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Possenkaiser statt Apfelkönig?

Marko Steidel präsentiert sich mit einer Schale Äpfel.
Marko Steidel präsentiert sich mit einer Schale Äpfel. FOTO: dpa
Guben. Marko Steidel kam, sah und verlor die Wahl zur Gubener Apfelmajestät. Am heutigen Dienstag steht er vor Gericht – als Kläger. Er will die Krone. D. Schauff und A. Ringle

Eins muss man Marko Steidel neidlos zugestehen: Innerhalb nicht einmal eines Jahres berühmt zu werden, ist kein einfaches Unterfangen. Mittlerweile kennt man Gubens verhinderten Apfelkönig auch weit über die Grenzen der Lausitz hinweg, nachdem die überregionalen Medien auf die Provinzposse an der Neiße aufmerksam geworden sind.

Am Dienstag, 22. August, steuert die unrühmliche Episode in der Geschichte des Gubener Appelfestes ihrem vorläufigen Höhepunkt entgegen - das Amtsgericht muss sich mit der Frage beschäftigen, ob bei der Majestätenwahl 2016 alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Zunächst, das teilt Gerichtssprecher Michael Höhr mit, geht es "nur" um die Wahl im vergangenen Jahr und die aktuellen Aufgaben der amtierenden Apfelkönigin Antonia Lieske. Steidel will, dass die Wahl für ungültig erklärt wird. Außerdem soll Antonia Lieske nicht mehr öffentlich als Apfelkönigin auftreten dürfen. Das wird sie ohnehin nicht mehr allzu oft. Am 10. September wird beim Appelfest eine neue Apfelmajestät in Guben gewählt. Steidel hat sich beworben, der ausrichtende Gubener Marketing- und Tourismusverein (MuT) hat ihn von der Wahl ausgeschlossen, wie alle Personen, die im vergangenen Jahr juristisch gegen den Verein vorgegangen sind. Steidel ist der einzige. Auch dagegen hat Steidel geklagt, will außerdem Schadenersatz in Höhe von 20 000 Euro vom MuT. Mit dem Fall wird sich irgendwann das Landgericht Cottbus beschäftigen. Einen Prozesstermin gibt es noch nicht. Eine einstweilige Verfügung Steidels, mit der er die kurzfristige Zulassung zur diesjährigen Wahl erwirken wollte, war vor dem Amtsgericht erfolglos. Steidels Beschwerde gegen die Entscheidung wies daraufhin das Landgericht kostenpflichtig zurück. Steidels Anspruch auf die Teilnahme an der diesjährigen Wahl konnte das Gericht nicht erkennen.

Steidel macht dennoch weiter und lässt sich nicht beirren. Ja, ein wenig aufgeregt sei er schon am Tag vor dem Prozess, sagt er am Montag der RUNDSCHAU und kündigt gleich im Nebensatz an: "Wenn der Richter für den MuT entscheidet, werde ich Berufung einlegen." Den Medienrummel sehe er derzeit ganz gelassen, sagt der 42-Jährige. Nur, dass eine Zeitung geschrieben habe, er sei arbeitslos, will Steidel nicht auf sich sitzen lassen. Er verdiene sein Geld als Trödelhändler, sagt er. Geschenkt kriege er nichts.

So richtig klar ist bislang nicht, warum Steidel bis vor Gericht geht, um die Apfelkrone irgendwann zu tragen. "Man kommt rum", sagt Steidel zur Motivation, Apfelkönig zu werden.

Dem MuT treiben derweil die anstehenden Verhandlungen Sorgenfalten ins Gesicht - weniger, weil der Vereinsvorstand tatsächlich eine Niederlage befürchtet, sondern vielmehr wegen der Kosten, die so oder so auf den MuT zukommen. Am Landgericht herrscht Anwaltspflicht, die Prozesskosten belaufen sich laut MuT für die beiden Verfahren an Amts- und Landgericht auf rund 1500 Euro. "Der MuT ist für die Realisierung seiner Vereinsarbeit auf jeden Euro dringend angewiesen", schreibt der Vorstand in einer seltenen offiziellen Stellungnahme zum Fall Steidel. Verliert der verhinderte Apfelkönig, kriegt der MuT das Geld zurück. Die Frage ist nur: wann?

Steidel scheint das wenig zu kümmern. In einem Brief an die LAUSITZER RUNDSCHAU kündigte Steidel sogar an, einen Antrag auf Sicherung und Pfändung des MuT-Kontos beim Amtsgericht beantragt zu haben, damit der Verein in der Lage ist, bei Erfolg seiner Klagen den Schadenersatz tatsächlich zu zahlen. Damit, so Steidel, stelle sich die Frage, ob es in Guben künftig überhaupt noch Appelfeste geben werde.

Die Befürchtung des MuT, aufgrund der Querelen rund um die letzte Wahl würde jedem potenziellen Bewerber die Lust aufs Amt vergehen, hat sich nicht bewahrheitet. Zwei Bewerber haben sich gefunden, Lydia Günther aus Guben und Steffen Heese aus Schenkendöbern. Auch Antonia Lieske hat sich die Freude am Amt nicht nehmen lassen. "Dieses Wohinfahren, irgendwas darstellen, etwas repräsentieren - das macht mir unheimlich Spaß", sagt sie. Dennoch: Auf Messen sei sie angesprochen worden auf den Streit mit Steidel. Bei dem hat sich gerade ein deutscher Privat-TV-Sender für heute angekündigt. "Ich denke, da werden noch mehr kommen", sagt Steidel über die Gerichtsverhandlung.