| 17:02 Uhr

Podiumsdiskussion
Nachwuchs löchert Kandidaten

In der Podiumsdiskussion am Montag stellten sich die vier Bürgermeisterkandidaten den Fragen der rund 50 Kinder und Jugendlichen.
In der Podiumsdiskussion am Montag stellten sich die vier Bürgermeisterkandidaten den Fragen der rund 50 Kinder und Jugendlichen. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Guben. Zur Podiumsdiskussion des Kinder- und Jugendbeirat kamen rund 50 Schüler aus Guben.

Was wäre ihre erste Amtshandlung als Bürgermeister? Was stört Sie in der Stadt am meisten? Und was würden Sie für das Freizeitangebot in Guben tun? Das sind nur drei der zahlreichen Fragen, denen sich die vier Bürgermeisterkandidaten der Stadt Guben am Montag stellen mussten. Rund 50 Schüler aus allen vier Schulen der Stadt kamen zur Podiumsdiskussion des Kinder- und Jugendbeirats. „Es ist sehr gut gelaufen. Die Beteiligung aus dem Publikum war hoch“, so das Resümee von Franz Weider, dem Vorsitzenden des Kinder- und Jugendbeirats. „Wir hatten natürlich auch Fragen vorbereitet, aber auf die mussten wir gar nicht zurückgreifen.“ Beim Kinder- und Jugendbeirat ist es mittlerweile schon zur Tradition geworden, vor Wahlen eine Diskussion speziell für Erst-Wähler durchzuführen: „Wir wollen den Kindern und Jugendlichen in Guben Politik nahebringen und ihnen zeigen, dass sie hier etwas bewirken können.“

Los ging es mit der Frage zur Motivation der Kandidaten: Der parteilose Harald Knoll möchte in Guben gerne „etwas bewegen“ und Fred Mahro (CDU) findet, dass er nach sieben Jahren als amtierender Bürgermeister „genug Erfahrung gesammelt“ hat und nun „bereit“ ist für das Amt. Daniel Münschke (AfD) tritt an, weil er den anhaltenden Wegzug in Guben bekämpfen und neue Perspektiven schaffen will. Der parteilose Peter Stephan sieht seine Motivation hingegen im Publikum: „Die Kinder und Jugendlichen dieser Stadt sind mein Antrieb.“

Eila wollte von den Anwärtern gerne wissen, was sie nach dem Amtsantritt als erstes durchsetzen wollen. Für Fred Mahro würde sich im Falle seiner Wahl im ersten Moment nicht viel ändern - er würde weiterarbeiten. „Ab Mai beginnen wir mit dem Umbau der Friedensschule“, so der amtierende Bürgermeister. Er wünscht sich, eine „neue Ausrichtung für das Objekt in der Mittelstraße“. Daniel Münschke will im Falle seiner Wahl ein Jugendkulturkonzept auf den Weg bringen. Außerdem spricht er sich für eine Vollzeitstelle in jeder Schule aus, die als Ansprechpartner für die Schüler vor Ort ist. Peter Stephan will grundsätzlich etwas ändern: „Das Prinzip, wie man von Rathaus aus regiert, muss sich ändern.“ Harald Knoll will hingegen direkt Beginn einen Blick auf den Schuldenabbau werfen und das Stadtumbaukonzept analysieren.

Zu Spannungen unter den Kandidaten kam es bei der Frage, mit welchen Maßnahmen Asylbewerber integrieren werden wollen. Fred Mahro sprach hierbei für Guben und auch allgemein von einer rückläufigen Zahl bei den Flüchtlingen. Daniel Münschke unterstellte ihm in diesem Punkt Unehrlichkeit. Die Zahlen seien nicht rückläufig, noch immer würden jeden Monat 15 000 Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Doch der aktuelle Bericht des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge widersprich Münschke. Demnach wurden im Februar 10 760 Erstanträge entgegengenommen. Gegenüber dem Vormonat sank dieser Wert um 16,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist sogar ein Rückgang um 28 Prozent zu verzeichnen. In Guben waren im Februar 470 Geflüchtete gemeldet, im Vorjahr waren es 530.

Zum Schluss wollte der Kinder- und Jugendbeirat von den Kandidaten wissen: „Warum sollten wir nun gerade Sie wählen?“. „Ich weiß, was es bedeutet Bürgermeister dieser Stadt zu sein und kann mich den Herausforderungen stellen“, so Fred Mahro. „Ich bin angetreten, um die liberale Handschrift, die der Stadt in der Vergangenheit gut getan hat, wieder aufzunehmen“, erklärt Harald Knoll. Daniel Münschke sieht einen Generationenwechsel an der Zeit. „Als jüngster Kandidat bin ich dafür die beste Wahl. Außerdem bin ich überzeugt, als Außenstehender mit einem anderen Blickwinkel in die Thematik einsteigen zu können.“ „Ein Bürgermeister sollte aus der Mitte der Bürgerschaft stammen“, findet weiterhin Peter Stephan. „Ich kenne die Menschen in Guben, höre gut zu und werde die Stadt den Bürgern zurückgeben.“

(Michèle-Cathrin Zeidler)