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| 02:36 Uhr

Polnischer Energiekonzern in Guben

"Tagebau nein": Das steht auf polnisch auf diesem Plakat von Teilnehmern am neunten Sternmarsch am Sonntagnachmittag. Zur Informationsveranstaltung über den geplanten polnischen Tagebau Gubin-Brody werden Vertreter des Warschauer Energiekonzerns PGE erwartet.
"Tagebau nein": Das steht auf polnisch auf diesem Plakat von Teilnehmern am neunten Sternmarsch am Sonntagnachmittag. Zur Informationsveranstaltung über den geplanten polnischen Tagebau Gubin-Brody werden Vertreter des Warschauer Energiekonzerns PGE erwartet. FOTO: dpa
Guben. 17 Millionen Tonnen jährlich, ab 2025: So viel Braunkohle soll nach den Plänen des polnischen Energiekonzerns PGE im Tagebau Gubin-Brody gefördert werden. In Guben treffen die Vertreter des Konzerns auf Tagebau-Gegner. Anne Nicolay-Guckland

Umweltverträglichkeitsprüfung und allgemein verständliche nichttechnische Zusammenfassung konnten inzwischen studiert werden, doch einen tieferen Einblick in die Planungen und vor allem eine Diskussion, auf die hoffen am heutigen Dienstag Gegner und Befürworter des Tagebaus Gubin-Brody bei der Informationsveranstaltung zum Tagebau in der Alten Färberei in Guben.

Ab 2025 soll nur wenige Hundert Meter östlich der Neiße Braunkohle gefördert und verstromt werden. "Guben ist zwar weiter weg vom Tagebau, als andere Ortschaften, aber nach heutigen Planungen wäre das neue Kraftwerk, in dem die Kohle verstromt werden soll, nur etwa drei Kilometer Luftlinie von der Stadt entfernt und damit gut sichtbar", erklärt Andreas Stahlberg. Er ist in der Gemeindeverwaltung Schenkendöbern für bergbaubedingte Sonderaufgaben zuständig und beschäftigt sich seit der Auslegung mit den aus Polen vorgelegten Unterlagen. Es gebe noch einige Unklarheiten und auch Mängel im Bericht.

"Unklar ist etwa, ob das Gubener Industriegebiet und damit auch Trevira, bei der Wasserversorgung beeinträchtigt wird", erklärt Stahlberg. Auch eine Überprüfung, ob die Grundwasserabsenkungen Auswirkungen auf die Neiße haben könnten, wurde bisher ausgeklammert. "Der Untersuchungsraum endet an der Neiße auf polnischer Seite, ich habe da aber meine Zweifel, ob dies tatsächlich so ist", formuliert Stahlberg die Bedenken. Für die Gemeinde Schenkendöbern erarbeitet er gerade die Einwendung, die mindestens 20 Seiten umfassen wird. Die Gemeinde lehnt die polnischen Tagebaupläne ab.

Die Ablehnung der Pläne auf polnischer und deutscher Seite wurde beim Sternmarsch von Atterwasch, Grabko und Kerkwitz am Wochenende deutlich. "Kopalnia Nie" (dt. "Tagebau nein") stand da etwa auf einem Plakat geschrieben. "Die Vielfalt der Beteiligung auf dem diesjährigen Sternmarsch war sehr gut", erklärt René Schuster von der grünen Liga, die den Sternmarsch mit organisiert.

Überwältigend war in diesem Jahr der Andrang am Informationsstand der Grünen Liga. "Es gab lange Schlangen und die vorbereiteten Musterbriefe, mit denen man seine Einwände gegen den neuen Tagebau bei den polnischen Behörden vorbringen kann, sind ausgegangen." Schuster wird bei der heutigen Veranstaltung in Guben dabei sein, Musterbriefe bereithalten und Einwendungen entgegen nehmen, um sie dann gesammelt an die polnischen Behörden zu übergeben.

Informationsveranstaltung zum geplanten Tagebau Gubin-Brody, am heutigen Dienstag, 5. Januar 2016, 18 Uhr, Alte Färberei am Gubener Rathaus. Mit Andreas Stahlberg, Mitarbeiter für Bergbaufragen der Gemeinde Schenkendöbern, Gubens amtierendem Bürgermeister Fred Mahro und mehreren Vertretern des polnischen Energiekonzerns PGE.

Informationen der Grünen Liga, inklusive Musterbrief: bit.ly/1n0kXKY Unterlagen der Umweltverträglichkeitsprüfung im Internet, auf deutsch und polnisch: bit.ly/1Z1H3ss

Zum Thema:
Investor für Tagebau und Kraftwerk Gubin-Brody soll der polnische Energiekonzern PGE werden. Die Aktienmehrheit des Konzerns mit Sitz in Warschau befindet sich in staatlichem Besitz. Das polnische Energieversorgungsunternehmen bemüht sich bereits intensiv um die Abbaukonzession im geplanten Tagebau. Das 1990 gegründete Unternehmen beschäftigt derzeit etwa 46 000 Mitarbeiter und ist nach eigenen Angaben Polens größter Energie-Konzern.