| 17:58 Uhr

Untersuchung
Potenzial der Radler besser nutzen

Auf dem Oder-Neiße Radweg bei Grunewald waren laut der Radverkehrsanalyse im vergangenen Jahr 55 387 Radfahrer unterwegs.
Auf dem Oder-Neiße Radweg bei Grunewald waren laut der Radverkehrsanalyse im vergangenen Jahr 55 387 Radfahrer unterwegs. FOTO: Katrin Janetzko / LR
Guben. Detaillierte Untersuchungen der Touristiker im Spree-Neiße-Kreis verdeutlicht, wie wichtig der Fahrradtouristen für die Lausitz inzwischen geworden ist. Sie zeigen aber auch, woran es vielen radelnden Touristen noch fehlt. Von Michéle-Cathrin Zeidler

Von Bad Muskau nach Guben und weiter nach Eisenhüttenstadt - auf dem Oder-Neiße Radweg bei Grunewald waren im vergangenen Jahr 55 387 Radfahrer unterwegs. Das geht aus der aktuellen Radverkehrsanalyse hervor, die im jüngsten Gubener Umweltausschuss vorgestellt wurde. „Dieses Ergebnis ist gut und kann sich im Landkreis sehen lassen“, ordnet Michaela Birkner, Sachbearbeiterin Tourismus beim Landkreis Spree-Neiße, ein. Am höchsten frequentiert war der Weg zur Saison zwischen April und Oktober: 81 Prozent der Radler entfallen auf diesen Zeitraum. „In der Saison wurden täglich 209 Fahrräder von der Messstation registriert, im Jahresschnitt waren es 151“, so Michaela Birkner weiter.

Die erste Untersuchung zur Nutzung der Radwege wurde 2008 vom Land Brandenburg durchgeführt. „Brandenburg wollte herausfinden, wie die einzelnen Radwege angenommen werden“, erklärt Michaela Birkner. Bis dahin waren die Erkenntnisse zur Fahrradnutzung im ländlichen Raum sehr lückenhaft. 2016 wurden die Fördermittel eingestellt, aber Guben führte die Radverkehrszählung trotzdem fort.

Aktuell wird an 63 Zählstationen in Brandenburg der Radverkehr gezählt. Im Landkreis Spree-Neiße erfassen vier Messstationen die vorbeikommenden Radler. Die Station kurz hinter dem Bahnübergang in Grunewald ist seit Dezember 2015 in Betrieb. „Diese Stationen zählen wie ein Blitzer, wie viele Bewegungen auf dem Radweg passieren“, erklärt Michaela Birkner. Dabei messe das System die Länge des jeweiligen Objektes, um Autos, Fußgänger, Wölfe und Haustiere herauszufiltern.

Die Untersuchung ergab, dass mehr Radfahrer Richtung Eisenhüttenstadt fuhren. „Aber das ist nicht überraschend, denn die meisten fahren von der Quelle zur Mündung“, so Michaela Birkner. Ebenfalls wenig überraschend: Die meisten Radfahrer waren in den Sommermonaten bei warmen Temperaturen und Sonnenschein unterwegs. „Der Alltagsradler ist unter der Woche in den frühen Morgenstunden unterwegs“, sagt die Sachbearbeiterin. „Am Wochenende ist der Nachmittag hingegen die Spitzenzeit.“

Da die Station in Grunewald erst seit Dezember 2015 den Radverkehr erfasst, ist eine Aussage zur Entwicklung kaum möglich. Allerdings kann festgehalten werden, dass das Ergebnis für 2017 vier Prozent unter dem Vorjahreswert liegt. 2016 wurden nämlich 60 019 Fahrradfahrer bei Grunewald erfasst. „Allerdings war im vergangenen Jahr das Wetter auch schlechter“, betont Michaela Birkner.

Um die ermittelten Daten interpretieren zu könne, wurden zusätzlich Befragungen durchgeführt. Insgesamt wurden hierfür 500 Radfahrer erfasst. Mehr als 55 Prozent stellten sich dabei als Radwanderer heraus, die mit dem Fahrrad von Etappe zu  Etappe fahren und dabei die Unterkunft wechseln. Knapp 30 Prozent der Radfahrer nutzten den Weg für den Alltagsverkehr. 15 Prozent waren auf einem Tagesausflug unterwegs und lediglich 0,8 Prozent der erfassten Radfahrer waren Regio­radler, die ausgehend von einer festen Unterkunft die Region mit dem Rad erkunden. „Im Bereich der Regioradler muss mehr passieren, denn die lassen das Geld in der Region“, verdeutlicht Michaela Birkner. Diese Aussage spiegelt sich auch in der genutzten Route wider. 92 Prozent der befragten Radfahrer gaben an, dem Oder-Neiße Radweg zu folgen. Lediglich ein Prozent war auf der Gubener Seenrundtour unterwegs und macht somit länger Station in der Stadt.

Auch bei den Ausgaben sieht Michaela Birkner mehr Potenzial: 32 Prozent der Tagesausflügler gaben an, während der Tour fünf bis zehn Euro auszugeben, im Schnitt lagen die Tagesausgaben bei 18,37 Euro. „Aber das liegt vielleicht auch am Angebot“, so ihre Einschätzung. „Die gastronomische Versorgung am Radweg könnte besser sein.“ Die Radwanderer geben über den Tag hinweg mehr aus: Hier liegt der Schnitt bei 60,52 Euro. „Die Untersuchung verdeutlicht, welche wichtige Rolle die Fahrradfahrer für die Wirtschaft in der Region“, fasst Michaela Birkner zusammen. „Besonders bei den Regioradlern gibt es Nachholbedarf.“