Aus dem Suppenkaspar wird bei Schönfelder eine -kasparine. Und wäre der ach so ungepflegte Struwwelpeter aus Heinrich Hoffmanns Geschichtensammlung eigentlich heutzutage nicht eher „cool“. So wie die Punker und Rocker mit ihren langen Haaren, mit ihrer gepflegten Ungepflegtheit.
Fritz Schönfelder, Gubenern als prägender Künstler in der Stadt in den 80er-Jahren bekannt, hat nicht nur Hoffmanns Geschichten in neuen Versionen zu Papier gebracht. Schönfelder, in diesem Sommer verstorben, hat auch einen Blick in die Märchen der Gebrüder Grimm geworfen. Und sie neu erzählt. Und kommentiert sie. Wie die Geschichte vom Mäuschen, vom Vögelchen und der Bratwurst.

Kunstverein Laterne veröffentlich Fritz Schönfelders Texte

Was, wenn Mutter und Tochter aus „Der süße Brei“ ins Zwiegespräch, in Verteidigungshaltung, in Zeugenaussage verfallen? Was bleibt von den Märchen, den Texten, die so viele Kindheiten geprägt haben?
Nach seinem Tode haben Schönfelders Texte ihren Platz in einer Publikation des Kunstvereins Laterne aus Chemnitz gefunden. Schönfelders Texte erzählen nicht von seinem Leben, seiner Zeit in Guben, seiner Rückkehr in die Geburtsstadt Chemnitz und die Aufnahme in die dortige Künstlerszene.
Sie erzählen völlig andere Geschichten, Geschichten, die zum Nachdenken anregen. Gespickt ist die Publikation mit Werken von dem Künstler, der mannigfaltig unterwegs war und in jedem Bereich seine eigene Handschrift verwirklichen konnte. Leicht sei er nicht gewesen, dafür aber ehrlich und sich selbst treu, so hat die Gubener Künstlerin und Schönfelder-Weggefährtin Sigrid Noack ihren Kollegen und Freund kurz nach dessen Tod beschrieben.
Und sie hat wärmsten Herzens den Textband „Spiegelverkehrt“ empfohlen. Den empfiehlt die Rundschau hiermit weiter.

Fritz Schönfelder. Spiegelverkehrt. Bekanntes neu gedacht. 2020: Kunstverein Laterne. Kontakt: laterne19jimdo.com; laterne19@freenet.de; Telefon: 0371 4019727