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| 16:46 Uhr

Guben
Pinnower fordern mehr Zahlen

Kurt Augustin (l.) vom Umweltministerium zeigt auf die steile Kurve, die den Grundwasserrückgang der Ortsteile seit dem Jahr 2010 zeigt. Steffen Krautz hält die Grafik.
Kurt Augustin (l.) vom Umweltministerium zeigt auf die steile Kurve, die den Grundwasserrückgang der Ortsteile seit dem Jahr 2010 zeigt. Steffen Krautz hält die Grafik. FOTO: Roswitha Werner
Pinnow. „LR vor Ort“: Mangelnde Transparenz zu Wasserverlust an Seen der Gubener Region kritisiert. Von Silke Halpick

Die Offenlegung aller Zahlen und Fakten zum Wasserverlust an den Seen der Gubener Region fordern die Pinnower im Rahmen der RUNDSCHAU-Veranstaltung „LR vor Ort“ am Donnerstag in der Karpfenschänke. Viele halten auch die angekündigte Wassereinspeisung durch den Bergbaubetreiber Leag für nicht ausreichend.

Den Erfolg will sich Kurt Augustin vom Umweltministerium des Landes Brandenburg nicht kleinreden lassen. Der Abteilungsleiter für Wasserwirtschaft ist nach der Pressekonferenz in Cottbus am Mittag auch nach Pinnow gekommen, um mit den Menschen abends zu diskutieren.

Gleich zu Beginn zeigt er eine Grafik, auf der der Grundwasserrückgang im Umfeld der Seen zu sehen ist.  „Ab 2011 gehen die Kurven nach unten“, betont er. Für das Ministerium, das im vergangenen halben Jahr intensiv an der Auswertung der Daten gearbeitet habe, sei das ein Beleg für den Einfluss des Tagebaus.  Erst auf Druck der Behörden habe nun auch der Bergbaubetreiber Leag eine Mitverantwortung eingeräumt,  sagt er.

Jetzt sollen neue Brunnen gebaut und die vier Seen zusätzlich mit Wasser gespeist werden. Drei Millionen Euro kostet das die Leag. Mit der Wassereinleitung soll im Frühjahr 2019 begonnen werden. Ziel ist, den Wasserstand von 2010 wieder herzustellen. Für den Pinnower See sind das 50 bis 60 Zentimeter mehr als aktuell.

„Froh“, dass sich endlich etwas bewegt, ist Hans-Ulrich Berger. Er ist einer der 500 Bungalow-Besitzer am Pinnower See. Mit einem Schreiben an den Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) und einer Petition an den Brandenburger Landtag hat er gemeinsam mit vielen anderen Siedlern Druck gemacht, wie er berichtet.

Für ihn steht allerdings fest, dass die vorliegenden Ausgangsdaten ab dem Jahr 2001 nicht ausreichen, um das Ausmaß des Dramas am Pinnower See tatsächlich beurteilen zu können. Nach Aussagen der Anwohner ist der Wasserspiegel in den vergangenen Jahrzehnten mehr als zwei Meter gefallen.

Auch Andreas Fizia, der hier ein Wochenendgrundstück hat, fehlen „Rohdaten“. Er fordert die  Gemeinde Schenkendöbern auf, als betroffene Kommune Einsicht in die Unterlagen und Monitoringberichte der Leag zu verlangen. Für die Veröffentlichung der Daten macht sich auch die Landtagsabgeordnete Heide Schinowsky (Grüne) stark. Sie vermutet, dass die Ergebnisse dem Bergbaubetreiber „nicht gefallen“ und deshalb unter Verschluss gehalten werden.

Ob die Gemeinde Schenkendöbern den Wasserverlust am Pinnower See als tatsächlich als Bergbauschaden geltend macht, ist noch unklar. Darüber müssen die Gemeindevertreter am kommenden Dienstag entscheiden. Zweifel am Erfolg einer solchen Aktion hegt Andreas Stahlberg von der Gemeindeverwaltung Schenkendöbern. Weil die Schadenshöhe nicht zu beziffern sei, begründet er.

„Klare Kante“ zeigen will hingegen Steffen Krautz, Vorsitzender des Umweltausschusses. Er verweist auf den Erfolg einer Taubendorfer Familie, die Ersatz für 19 Obstbäume auf ihrem Grundstück verlangte und jetzt in der zweiten Instanz Recht bekam. „Traurig“ findet Krautz, dass eine Privatperson der Gemeinde vormacht, wie es geht.

Gestritten wird aber auch über die Machbarkeitsstudie, mit der die Gemeinde den Ursachen für den Wasserverlust am Pinnower See auf den Grund gehen will. Geklärt werden soll, wie hoch der Einfluss des Tagebaus Jänschwalde ist und welche Rolle das Klima sowie Wasserentnahmen der Anrainer spielen.

Die dafür beantragten Fördermittel wurden vom Land abgelehnt. Gegen die Entscheidung will Krautz Rechtsmittel einlegen. Einfach einen neuen Antrag einzureichen, der die aktuellen Rahmenbedingungen berücksichtigt, schlägt Kurt Augustin vor.

„Viel zu lange gewartet“ hat das Land aus Sicht von Schinowsky. Schon beim „großen Fischsterben“ am Pastlingsee 2015 hätte gehandelt werden müssen. „Trotz der lange bekannten massiven Wasserverluste haben sich Umwelt- und Bergbehörde erst jetzt entschlossen, Maßnahmen anzuordnen“, kritisiert sie.

Mehr als 80 Zuhörer verfolgten gespannt die Diskussion in der Karpfenschänke Pinnow und stellten kritische Fragen.
Mehr als 80 Zuhörer verfolgten gespannt die Diskussion in der Karpfenschänke Pinnow und stellten kritische Fragen. FOTO: Roswitha Werner
LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR