| 02:36 Uhr

Pinnower See geht Wasser aus

Der Pinnower See im Jahr 2007. An einigen Stellen verlandet der See so stark, dass befürchtet wird, es könnte zu einer Dreiteilung kommen.
Der Pinnower See im Jahr 2007. An einigen Stellen verlandet der See so stark, dass befürchtet wird, es könnte zu einer Dreiteilung kommen. FOTO: FOTO Werner /rww1
Pinnow. Der Pinnower See am südlichen Rand des Naturparkes Schlaubetal schrumpft seit Jahren. Stege, die zu DDR-Zeiten noch direkt ins Wasser führten, enden jetzt auf dem Trockenen. Silke Halpick

Fast vollständig versandet ist auch der Durchfluss zwischen dem Nordkessel und dem Restsee. Die Anwohner fordern rasche Maßnahmen, damit dem See nicht gänzlich das Wasser ausgeht.

Um knapp 1,5 Meter ist der Wasserspiegel des Pinnower Sees gesunken. Das bestätigt Andreas Stahlberg von der Gemeindeverwaltung in Schenkendöbern. Er sitzt vor seinem Computer und deutet auf die mal leicht ansteigende, aber in der Gesamttendenz sinkende Kurve. Im Jahr 1998 lag der Pinnower See noch 64,6 Meter über dem Meeresspiegel. 2015 waren es nur noch 63,9 Meter. Als eine Hauptursache gilt die "negative klimatische Wasserbilanz", wie das der Fachmann sagt. "Es fällt weniger Niederschlag, als Wasser verdunstet", erklärt Stahlberg.

"Brandenburg ist ein trockenes Land", sagt auch Kurt Augustin, Abteilungsleiter für Wasserwirtschaft beim Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft. Die letzten drei Jahre seien besonders trocken gewesen. Wasserprobleme gebe es nicht nur in der Gemeinde Schenkendöbern, sondern beispielsweise auch am Straussee bei Strausberg (Märkisch Oderland) oder am Redernswalder See in der Schorfheide.

Dass der Tagebau Jänschwalde verantwortlich für den Wasserverlust ist, glaubt Augustin nicht. "Dafür gibt es keine klaren Hinweise", begründet er. Auch ein Gutachten des Landkreises Spree-Neiße, das bereits 2006/07 die hydrologischen Bedingungen am See unter die Lupe nahm, kommt zu keinen derartigen Rückschlüssen. Stattdessen wird auf weitere natürliche Ursachen wie die stärker gewachsenen Kiefernforste verwiesen.

Mittlerweile ist jedoch der Tagebau Jänschwalde weiter in Richtung Norden gewandert. Die Einwohner von Taubendorf, Grabko und Bärenklau erhalten vom Tagebaubetreiber Leag eine freiwillige Gießwasserbegünstigung gezahlt, weil sie von der für die Braunkohleförderung nötigen Absenkung des Grundwassers direkt betroffen sind.

Wie weit die Grundwasserbeeinflussung tatsächlich reicht, ist derzeit nicht sicher zu sagen. Der nahe gelegene Pastlingsee stand im Sommer 2015 kurz vor dem Kollaps. Tausende tote Fische mussten geborgen werden. Bis heute hat er sich nicht wirklich erholt, trotz zusätzlicher Wassereinleitungen.

"Bevor wir Maßnahmen gegen den Wasserverlust am Pinnower See ergreifen, müssen wir auch laut Aussage des Landesumweltamtes den Ursachen auf den Grund gehen sowie die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen prüfen", sagt Stahlberg. Die Gemeinde Schenkendöbern sei sich ihrer Verantwortung bewusst, befürchte aber Schäden für die Naturschutzgebiete. Die Gemeinde hat eigenen Angaben zufolge jetzt einen Förderantrag gestellt, mit dessen Hilfe weitere Daten ermittelt werden sollen. Mit Ergebnissen ist Ende 2018 zu rechnen. Das dauert den betroffenen Bungalow-Besitzern zu lange. Die vorliegenden Daten seien aussagekräftig genug, heißt es vonseiten der Siedlergemeinschaften. Schon jetzt sei der See zweigeteilt, eine weitere Zersplitterung in drei Gewässer wird befürchtet.

Das Einleiten von Wasser lehnt Kurt Augustin vom Umweltministerium jedoch ab. Wenn das das Land Brandenburg bei jedem See machen würde, wäre es bald "bankrott", sagt er. Zudem fehle das entnommene Grundwasser an anderer Stelle. Nur kurzfristige Erfolge verspricht sich auch Andreas Stahlberg von einer solchen Maßnahme. Aufgrund der negativen klimatischen Wasserbilanz würde die zusätzliche Wassereinleitung den Seekörper vergrößern und dadurch die Verdunstung sowie den unterirdischen Abfluss verstärken.

Zum Thema:
Eine Machbarkeitsstudie, bei der Maßnahmen zur Stützung des Wasserhaushaltes am Pinnower See untersucht werden, befürwortet auch der Landkreis Spree-Neiße. Bereits Anfang des Jahres sei der Landkreis vom Landesumweltamt aufgefordert worden, eine Stellungnahme abzugeben.Die Gemeinde Schenkendöbern ist eigenen Angaben zufolge mit den am Pinnower See ansässigen sechs Siedlergemeinschaften, einem Tauchclub und einem Angelverein im Gespräch, um über aktuelle Entwicklungen zu informieren.