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| 17:04 Uhr

Projekt in Guben: Endlich raus aus Hartz IV
Neuer Mut für Langzeitarbeitslose

Im Rahmen des Handwerkprojekts stellen die Teilnehmer zusammen mit Anja Hummel und Alexander Knopf Dekoartikel her.
Im Rahmen des Handwerkprojekts stellen die Teilnehmer zusammen mit Anja Hummel und Alexander Knopf Dekoartikel her. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Guben. Die Integration auf dem Arbeitsmarkt steht beim Projekt „Unit 1“ nicht an erster Stelle. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Von gesundheitlichen Einschränkungen, über Schulden bis hin zu Alkohol- und Drogenabhängigkeiten – jeder Teilnehmer kommt mit einem Päckchen individueller Probleme zur GSM Training und Integration GmbH in Guben. Seit einem halben Jahr führen Anja Hummel und Alexandra Knopf hier in enger Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Spree-Neiße das Projekt „Unit 1“ für Langzeitarbeitslose durch. „Schwerpunkt des Coachings ist im ersten Schritt nicht die Integration in den Arbeitsmarkt“, erklärt Standortkoordinatorin Alexandra Knopf. Ziel der wöchentlichen Einzelgespräche und Gruppencoachings sei zunächst eine Stabilisierung der Teilnehmer. „Sie sollen wieder Selbstbewusstsein bekommen“, ergänzt Anja Hummel. Die Teilnehmer seien mindestens seit zwei Jahren, in der Regel aber oft schon seit zehn Jahren, arbeitslos: „In dieser Zeit hat sich natürlich eine schwere Problemlage gebildet.“

Grundlage der Maßnahme ist Freiwilligkeit. „Beim vorherigem Projekt wurden die Maßnahme über eine Ausschreibung zugewiesen“, erklärt Knopf. „Da sich die Teilnehmer nun aktiv für diese Maßnahme entscheiden, ist der Krankenstand fast auf null, und die Mitarbeit ist viel besser.“ Nach einer Absprache mit dem Betreuer im Jobcenter geht es für die Langzeitarbeitslosen zum ersten Gruppencoaching. „Am Anfang geht es um das Kennenlernen“, sagt Hummel. „Daher starten wir immer mit einem gemeinsamen Frühstück in den Tag.“ Doch bereits hier gibt es erste Hürden. „Viele kennen das so gar nicht mehr und haben Schwierigkeiten, mit den anderen Teilnehmern zu kommunizieren“, so Hummel weiter. Ansonsten würden die Gruppencoachings individuell ablaufen. „Wir arbeiten viel kreativ zusammen. Dabei kommt man besser ins Gespräch“, verrät Hummel. Ansonsten stünden Betriebsbesichtigungen, gemeinsames Kochen und Vorträge von Gästen auf dem Plan. „Wir laden auch die Sucht- und Schuldenberatung ein“, verrät Alexandra Knopf. Die Hemmschwelle, von sich aus auf diese Stellen zuzugehen, sei sonst oftmals zu groß. In den Einzelcoachings wird dann auf die individuellen Probleme eingegangen. „Es ist aber ein langer Weg, bis Vertrauen aufgebaut ist und die Teilnehmer sich öffnen“, erzählt Hummel.

„Gerade gegen Ende der Maßnahme, die in der Regel ein halbes Jahr dauert, wird es erst spannend“, weiß auch Knopf. Rund 30 Prozent der Teilnehmer würden nach der Maßnahme den ersten Schritt zurück auf den Arbeitsmarkt schaffen – sei es mit einem Praktikum, einer Ausbildung oder einem Minijob. „Allen Teilnehmern geht es nach dem Projekt aber besser als zu Beginn“, betonen beide Trainerinnen.