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| 17:23 Uhr

Polen bremsen Gubener Wohnungsrückbau

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Guben. Rund 2350 Gubener Wohnungen müssen voraussichtlich noch bis zum Jahr 2030 in Guben abgerissen werden. So sieht es die neue Stadtumbaustrategie vor, die jetzt erstmals öffentlich präsentiert wurde. Silke Halpick

Das sind fast 1000 weniger als noch vor fünf Jahren prognostiziert. Experten sehen vor allem im Zuzug junger polnischer Familien eine Chance für die Stadt.

"Die Gubiner Bevölkerung ist deutlich jünger und schrumpft nicht so stark", sagt Roland Fröhlich von der Brandenburgischen Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung (B.B.S.M.) mbH. Und vor allem: Es ziehen immer mehr von ihnen in den deutschen Teil der Doppelstadt, vor allem junge Fachkräfte mit ihren Kindern. Aktuell leben bereits 643 Polen in Guben, bis 2030 kann diese Zahl auf 1177 steigen - für Guben ist das eine nicht unbedeutende Zahl.

Denn die Stadt an der Neiße schrumpft weiter. Aktuellen Prognosen zufolge werden in der Neißestadt bis zum Jahr 2035 nur noch zwischen 13 670 und 11 299 Einwohner leben. Das eine Szenario ist mit Flüchtlingen gerechnet, das andere ohne. "Die demografische Entwicklung wird durch die Zuwanderung abgeschwächt, aber nicht aufgehalten", sagt Fröhlich. Heute gibt es 18 000 Gubener, rund 40 Prozent von ihnen sind aber bereits älter als 60 Jahre.

Das wirkt sich auch auf den Wohnungsmarkt aus. Bis zum Jahr 2030 wird es einen Überhang von 2350 Wohnungen geben. In der letzten Stadtumbaustrategie war noch von 3300 Wohnungen die Rede, die abgerissen werden sollen. Mittlerweile wird Guben aber eine "Mobilitätsreserve" zugebilligt. "Zehn Prozent Leerstand sind gerechtfertigt", sagt Fröhlich. Mit einer Quote von nur drei Prozent könnten die Wohnungsunternehmen nicht flexibel genug auf die Wünsche der Mieter reagieren, begründet er.

Von den Abrissplänen besonders betroffen sind die Neubaugebiete in der Obersprucke. Allein 1450 Wohnungen sollen in den Wohnkomplexen (WK) II und IV wegfallen. "Wichtig ist ein verlässlicher und sozial verträglicher Rückbauprozess", sagt Fröhlich. Grundsätzlich sollen Stilllegungen und Abriss von oben nach unten sowie von außen nach innen erfolgen. Innerhalb des ausgewiesenen Umstrukturierungsgebietes liegen beispielsweise auch die vier Blöcke in der Leonhard-Frank-Straße, die bereits Ende nächsten Jahres abgerissen werden sollen. Weitere Rückbauten sind vonseiten der Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo) geplant, die Adressen werden aber noch nicht bekanntgegeben.

Auf Aufwertung wird hingegen in der Altstadt-West und derAltstadt-Ost gesetzt. Hier gibt es viele Altbauten aus den 50er-Jahren, die teilweise unter Denkmalschutz stehen und unsaniert sind. Aktiviert werden sollen aber auch leerstehende Objekte wie die Fischfabrik, das Gefängnis und das Gebäude D.

Als Schwerpunkt gilt die Sanierung des Klimaquartiers Hegelstraße. In dem Bereich rund um die ehemalige Wilhelm-Pieck-Schule und das Ex-Filmtheater Friedensgrenze leben rund 700 Menschen. Durch energetische Sanierung sowie dem Aufbau eines Nahwärmenetzes soll der Kohlendioxidausstoß um mehr als 30 Prozent gsenkt werden. Die Stadt rechnet mit Kosten von zehn Millionen Euro - und hofft auf Fördermittel.

Zum Thema:
Rund sieben Millionen Euro hat die Stadt Guben seit dem Jahr 2009 in den Rückbau leer stehender Häuser investiert. 2510 Wohnungen mit insgesamt 140 000 Quadratmetern Wohnfläche sind seitdem abgerissen worden. Die Stadtumbaustrategie aus dem Jahr 2012 wird nun fortgeschrieben. Den Entwurf haben jetzt alle Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung erhalten. Bis Ende Juli können sie Stellung beziehen. Ab dem 31. August soll mit der Abwägungsrunde im Wirtschaftsausschuss begonnen werden.