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Protest auf 50-mal zwei Rädern

Ein Bild mit Symbolkraft: Die Aktivisten auf Rädern stoppen für einen Zug des Tagebaubetreibers Leag.
Ein Bild mit Symbolkraft: Die Aktivisten auf Rädern stoppen für einen Zug des Tagebaubetreibers Leag. FOTO: zvg/Schauff
Groß Gastrose / Jänschwalde. Kurz gestolpert waren die Teilnehmer des Lausitzer Klima- und Energiecamps (Lausitzcamp) ganz zu Beginn ihrer einwöchigen Radtour durch die Lausitz. Eine geplante Blockade der Hauptzufahrt zur Leag-Zentrale in Cottbus war gescheitert, zuvor hatte es eine kurze Auseinandersetzung mit der Polizei gegeben. Daniel Schauff

Bisher der einzige Stolperer auf der Tour, sagt Lausitzcamp-Sprecherin Josephine Lauterbach. Auch vonseiten der Polizei gibt es keine Klagen - alles sei bislang störungsfrei und ruhig verlaufen.

Am Freitagmorgen sitzen rund 50 Kohlegegner auf dem Hof der ehemaligen Groß Gastroser Grundschule. In ein paar Minuten wollen sich die Klimaradler auf den Weg in Richtung Jänschwalde machen - über Grießen, Taubendorf und den Großsee. Was sind die Wünsche für heute Abend? Wie soll der geplante offene Gesprächsabend am Ziel gestaltet werden? Mit einer Diskussion über die Zukunft des Camps, schlagen einige Teilnehmer vor. Die Idee einer Radtour durch die brandenburgische und sächsische Lausitz sei gut, könnte fortgesetzt werden, sagen manche.

Die Premiere auf Drahteseln neigt sich bereits dem Ende entgegen. Von Cottbus ging es am Montag nach Proschim, von dort nach Schleife, Gosda bis nach Gubin und Groß Gastrose. Nach Jänschwalde endet die Tour am Samstag zurück in Cottbus.

Als besonders eindrücklich beschreibt Josephine Lauterbach die Besuche der Aktivisten in Mühlrose und Proschim. Während der Ortsteil der sächsischen Gemeinde Trebendorf dem Tagebau Nochten weichen wird, leben die Proschimer weiter in der Ungewissheit, ob ihr Dorf dem Tagebau Welzow-Süd II zum Opfer fallen wird. Erst 2020 will die Leag dort eine Entscheidung treffen.

Am Donnerstag hatten sich die Campteilnehmer in Gubin mit den polnischen Kohle-Widerständlern getroffen, um Erfahrungen auszutauschen. Während auf der einen Seite der Tagebau Jänschwalde-Nord vom Tisch ist, ist die Zukunft der Kohlevorkommen unter Gubin und Brody bislang nur vage vorhersehbar. Ein möglicher Tagebau Gubin-Brody hat bereits Kohlegegner auf den Plan gerufen.

Die Forderung der Lausitzcamper an die Landesregierungen, keine weiteren Tagebaue in Brandenburg und Sachsen zuzulassen, soll am Samstagmittag in Jänschwalde noch einmal Nachdruck verliehen bekommen. Um 13.30 Uhr ist ein "Protestbrunch" geplant, bei dem Aktivisten symbolisch die Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister beider Länder repräsentieren wollen, die nur verkohlte Produkte und braunes Spreewasser vorfinden.

Seit Beginn der Tour hat sich die Teilnehmerzahl verdoppelt. Vor allem der Feier- und der Brückentag hätten dafür gesorgt, dass noch mehr Aktivisten zum Camp gestoßen seien, sagt Josephine Lauterbach. Gestartet waren die Radler mit gut 20 Teilnehmern.