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| 02:36 Uhr

Özdemir an der "Klagemauer”

Andreas Stahlberg (l.) im Gespräch mit Grünen-Chef Cem Özdemir (r.) und Annalena Baerbock am Tagebaurand in Grießen.
Andreas Stahlberg (l.) im Gespräch mit Grünen-Chef Cem Özdemir (r.) und Annalena Baerbock am Tagebaurand in Grießen. FOTO: Daniel Schauff
Grießen/Maust. Da standen sie, Andreas Stahlberg, zuständig für bergbaubedingte Sonderaufgaben bei der Gemeinde Schenkendöbern, und Axel Kruschat, Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Brandenburg, gemeinsam mit einer Handvoll Journalisten am Tagebaurand in Grießen. Daniel Schauff

Angekündigt waren Cem Özdemir, Chef der Bundesgrünen, und Annalena Baerbock, Bundestagsmitglied und einst Vorsitzende des Landesverbands der Grünen in Brandenburg.

Die allerdings standen im Stau zwischen Potsdam und dem kleinen Jänschwalder Ortsteil mit bestem Blick auf den Tagebau.

Was begann wie ein perfekter Auftakt zu einer Debatte über E-Mobilität und die Unmengen an Abgasen der Autos zwischen der Landeshauptstadt und dem Landes-Ostrand, entwickelte sich nach Özdemirs Ankunft am Aussichtspunkt dann doch sehr schnell zu dem, was geplant war: Ein Gespräch über die Kohle.

Die grüne Position machte Cem Özdemir ziemlich schnell deutlich: Kohleausstieg - je schneller, desto besser. Argumentationsstoff lieferten ihm und Kollegin Annalena Baer bock die beiden zum Gespräch gebetenen Gäste Stahlberg und Kruschat ausreichend.

Stahlberg etwa berichtete von den drei Schenkendöberner Ortsteilen Atterwasch, Kerkwitz und Grabko, die erst seit gut drei Monaten wissen, dass sie einer Erweiterung des Tagebaufeldes Jänschwalde nicht zum Opfer fallen werden. Ebenso erklärte er, wie die Bewohner am Tagebaurand unter dem Lärm und dem Staub leiden, der aus dem Tagebau "bei ein bisschen mehr Wind als heute" emporsteige. Die hinter dem Aussichtspunkt gelegene Staub- und Lärmschutzwand nenne man in Grießen die "Klagemauer", erklärte Stahlberg.

Die Weiterfahrt zur Maustmühle in der Gemeinde Teichland (Peitz) nutzte Stahlberg, um auf das fortwährende Problem der Einrichtung einer Schlichtungsstelle für Bergbauschäden aufmerksam zu machen. Im Rheinland, wo die Kohle eine mindestens ebenso große Rolle spielt wie in der Lausitz, gebe es eine solche. Im Osten aber liege das Problem an den zwei Bergbaubetreibern, der staatlichen Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), die für Sanierung und Rekultivierung alter Tagebaue zuständig ist, und der Leag. Letztere, ehemals Vattenfall, habe sich zur Mitwirkung in einer Schlichtungsstelle bereiterklärt, aber nur dann, wenn auch die LMBV mitziehe. Von dort, so berichtet Stahlberg, gebe es hingegen bislang keinerlei ernste Signale.

Stahlberg berichtete auch von Schäden an Wohnhäusern, die durch die Grundwasserabsenkung für den Tagebau entstünden. Ebenso erzählte er vom Pastlingsee, der seit Jahren dramatisch viel Wasser verliert und nach Einschätzung des Umweltministeriums ein Zusammenhang zur Grundwasserabsenkung für den Tagebau Jänschwalde besteht.

Özdemir, nach eigener Aussage erstmals in einer Tagebaulandschaft zu Gast, wagte einen Blick in die Zukunft. Einst, so der Grünen-Chef, würden die Menschen am Aussichtspunkt in Grießen zwar über die Zeit nachdenken, in der Kohle gefördert wurde, sich aber auch sicher sein können, dass das Neue besser sei. Auch deshalb standen auf dem Plan Özdemirs auch Unternehmensbesuche dort, wo man sich bereits jetzt Gedanken über den Kohleausstieg mache und neue Geschäftsfelder erschließe, so wie beim KSC Anlagenbau in Peitz oder bei der VPC in Vetschau. Der Peitzer Unternehmensbesuch musste schlussendlich jedoch aus Zeitgründen ausfallen. Trotzdem, so Özdemir, sei der Besuch ein wichtiger gewesen. Auch Stahlberg und Kruschat zogen ein positives Fazit: Mit Schadstoffmessung und Schlichtungsstelle habe man Themen ansprechen können, die auf die Bundesebene gehörten.