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Reformations-Truck in Kerkwitz

Kerkwitz. "Wir sind überglücklich, dass der Stationenweg in Kerkwitz hält", sagt Ulrike Menzel, Superintendentin des Kirchenkreises Cottbus. "Klasse" daran findet sie, dass das gerade einmal 500 Einwohner zählende Dorf in der Gemeinde Schenkendöbern sich in eine "illustre Riege großer Städte" einreiht. Silke Halpick

Genf, Rom, Malmö, Prag, Riga und London werden ebenfalls angesteuert. An insgesamt 68 Stationen in 19 europäischen Ländern hält der große Truck auf seinem "Europäischen Stationenweg".

Auf Reisen geschickt hat ihn die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) - natürlich aus Anlass des Reformationsjubiläums in diesem Jahr. Auf seiner Tour durch Europa sollen Reformationsgeschichten eingesammelt werden, die dann auf der Weltausstellung Reformation in der Lutherstadt Wittenberg gezeigt werden. Dabei geht es auch um ganz persönliche Erlebnisse der Menschen. "Nichts ist zu klein", wie Menzel betont.

Warum ausgerechnet Kerkwitz für den Stationenweg ausgewählt wurde, darüber lässt sich derzeit nur spekulieren. "Wir waren selbst überrascht", sagt der Gubener Pfarrer Dschin-u Oh. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) konnte zwei Stationen benennen. Die Wahl fiel auf Berlin sowie Kerkwitz. Per Post wurde die Gubener Kirchengemeinde informiert. Oh sieht in der Entscheidung ein "Zeichen" der Kirche. "Die Reformation vor 500 Jahren war nicht nur ein städtisches Phänomen", betont er. Kerkwitz stehe somit für die "Landperspektive".

"Für uns ist das eine ganz besondere Herausforderung, auch weil wir nicht wissen, wie viele Gäste kommen", sagt Roswitha Koch vom Organisationskomitee in Kerkwitz. "Es können hundert, aber auch Tausende sein", begründet sie. Allerdings haben die Kerkwitzer bereits Erfahrung bei der Vorsorgung großer Besuchermassen. Zur Weihung der Dorfkirche im Jahr 1952 hielten auf dem Bahnhof Sonderzüge aus Cottbus, Frankfurt (Oder) und Forst. Mehr als 3000 Gäste wurden damals empfangen. "Und alle bekamen Kaffee und Kuchen", erzählt Koch.

Der Bau der Gustav-Adolf-Kirche gilt vielen noch immer als ein Stück "zeitgenössischer Reformationsgeschichte". Das Gotteshaus wurde unter Nachkriegs- und DDR-Bedingungen gebaut. Als im August 1951 das Holz knapp wurde, fuhren die Bauern in der Haupterntezeit in den Wald, um Bäume zu fällen. Das Gustav-Adolf-Werk sammelte überall Geld- und Sachspenden. Die Kirche war die erste, die in der DDR geweiht wurde.

Mittlerweile ist Kerkwitz aber auch zum Symbol für den Widerstand gegen neue Braunkohletagebaue geworden. Wenn die geplante Grube Jänschwalde-Nord kommt, muss das gesamte Dorf abgebaggert werden. Dagegen kämpfen die Bewohner. "energie (ver)wenden - reformation heute" ist deshalb auch das selbst gewählte Motto für die 64. Etappe des Reformations-Trucks.

Zum Thema:
Der blaue Truck des Europäischen Stationenweges ist bereits seit Ende Oktober 2016 unterwegs. Gestartet ist er in Genf, aktuell macht er Station im polnischen Bardejov, am Samstag wird er in Irlands Hauptstadt Dublin erwartet. Nach Kerkwitz kommt er vom 10. bis 12. Mai. Der Truck wird auf dem Sportplatz stehen.Am Hauptfesttag (11. Mai) werden zahlreichen Schüler aus der Region zum Projekttag "Was ist Reformation?" erwartet. Ein Luther-Musical wird aufgeführt. Geplant ist ein deutsch-wendisches Volksliedersingen, eine ökumenische Andacht. Abends sollen reformatorische Geschichten aus Kerkwitz und der Lausitz erzählt werden. 15 von ihnen werden an das Geschichtenmobil übergeben.