Von Thomas Engelhardt

Wie könnte der grenzüberschreitende Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) zwischen Guben und Gubin in Zukunft aussehen? Dieser Frage soll das Projekt GUB-E-BUS nachgehen. Am Dienstag wurde es in der Alten Färberei mit einer Konferenz offiziell eröffnet, seinen Abschluss soll es bereits in gut einem Jahr mit der Vorlage eines Maßnahmekatalogs finden.

Gubens Rathauschef Fred Mahro (CDU) machte zur Eröffnung deutlich, dass man bei allen strategischen Überlegungen Guben und Gubin als Einheit betrachten müsse, dass es stets nicht nur um einen halben Kreis mit 180 Grad, sondern um einen ganzen mit 360 Grad gehen müsse. Ziel müsse es sein, das Leben in der Doppelstadt attraktiver zu gestalten. Und dafür gebe es sehr gute Voraussetzungen.

Laut Projektkoordinator Tomasz Sandecki gehe es darum, den bereits jetzt vorhandenen grenzüberschreitenden ÖPNV weiter zu entwickeln. Themen, die dabei eine Rolle spielen sollen, werden die Linienoptimierung oder die Auswahl der passenden Fahrzeuge sein. Rechnen sich am Ende eher E-Busse oder doch Fahrzeuge mit Erdgasantrieb oder Brennstoffzellen?

Und auch ganz praktische Dinge sollen im Projektzeitraum realisiert werden. So ist der barrierefreie Umbau von fünf Bushaltestellen geplant – vier in Gubin und eine in Guben. Bei der Gubener handelt es sich um die Haltestelle an der Karl-Marx-Straße in Höhe des Neißecenters.

Eine weitere Maßnahme könnte die Etablierung eines gemeinsamen Guben-Gubiner Busbahnhofs sein. Und der könnte unter Umständen im Bereich des Gubener Bahnhofs entstehen. Und genau dieser Bahnhof spielt in den Überlegungen des Gubener Bürgermeisters eine tragende Rolle: Er soll unbedingt seine Funktion als Knotenpunkt entlang der Strecke von Cottbus nach Zielona Gora behalten.

Über den Ist-Stand, aber auch über die Schwierigkeiten, die bei der Umsetzung eines solchen Vorhabens zu bewältigen sind, berichtete Wolfram Heym, Niederlassungsleiter der DB Regio Ost. „Das ist eine komplexe Gemengelage“, so Heyms Fazit mit Blick auf die Einführung des grenzüberschreitenden Busverkehrs im Frühjahr 2018. „Guben und Gubin, das waren zwei ÖPNV-Netze, die separat nebeneinander existierten, ohne eine Verbindung zu haben.“ Die Vorbereitung habe sich als langwieriger Prozess gestaltet. So hätten vielfältige gemeinsame Vereinbarungen geschlossen werden müssen, ehe der erste Bus über die Neiße rollte. Aber auch steuerliche und rechtliche Fragen waren zu klären.

Inzwischen habe man sogar erste Ideen einer Fortschreibung des Konzeptes umgesetzt. So sei nicht nur die Buslinie nach beziehungsweise von Forst in das System integriert, sondern auch die Cottbuser Linie.

In der letzten Augustwoche seien nun auch die Fahrgäste gezählt worden, die in Gubin aus den grenzüberschreitenden Bussen aus- beziehungsweise in diese eingestiegen seien. 62 Aussteigern standen von Montag bis Freitag 42 Einsteiger gegenüber. „Das hört sich im ersten Moment nicht viel an, zeigt aber, dass es einen grundsätzlichen Bedarf gibt“, so Heym.

Die Fahrgastzahlen könnten auch noch zunehmen, wenn der Verkehr optimiert werde, ist sich der Fachmann sicher. Derzeit gebe es zum Beispiel noch größere Lücken im grenzüberschreitenden Verkehr. Die entstünden, wenn keine Busse zur Verfügung stünden, weil der Schülerverkehr abgewickelt werden müsse.

All das soll nun im GUB-E-BUS-Projekt untersucht werden. Dafür steht ein Gesamtbudget von rund 612 000 Euro zur Verfügung, von denen rund 520 000 Euro Fördergelder sind.