation die Gubener offensichtlich beschäftigt, zeigte die bis auf den letzten Platz gefüllte Bergkapelle am Mittwoch. Und auch nicht zufällig war als Veranstaltungsort für das Thema "Reformation und die Juden" die Bergkapelle auf dem Jüdischen Friedhof gewählt worden. "Die Problematik ist hier näher als an anderen Orten", erklärte die Referentin.