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| 02:52 Uhr

Obstwein ist noch Zukunftsmusik

Hobbywinzer aus Bestensee wie Herbert Krenz (M.) erzählten von ihren jahrelangen Erfahrungen der Obstweinherstellung und hatten natürlich auch jede Menge zum Verkosten dabei.
Hobbywinzer aus Bestensee wie Herbert Krenz (M.) erzählten von ihren jahrelangen Erfahrungen der Obstweinherstellung und hatten natürlich auch jede Menge zum Verkosten dabei. FOTO: utr1
Guben. Zu einem Workshop in der Reihe "Gartenbau in Guben und Gubin – gestern und heute – Erhalt der biologischen Vielfalt im Garten" hatte am Samstag der Förderverein zur Wiederherstellung der Kulturlandschaft Gubiner Berge ins Kulturhaus in Gubin eingeladen. In den letzten Jahren hatten sich die Bemühungen auf Gubiner und Gubener Seite verstärkt, die Obstwiesen und die Kulturlandschaft wieder neu zu entwickeln und Guben als Stadt der Blüten und Gärten wieder neu zu beleben. Ute Richter / utr1

In früheren Jahren pilgerten Menschen aus dem Umland und bis aus Berlin nach Guben zur Kirschblüte. Erwartungsvoll und gespannt warten nun viele Natur- und Wanderfreunde auf die Wiederherstellung des wunderschönen Naturschatzes auf der östlichen Seite der Neiße. Das Ziel ist nicht die Neugestaltung der Gubiner Berge, sondern die Wiederherstellung.

Workshopleiterin Sabine Zachow von der Zukunftswerkstatt Cottbus präsentierte in einem kleinen Rückblick den Zustand der Gubiner Berge einst und heute. Viele der Wege, die einst die Menschen in die damals noch Gubener Berge nahmen, existieren heute nicht mehr. 1939 sei die Infrastruktur der Industriestadt im Grünen noch besser gewesen, so die Workshopleiterin. Ziel sei es, die Wege zur Ullrichshöhe wieder herzustellen. "Das wird wohl lange dauern", sagte sie.

Doch hauptsächlich ging es an diesem Samstag um die Herstellung von Obstweinen, so wie es sie auch früher in Guben gab. Unterstützung kam aus Bestensee. Die Hobbywinzer Herbert Krenz, Wolfgang Gloeck und Bernd Salewsky hatten jede Menge Gerätschaften der Weinherstellung mitgebracht. Obstmühle, Presse und Seihtücher konnten sich die Workshopteilnehmer anschauen. Sogar ein Uraltmodell einer Presse von seiner Großmutter hatte Herbert Krenz mitgebracht. Die drei Bestenseer sind Hobbywinzer und haben schon die unterschiedlichsten Obstweinsorten ausschließlich für den privaten Verzehr hergestellt. Sie erzählen, dass es große Unterschiede bei der Weinherstellung aus Trauben und Obst gebe. Bei Obst seien die Bestimmungen nicht so streng und deshalb könne man auch mehr experimentieren. Und genau das machen die Männer aus der Nähe von Königs Wusterhausen auch seit vielen Jahren. So hat Bernd Salewsky beispielsweise einen Kürbiswein hergestellt. Auch Rhabarber, schwarze Johannisbeere oder Schlehe verarbeiten die Männer im heimischen Keller zu Wein.

Viele ihrer Obstweine hatten sie am Samstag mit nach Guben gebracht, um die Workshopteilnehmer kosten zu lassen. Als fruchtig und süß erwiesen sich diese. "Das liegt vor allem daran, dass man zu Obstweinen auch Zucker oder andere Zusätze hinzufügen kann", so die Experten. Deshalb seien die Herstellungsmethoden und -varianten auch so vielfältig. Und noch einen Vorteil hat die Obstweinherstellung: Während Traubenwein nur im September geerntet wird, gibt es die unterschiedlichsten Obstsorten das ganze Jahr über. Schlehe gehört dabei zu den letzten Früchten im Jahr.

Beobachtet haben die Bestenseer Hobbywinzer, dass Weinherstellung eher eine Männerdomäne ist. "Bei uns gibt es eine klare Aufteilung", so Herbert Krenz. "Wir machen den Wein und unsere Frauen trinken ihn", erzählt er mit einem Augenzwinkern.

Am Nachmittag gab es dann noch zahlreiche Gespräche zwischen den deutschen und polnischen Teilnehmern des Workshops. Für den 6. Mai ist ein Baumblüten- und Begegnungsfest in der Gubiner Kleingartenanlage ROD Wzgorze (ehemals Schönhöhe) geplant. Und wer weiß, vielleicht pilgern irgendwann wieder Menschen von überall her in die Gubiner Berge, denn schon jetzt erobert die Gubiner Bevölkerung das Gebiet der Gubiner Berge langsam zurück.