| 06:15 Uhr

Guben
Es gilt das Prinzip Hoffnung

Während auf deutscher Seite die Planungen für die Erweiterung des Tagebaus Jänschwalde nach Norden schon beerdigt wurden, ist auf polnischer Seite noch alles offen. Der Tagebau Gubin-Brody würde über Jahrzehnte entlang der Neiße zwischen Guben und Forst verlaufen.
Während auf deutscher Seite die Planungen für die Erweiterung des Tagebaus Jänschwalde nach Norden schon beerdigt wurden, ist auf polnischer Seite noch alles offen. Der Tagebau Gubin-Brody würde über Jahrzehnte entlang der Neiße zwischen Guben und Forst verlaufen. FOTO: Katrin Janetzko / LR
Guben. Polnische Kohlegegner hoffen, dass der Tagebau Gubin-Brody scheitert. Und sehen gute Anzeichen.

Für Anna Dziadek von der polnischen Bürgerinitiative „Tagebaue Nein“ hat das neue Jahr mit der Abschaltung des Braunkohlekraftwerkes in Adamów (südlich von Warschau) ausgesprochen gut begonnen. Die Kohlegegnerin ist felsenfest davon überzeugt, dass auch der Tagebau Gubin-Brody nicht kommt, wie sie auf der Pressekonferenz am Mittwoch in Gubin betont. Gegen die Kohlegrube will die Bürgerinitiative weiter kämpfen. Dabei hofft sie auf Unterstützung von deutscher Seite.

„PGE hat kein Geld“, begründet Dziadek ihre Meinung. Sie habe sich die Zahlen des Konzerns, dessen Aktienmehrheit in staatlichem Besitz ist, angeschaut, wie sie sagt. „Überall Minus, nur bei den Krediten ist ein Plus verzeichnet“, betont sie. Dziadek glaubt, dass PGE bereits durch die geplante Erweiterung des Steinkohlekraftwerkes in Opole im Südwesten des Landes finanziell überfordert sei.

Erst vor wenigen Tage hatte die Polska Grupa Energetyczna (PGE) als Investor vor dem Sejmik in Zielona Gora (Grünberg) angekündigt, die noch ausstehenden Unterlagen für das Genehmigungsverfahren im kommenden Jahr nachreichen zu wollen. Bis Ende Juli 2019 hat das Unternehmen dafür Zeit. Der Raumordnungsplan könnte dann bis Ende 2019 geändert werden, wie Andreas Stahlberg von der Gemeindeverwaltung Schenkendöbern bereits beim Protestmarsch nach Taubendorf am vergangenen Wochenende informierte.

Ob der Tagebau Gubin-Brody aber tatsächlich kommt, ist selbst für Experten schwer einzuschätzen. Das Genehmigungsverfahren liegt bereits seit August 2016 wegen der fehlenden Unterlagen auf Eis. Mehr als 1000 Einwendungen hat es damals allein von Bürgern, Städten und Kommunen auf deutscher Seite im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung gegeben. Die Woiwoidschaft Lubuskie hatte die Lagerstätten südlich von Gubin allerdings in ihrem neuen Raumordnungsplan als „für die Volkswirtschaft von strategischer Bedeutung ausgewiesen“.

„Polen ist ein Land, das auf Kohle setzt“, betont Radoslaw Gawlik, Präsident der ökologischen Vereinigung EKO-UNIA. Der 60-Jährige war bis 2013 einer der Vorsitzenden der Partei der Grünen in Polen und von 1997 bis 2001 stellvertretender Umweltminister. Seinen Angaben zufolge subventioniert der polnische Staat die Kohleindustrie mit  einem jährlichen Zuschuss von neun Milliarden Zloty (2,5 Milliarden Euro). „Allerdings gibt es keine klare Tendenz in der Kohlepolitik. Jeder Minister hat neue Vorschläge“, erklärt Gawlik die wenig berechenbare Energiepolitik in Polen. Grundsätzlich bestehe die neue Regierung aber weiterhin auf dem Abbau von Braun- und Steinkohle. Ein Großteil der Bevölkerung stehe dem jedoch mittlerweile skeptisch gegenüber, meint Gawlik. Oftmals ins Spiel gebracht werde auch der Bau von ein oder zwei neuen Atomkraftwerken in Polen.

Aktuell deckt das Nachbarland rund 80 Prozent seines Energiebedarfes durch die Kohleverbrennung. Der Anteil der erneuerbaren Energien liegt bei lediglich elf Prozent, sagt der Umweltaktivist. Bis zum Jahr 2020 sollen es 15 Prozent werden. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Anteil der erneuerbaren Energien im Vorjahr bereits bei 38,5 Prozent, wie Thomas Burchhardt von der Klinger Runde informiert.

Bis zu einer Milliarde Tonnen Braunkohle sollen laut polnischen Behörden im Gebiet rund um Gubin liegen. Den ursprünglichen Plänen zufolge will PGE ab dem Jahr 2025 hier jährlich 17 Millionen Tonnen Braunkohle aus der Erde holen. Insgesamt 53 Jahre soll der Bergbau inklusive Vorbereitungszeit laufen. Rund ein Dutzend Dörfer und Siedlungen auf polnischer Seite müssten dafür umgesiedelt werden. 3000 Menschen wären Experten zufolge betroffen.