| 02:35 Uhr

Obersprucke schrumpft für die Altstadt

Als schmerzhafter Prozess wird der Rückbau in den Wohnkomplexen im Integrierten Stadtentwicklungskonzept bezeichnet. Der Umzug ins Zentrum soll den Bewohnern künftig aber so leicht wie möglich gemacht werden.
Als schmerzhafter Prozess wird der Rückbau in den Wohnkomplexen im Integrierten Stadtentwicklungskonzept bezeichnet. Der Umzug ins Zentrum soll den Bewohnern künftig aber so leicht wie möglich gemacht werden. FOTO: Daniel Schauff
Guben. Zwischen 11 000 und 13 000 Einwohner wird Guben in rund 20 Jahren zählen. Der Bevölkerungsrückgang ist zentrales Thema im Entwicklungskonzept, das die Stadtverordneten nächste Woche beschließen sollen. Daniel Schauff

Die Stadt wird kleiner - und das sehr schnell. Bis 2035 könnte Guben auf gerade einmal knapp 11 000 Einwohner geschrumpft sein und damit seit 2014 knapp 40 Prozent der Einwohner verloren haben. Die Zahlen stammen aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Insek) für Guben und bilden die Basis für die Strategie, die Stadtverwaltung und Politik in den nächsten Jahren anwenden wollen, um aus der Stadt eine "große Kleinstadt" werden zu lassen.

Der Fokus des künftigen Gubens liegt in der Altstadt. Die Sanierungsstrategie, die die Stadtverwaltung und die Politik bereits seit Längerem fährt, wird beibehalten. Neben der Sicherung und Sanierung stadtbildrelevanter Gebäude soll die Altstadt mehr und mehr zum Wohnraum werden - möglichst attraktiv, sodass auch Neu-Gubener gewonnen werden können. Anreize für Firmen und damit die Entstehung von neuen Arbeitsplätzen sollen geschaffen, die Vernetzung von Schulen und Unternehmen enger werden. Noch immer verlassen vor allem jüngere Gubener nach der Schule die Stadt, auch das zeigen die Zahlen im Insek-Entwurf. Allerdings sei es gelungen, die Abwanderung der 18- bis 30-Jährigen leicht zu bremsen, heißt es weiter.

Umkehren wird sich die Bevölkerungsentwicklung aber nicht, sodass Guben künftig auch räumlich wesentlich kleiner werden wird. "Von außen nach innen" wird der Rückbau von Wohnblocks weitergeführt, wie im Insek festgelegt ist. Dabei allerdings soll vor allem ein Dialog mit den jetzt noch in den Wohnkomplexen lebenden Bewohnern geführt werden. "Die Verkleinerung des Stadtkörpers ist für alle Beteiligten ein schmerzhafter Prozess", heißt es im Insek. Die Wohnkomplexe II und IV stehen bei den Rückbauplänen im Fokus, sodass die Obersprucke an Größe verlieren werde. Dennoch sei es das Ziel, auch die kleiner gewordene Wohnsiedlung attraktiv zu gestalten. Außerdem soll den Bewohnern, die vom Abriss direkt betroffen sind, mit Umzugsangeboten der Weggang aus den Wohnkomplexen erleichtert werden. In diejenigen Gebäude, die allerdings erhalten bleiben, soll hingegen investiert werden, um die Obersprucke auch in Zukunft als Wohngebiet wichtig bleiben zu lassen. Den Umzug von Kitas ins Stadtzentrum schließt das Insek nicht aus. Dennoch bleibe der bedarfsgerechte Bestand erhalten.

Für die Altstadt bedeutet das Kleinerwerden der Obersprucke neben der Sanierung von Vorzeige-Gebäuden weitere deutliche Veränderungen. Wohnmöglichkeiten soll es "für alle Geldbeutel" im Zentrum geben - ein bedarfsgerechter Anteil an Sozialwohnungen soll dementsprechend künftig zur Verfügung stehen. Stadt und Wohnungsbauer würden darüber hinaus für eine ausreichende Anzahl barrierefreier Wohnungen im enger zusammengerückten Guben sorgen. Fördermittel für altersgerechte Wohnbebauung sollen von Bund und Land kommen, heißt es weiter. Ein Insek, das hat der amtierende Bürgermeister Fred Mahro wiederholt erklärt, ist auch beim Werben für Mittel aus vielen Fördertöpfen Voraussetzung.

Ausgeschlossen wird im Insek auch nicht die Zusammenlegung von Bildungserinrichtungen, wenn sich die Bevölkerungsprognose bestätigt. Das allerdings, so wird verdeutlicht, werde sich nicht negativ auf die Vielfalt und Qualität auswirken. Guben könne bei der Bildungsqualität ein hohes Niveau vorzeigen - das solle in Zukunft weiter charakteristisch für die Stadt bleiben. Ein Gesamtkonzept zur Konsolidierung der Bildungslandschaft und -vielfalt soll mittelfristig erarbeitet werden, um dieses Ziel zu erreichen.

Zum Thema:
Die Entwicklung von Altstadt und Wohnkomplexen ist nur eins von vielen Themen rund um die Zukunft Gubens, die im Insek aufgegriffen werden. Neben der Sicherung der Stadtqualität und der Lebensqualität beschäftigt sich das Konzept auch mit der Stärkung des Wirtschaftsstandortes, der regionalen Zusammenarbeit mit deutschen und polnischen Partnern sowie der Definition einer "zukunftsfesten großen Kleinstadt".