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Geschichte
Wie die Reformation nach Guben kam

Mathias Berndt (l.), Pfarrer in Ruhestand, sitzt noch im Publikum, das er später mit seinem Vortrag bestens unterhält. Foto: S. Halpick
Mathias Berndt (l.), Pfarrer in Ruhestand, sitzt noch im Publikum, das er später mit seinem Vortrag bestens unterhält. Foto: S. Halpick FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Guben. Der ehemalige Atterwascher Pfarrer Mathias Berndt präsentiert unterhaltsam Fakten, Theorien und Geschichten.

Wie kam die Reformationsidee nach Guben? Mit dieser Frage hat sich Mathias Berndt, langjähriger Atterwascher Pfarrer, beschäftigt. „Wir wissen es nicht“, räumt er bei seinem Vortrag am Mittwoch in der Fabrik Guben ein. Dennoch sind die von ihm präsentierten Fakten, Theorien und Geschichten interessant und unterhaltsam.

Während die einen die Studenten als Botschafter der Lehren Luthers sehen, kommen für andere auch Handwerksburschen oder reisende Händler infrage. Jedenfalls gelang es dem 1509 eingesetzten Pfarrer Nikolaus Kümmel, selbst begeisterter Anhänger Luthers, die Gubener in seinen Bann zu ziehen, wie Berndt betont.

Für Gustav Mix gilt das Jahr 1519 als Reformationsjahr in Guben. Das war zwei Jahre, nachdem Luther seine 95 Thesen in Wittenberg angeschlagen hat. „Damit wäre Guben ein Vorreiter“, gibt Berndt zu bedenken. Er persönlich hält dieses Datum für zu früh. 1519 wurde das letzte Passionsspiel in Guben aufgeführt. Merkwürdige Vorgänge während des Spektakels und ein angeblich echter Teufel sollen der Reformation zum Durchbruch verholfen haben.

Zu den wichtigen Reformatoren in der Neißestadt gehören auch die Magister Franz Rast und Leonhard Reiff. Letzterer war einer Luthers Weggefährten und wurde 1525 von ihm nach Guben gesandt, um hier in den folgenden Jahren die Reformation einzuführen. Reiff heiratete 1526 eine entflohene Nonne. Die Feier fand in der Fastenzeit statt, was eine Provokation war, wie Berndt erzählt.

Nach Jahren „heftigen Ringens“ konnten die Anhänger der neuen Lehre die Oberhand gewinnen. 1529 stellte sich die Gubener Bürgerschaft auf einer Versammlung auf dem Marktplatz hinter Luthers Lehren.

Der Vortrag fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Am Anfang war das Wort“ statt. Nächster Höhepunkt ist der Vortrag von Wolfgang Huber am 22. November, ab 19 Uhr in der Alten Färberei. Der ehemalige Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, wird über die „Reformation und Freiheit“ referieren.

(sha)