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| 02:35 Uhr

Pokal für Ausnahme-Vereinschef

Dirk Fischer spielt hin und wieder Billard in seiner Freizeit, sofern ihm das seine Zeit erlaubt. Der 53-Jährige ist Vereinschef des ESV Lok Guben.
Dirk Fischer spielt hin und wieder Billard in seiner Freizeit, sofern ihm das seine Zeit erlaubt. Der 53-Jährige ist Vereinschef des ESV Lok Guben. FOTO: ZVG
Guben. Dirk Fischer ist für viele Gubener ein Macher: Der 53-Jährige leitet drei Autohäuser in der Region, hat als Vorsitzender den ESV Lok Guben vorangebracht und sogar Stars wie De Randfichten oder Alexander Knappe auf den Sportplatz geholt. Der Lohn für sein außergewöhnliches Engagement ist nun der Pokal "Bester Ehrenamtler des Jahres 2016". Silke Halpick

"Vollkommen berechtigt" habe Fischer den Preis bekommen - das findet zumindest Roberto Strauch, Leiter der Abteilung Tischtennis beim ESV Lok Guben. "Er lebt für den Sport, für den Verein und er hat einen guten Draht zu den Mitgliedern", begründet er. Nominiert wurde Fischer vom Vorstand. Gegen drei weitere Mitbewerber konnte er sich letztlich durchsetzen und die Siegertrophäe nach Hause holen

Für Dirk Fischer selbst kam die Auszeichnung "überraschend", wie er zugibt. Er sieht den Pokal als "Anerkennung für die geleistete Arbeit" - und freut sich ehrlich darüber. "Tue Gutes und Rede darüber", der Satz des bereits verstorbenen deutschen Politikers Walter Fisch ist auch sein Leitmotiv. "Ich will den Verein ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken", begründet er.

Das ist ihm in seinen sechs Jahren als Vereinschef schon ganz gut gelungen. Für viele Gubener hat die vom ESV organisierte Walpurgisnacht auf dem Lok-Platz Kultstatus. Sogar De Randfichten und Alexander Knappe traten schon auf. Eine Erfolgsgeschichte ist auch das Oktoberfest. Mittlerweile haben auch andere Veranstalter das Potenzial des Platzes erkannt. So sollen im September die DDR-Band Karat sowie das DJ-Duo "Gestört aber geil" hier spielen.

Die Liebe zum Fußball hat Dirk Fischer im Jahr 1986 zum ESV Lok gebracht. "Ich war nicht gut genug für Chemie Guben", erzählt er heute schmunzelnd. Die Mannschaft des Chemiefaserwerkes spielte in der DDR-Liga. Lok schaffte es immerhin bis in die Bezirksklasse. Doch nach der Wende wurde aus den Fußballabteilungen des SV Chemie und des ESV Lok Guben der 1. FC Guben. Fischer selbst blieb bei Lok, weil ihm der Verein "zur Heimat wurde".

Bis zu 20 Stunden pro Woche verbringt der Vereinschef noch immer auf dem Sportplatz, obwohl er selbst nur noch hin und wieder Billard spielt. Doch er weiß, dass seine Anwesenheit von den Vereinsmitgliedern "sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen wird", wie er sagt. Viele schätzen ihn, weil er den Kontakt "auf Augenhöhe" hält. Fischer ist es auch gelungen, die Abteilungen des Vereins wieder stärker zusammenzubringen.

"Was wir machen, machen wir zusammen", betont er. Bestes Beispiel dafür ist das "Lok-Buch", dessen vierte Ausgabe bereits in Arbeit ist. In dem knapp 30-seitigen Heft mit einer Auflage von 300 Exemplaren finden sich die aktiven Sportler samt all ihrer Saisonspiele wieder. Mit diesem Projekt hat der Verein sogar Chancen beim Breitensportwettbewerb "Sterne des Sports".

Rund 200 Mitglieder in vier Abteilungen hat der ESV Lok Guben. Für Furore sorgten die Billardkegler erst im Juni, als sie die Deutschen Meisterschaft in Guben ausrichteten. Vereinskegler Tim Kappel ist Brandenburgs Jugendmeister. Die Tischtennisspieler sind mit acht Mannschaften im Spielbetrieb. Die Fußballerinnen haben ein Mädchenteam, das ausschließlich gegen Jungsmannschaften antritt.

Zum Thema:
Die Stadt Guben kürt im Rahmen des Frühlingsfestes die besten Sportler und Nachwuchsathleten. Alle Vereine können im Vorfeld ihre Vorschläge einreichen, eine Fachjury trifft die Entscheidung. Preise gibt es auch für die Ehrenamtler. "Die Sportler heimsen die Erfolge ein, die Ehrenamtler arbeiten im Hintergrund", begründet Simone Liese von der Stadtverwaltung.